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Die Menschen in den Geschichten Annett Krendlesbergers sind Gefangene. Gefangene ihrer eigenen Empathielosigkeit, ihres empathielosen Umfelds. Sie alle stecken in ihrem höchstpersönlichen Korsett fest, haben einmal mehr, einmal weniger schwer am Kreuz fehlenden Mitgefühls zu tragen. Und während die einen scheinbar unberührt, ja, mit schon fast an Grausamkeit grenzender Distanziertheit das Geschehen um sich herum beobachten, werden andere an den Rand gedrängt. Wie zum Beispiel Anne, das dicke Kind, oder auch Mareike, die Betrogene, Vergessene, die mit der Geliebten ihres Mannes unter einem Dach leben muss. Pausenlos sehen manche ihren Kollegen dabei zu, wie sie langsam ins Burnout schlittern. Und dann wären da noch die Geschwister: Der konkurrierende Bruder, der es nicht und nicht schafft, sich von seiner Herkunftsfamilie zu lösen, oder sie, die Schwester, deren Kindheit einen langen Schatten ins Heute wirft. In Anbetracht des dahinsiechenden Vaters drängt zeitlebens Unterdrücktes unerbittlich ans Licht. Keine Vorbilder. In Annett Krendlesbergers Erzählungen begegnen wir Menschen. Menschen, die auf der Suche nach Erfüllung sind. Und die nicht erkennen, nicht erkennen wollen, dass sie mehr den Vorstellungen anderer als den eigenen Lebensentwürfen gemäß agieren. Wir begegnen ihnen dort, wo es gälte innezuhalten, an Weggabelungen, oder aber in Momenten starker, vermeintlich negativer Gefühle. Immer dann, wenn das Erlebte wie Salz in der Wunde sticht.

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Doch, Annett Krendlesberger

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2016
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