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Mischa Suter

    Rechtstrieb
    Geld an der Grenze
    • Geld an der Grenze

      Souveränität und Wertmaßstäbe im Zeitalter des Imperialismus 1871–1923

      • 446 pages
      • 16 hours of reading

      »Geld, so will es eine eingeschliffene Vorstellung, ist ein großer Gleichmacher, es bringt Ungleichartiges auf denselben Nenner, es ebnet ein, es fungiert als allgemeines Äquivalent.« Aber was geschieht, wenn wir Geld anders betrachten, nämlich als Medium von Konflikten? In seiner umfassenden Studie historisiert Mischa Suter die politischen Funktionen des Geldes und wirft Schlaglichter auf markante Konstellationen im Kapitalismus um 1900: auf den Diskurs um den Wucher in den 1870er-Jahren im Habsburger Reich und in Deutschland, der zum Katalysator für einen neuartigen politischen Antisemitismus wurde; auf die imperialen Auseinandersetzungen um die Einführung des Goldstandards Ende des 19. Jahrhunderts; auf die von Straßenprotesten begleitete Währungsstabilisierung in der großen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg – und darauf, wie die Einführung einer Bargeldökonomie in den deutschen Kolonien die Grundlage für die rassistische Herrschaft stellte. Mischa Suter macht anschaulich, inwiefern in der Definition von Werten immer auch Fragen der Gesellschaftsordnung mitschwingen – und formuliert heute, da wir an der Schwelle zu einem neuen monetären Zeitalter stehen, dringende Fragen: War das Geld zu jeder Zeit neutral, einheitlich und fungibel? War es tatsächlich je das Mittel, das Werte transparent machen konnte?

      Geld an der Grenze2024
    • Rechtstrieb

      • 332 pages
      • 12 hours of reading

      Das Buch unternimmt eine historische Ethnographie der prekären Ökonomie des 19. Jahrhunderts, indem es den Moment beleuchtet, in dem Schulden unbezahlbar werden. Der "Rechtstrieb", die rechtlich sanktionierte Eintreibung von Schulden, erzeugte einen Fluss aus Forderungen, Konflikten und Friktionen, die konkret sichtbar gemacht werden. Schulden sind vor allem ein Kräfteverhältnis, in dem ökonomische Beziehungen und moralische Bewertungen ineinanderfließen. Der Alltag im liberalen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war ein komplexes Geflecht solcher Verhältnisse. Wurden Schulden unbezahlbar, gerieten die damit verbundenen Situationen in eine Schieflage. Die Eintreibung von Schulden war eine grundlegende Technik, die Zwangsvollstreckung ein Recht, das Sachverhalte abgrenzte und Werte umriss. Männliche Schuldner riskierten den Verlust ihrer Bürgerrechte, während Schuldnerinnen unter Vormundschaft gestellt wurden. So entstanden Figuren wie der "bürgerlich tote Falliten" oder der formal definierte "Kaufmann". Der Rechtstrieb wies vor seiner Vereinheitlichung im späten 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Routinen auf, wie am Beispiel der Schweiz gezeigt wird. Diese Routinen umfassten Fristen, Register, Protokolle und Mahnzettel. Die Formen des Rechtstriebs verkörperten die Widersprüche des liberalen Kapitalismus und fordern dazu auf, Konflikte und kollidierende moralische Sichtweisen als Kern des Kapitalismus zu erkennen.

      Rechtstrieb2016