Ein Individualist zwischen den Nationen ... „Vermutlich Deutscher“ erzählt die bewegte Lebensgeschichte des Philosophen, Dolmetschers und Übersetzers Vincent von Wroblewsky und gibt einen Einblick in unbekanntere Seiten der Deutsch-Deutschen Geschichte. 1939 als Sohn jüdischer Kommunisten in Frankreich geboren, kam er im Alter von 10 Jahren in die DDR, wo er in Ostberlin aufwuchs und seine Mutter als überzeugte Kommunistin am Wiederaufbau von Ostdeutschland mitwirkte. Fortan bewegte er sich zwischen den Nationen, erlernte die deutsche Sprache und promovierte schließlich über Jean-Paul Sartre. Neben seiner Funktion als Wissenschaftler am Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften begleitete er als Dolmetscher und Simultanübersetzer zahlreiche DDR-Delegationen zu internationalen Kongressen und Konsultationen. Das Porträt eines Individualisten und sein Werdegang inmitten der bisweilen grotesken Mechanismen der DDR, die er von Anfang bis zum Ende durchlebte, mit all ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, ihren Versprechen und Absurditäten.
Vincent von Wroblewsky Book order (chronological)




Geboren am 21.06.1905, wuchs er nach dem frühen Tod seines Vaters 1906 bis zur Wiederheirat seiner Mutter 1917 bei seinen Großeltern in Paris auf. 1929, vor seiner Agrégation in Philosophie, lernte er seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir kennen, mit der er eine unkonventionelle Bindung einging, die für viele ein emanzipatorisches Vorbild wurde. Von 1931 bis 1937 war er Gymnasiallehrer in Philosophie in Le Havre und Laon, anschließend bis 1944 in Paris. 1933 war er Stipendiat des Institut Français in Berlin, wo er sich mit Husserls Philosophie auseinandersetzte. Am 02.09.1939 wurde er eingezogen und geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er 1941 mit gefälschten Entlassungspapieren entkam. 1943 wurde unter deutscher Besatzung sein erstes Theaterstück «Die Fliegen» aufgeführt; im selben Jahr erschien sein philosophisches Hauptwerk «Das Sein und das Nichts». Nach dem Krieg wurde seine Philosophie unter dem Schlagwort «Existenzialismus» zu einem modischen Bezugspunkt der Revolte gegen bürgerliche Lebensformen. 1964 lehnte er den Nobelpreis ab. Zahlreiche Reisen führten ihn in die USA, UdSSR, China, Haiti, Kuba, Brasilien, Nordafrika, Schwarzafrika, Israel, Japan und fast alle europäischen Länder. Er traf sich mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Roosevelt, Chruschtschow und Mao Tse-tung. Sartre starb am 15.4.1980 in Paris. Auszeichnungen: Prix du Roman populiste für «Le mur» (1940); Nobelpreis für Literatur (1964
Jean-Paul Sartre, Theorie und Praxis eines Engagements
- 134 pages
- 5 hours of reading