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In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, unter welchen Bedingungen Leidenserlebnisse zu Lernerfahrungen führen. Diese Fragestellung entstand aus einer Panelstudie über den Transformationsprozess in Ostdeutschland, in der viele Reaktionen der befragten Ostdeutschen auf Leidenserlebnisse hinwiesen. Diese wurden durch biographische Interviews näher betrachtet. Ziel der Untersuchung ist es, Typen des Leidens und Lernens herauszuarbeiten, die unterschiedliche Formen des Leidens und Arten des Lernens umfassen. Bei einer Befragten zeigt sich beispielsweise, dass das Lernen aus einem Leiden sehr schwach ausgeprägt ist und an Perspektivlosigkeit grenzt. In „ritualisierten Empörungen“ gibt es ein mittleres Maß an Leiden und Lernen. In einigen Fällen ist das Lernen intensiv, da die Betroffenen ihre biographischen Entscheidungen für ihr Leiden verantwortlich machen. In solchen Kontexten kann Leiden sogar als Faktor für Individualisierung verstanden werden. Um die Zusammenhänge zwischen Leiden und Lernen zu erkennen, wurde eine geeignete Untersuchungsgruppe ausgewählt: die mittlere Erwachsenengeneration der DDR. Diese Gruppe ist keine Extrem- oder Randgruppe, sondern besteht aus BürgerInnen, die sich an einem „Normallebenslauf“ orientieren, wobei Berufsarbeit und Familieninteressen lange Zeit im Vordergrund standen. In dieser Hinsicht stellt die Suche nach Leidenserlebnissen in dieser Gruppe eine soziologische Herausforderung dar.
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Lernen durch Leiden?, Thomas Brüsemeister
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- Released
- 1998
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