Das außergewöhnliche Buch lädt zu einem literarischen Experiment ein, das die fluiden Aspekte des menschlichen Ichs beleuchtet. Inspiriert von philosophischen und naturwissenschaftlichen Ansätzen, untersucht die Autorin Elisa Asenbaum die dynamische Wechselwirkung zwischen Ich und Du, bewusst abweichend vom neoliberalen Verständnis des Individuums. Sechs Autor:innen – Thomas Ballhausen, Patricia Brooks, Semier Insayif, Ilse Kilic, Eleonore Weber und Herbert J. Wimmer – beteiligen sich an einem lyrischen Dialog ohne thematische Vorgaben. In diesem offenen Austausch entstehen überraschende lyrische Passagen, die zeigen, wie sich das Ich im Dialog wandelt und neue Facetten freisetzt. Die Autor:innen loten die Grenzen und Potenziale des poetischen Dialogs aus, wobei ein Drittes entsteht, das im Prozess des Dialogs erwächst. Harald Hofer beleuchtet Berührungspunkte des Dialogs aus philosophischer, physikalischer und mathematischer Sicht und erweitert die thematische Breite des Bandes. Denk-Verwurzelungen, Konzepte wie Subjekt und Ich sowie Sphären der Sprache stehen im Brennpunkt. Renate Resch analysiert die sechs poetischen Dialoge und bietet Einblicke in stilistische und thematische Einflüsse zwischen den Partner:innen. Sechs grafische Bildwerke von Asenbaum ergänzen die lyrischen Beiträge. Das Werk stellt den Wert von Kooperation, Dialog und kreativer Offenheit in den Vordergrund.
Semier Insayif Book order (chronological)






ungestillte blicke
vom bebildern eines kopfes und beschriften desselben
Vom Bild ausgehend, über Bilder nachdenkend wie über das Bildermachen selbst, spürt Semier Insayif den Korrespondenzen mit dichterischen Mitteln nach, die uns auf den Spuren der alten Horaz’schen Formel (ut pictora poiesis – Dichtung als Bild / Dichtung wie Malerei) seit mehr als 2000 Jahren beschäftigen. So geht es in der Lyrik nicht bloß um die Kunst, Bilder zum Sprechen zu bringen, sondern um einen forschenden Prozess: „Kunstbetrachtun- gen“, wie es der Autor nennt, die in einem inneren Prozess zu „Kunstbeschriftungen“ werden, also die Wandlung vom betrachtenden Auge zur schreiben- den Hand und von der schreibenden Hand zur spre- chenden Zunge. Poetisch-poetologische Bilderkundungen auf den Fährten von Artaud, Bacon, Dali, Duchamp, Giacometti, Janssen, Jawlensky, Kirchner, Kollwitz, Picasso, Schiele, Wols u.a.
Der Garten: irdisches und himmlisches Paradies, Erholungsraum und Schlachtfeld, Sinnbild der menschlichen Seele und der Erotik, realer Ort und Sehnsuchtsort – die symbolischen Bedeutungen des Gartens in Orient und Okzident sind vielfältig. Semier Insayif hat einen Sprachgarten aus stimmungsvollen Bildern angelegt, der einlädt, darin zu flanieren, in Deckung zu gehen oder sich bis zum Grund durchzugraben, und wie nebenbei eine atemberaubende Formen- und Pflanzenvielfalt zu entdecken. In seinen Gedichten zeichnet Insayif den Garten als poetisches Kraftfeld und als verbindendes und trennendes Element der Kulturen. Dabei steht über allem die Frage, was ein Gedicht eigentlich sei. Verhält sich gar das Gedicht zur Sprache wie der Garten zur Natur?
Faruq
- 184 pages
- 7 hours of reading
Wien, um 1950: Ein junger Mann macht sich aus seiner Heimat Bagdad auf nach Wien; er will Medizin studieren, eine neue Zukunft aufbauen, fern von der Heimat. Jahrzehnte später: Ein anderer junger Mann begibt sich, einen Schritt vor den anderen setzend, auf den Weg zu seinen Wurzeln, in die Geschichte seiner Familie. Seine Erinnerung führt ihn zurück nach Bagdad, in die Heimat des Vaters. Entlang arabischer Worte, Zeichen und Satzfetzen, die wie aus einem Nebelschleier auftauchen, tritt er ein in eine fremdvertraute Sprache und Kultur; und er begegnet einer Frau, die unendlich weit entfernt ist, und vielleicht zugleich unendlich nahe.Semier Insayif erzählt in rhythmisierter Prosa, in einem Strom von Handlungssträngen, die an- und abschwellen, sich überlagern und kommentieren. Erinnerung wird zu Sprache, Sprache wird zu Erinnerung, sie fließen ineinander zu einem eindringlichen Bild von Heimat und Fremde und von einem Leben zwischen den Kulturen.
Libellen Tänze
- 72 pages
- 3 hours of reading
Aus dem Hörerlebnis der Bach'schen Cellosuiten destilliert Insayif Gedichte. Sinneseindrücke werden durch poetische Bilder konkretisiert. Der bekannte Cellist Martin Hornstein hat die Komposition für „libellen tänze“ eigens interpretiert. Die gemeinsame Auseinandersetzung der beiden Künstler mit dem Werk ergab eine jeweils eigenständige und doch aufeinander bezogene lautliche Konkretisierung der Notenschrift. „libellen tänze“ ist keine dichterische Spiegelung eines Tonwerkes, es ist etwas entschieden Neues: ein musikalisch-poetisches Universum, das zu sinnlichen Entdeckungen einlädt.