Im vorliegenden Band wird der Vorschlag gemacht, den stimmenden wie gestimmten Charakter des Sprachlichen mit dem Sammelbegriff "Sprachmodalitäten" zu belegen und die prinzipielle Frage nach den Korrelationen, besser: Interpenetrationen von Stimmungs- und Spracheffekten als Modalitäten der Sprache selbst zu stellen. Das Thema der Stimmungen, Affekte und Emotionen ist in den Kultur- und Literaturwissenschaften, gar in der Philosophie nicht neu, es erfreute sich in den letzten ca. 15 Jahren geradezu allgemeiner Beliebtheit, emblematisch dafür könnte das Label "Languages of Emotion" stehen. Dabei ist doch auffällig, dass "Emotion" in vielfältiger Weise thematisiert wurde, "Language(s)" hingegen weniger. Mögliche Sprachkonzepte und Sprachmodi, die in dieser Verbindung von Relevanz wären, wurden selten systematisch befragt. So stellt sich die Frage, wie man der sprachlichen Seite, gar Ermöglichung von Gestimmtheit, Affekten und Emotionen nachgehen könnte. Im vorliegenden Band wird der Vorschlag gemacht, diesen stimmenden wie gestimmten Charakter des Sprachlichen mit dem Sammelbegriff "Sprachmodalitäten" zu belegen und die prinzipielle Frage nach den Korrelationen, besser: Interpenetrationen von Stimmungs- und Spracheffekten als Modalitäten der Sprache selbst zu stellen.
Manuel Ghilarducci Book order


- 2021
- 2019
Subjekte, Sprachgewalt, Hegemonie
Sprachreflexion in der deutschen und russischen Gegenwartsprosa
- 212 pages
- 8 hours of reading
Die Sprachreflexion in der deutschen und russischen Gegenwartsprosa wurde bisher als biografisch motivierte Reaktion auf politische Unterdrückung interpretiert. Doch ist es wirklich ein politisches Anliegen, wenn Literatur ihr eigenes Medium reflektiert? Und was bedeutet „politisch“ in diesem Kontext? Die Arbeit untersucht die Komplexität und Transversalität der Sprachreflexion in exemplarischen Texten der deutschen und russischen Gegenwartsliteratur, basierend auf poststrukturalistischen und hegemonietheoretischen Ansätzen. Die Prosa von Gert Neumann, Kurt Drawert, Vladimir Sorokin und Valerij Votrin thematisiert Sprachgewalt als Fundament jeder soziopolitischen Ordnung – sei es in der DDR, der Sowjetunion oder im heutigen Deutschland und Russland. Darüber hinaus wirft die Literatur sprachphilosophische Fragen auf: Was ist Sprache? Ist Literatur ohne Sprachgewalt möglich? Wie stehen politische Systeme, Sprachnormen und Subjekte in Beziehung? Politisch diskursive Gewalt und die immanente Gewalt der Sprache sind eng miteinander verwoben. Die Versuche der Subjekte, sich als stabile Instanzen zu präsentieren, die die Sprache kontrollieren können, führen stets zu einem Scheitern, das nicht nur als Resultat politischer Herrschaft zu verstehen ist, sondern als konstitutive Eigenschaft des Subjekts im ontologischen Verhältnis zur Sprache.