Text und Kontext - 14: Allegorese und Philologie
Überlegungen zum Problem des mehrfachen Schriftsinns in Dantes "Commedia"
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Die Arbeit klärt die Kontroverse, ob Dante von seinen Lesern die Auslegung eines mehrfachen Schriftsinns im Sinne der allegorischen Bibelexegese erwartete. Der Fokus liegt auf dem Textverständnis einer theologisch versierten Elite. Es wird ein Lösungsansatz entwickelt, der Techniken mittelalterlicher Allegorese mit philologischer Quellenkritik kombiniert. Intertextuelle Bezüge bilden den Ausgangspunkt, wobei die in der Commedia behandelten Themen und Personen durch signifikante sachliche Analogien auf biblische Subthemen verweisen und Inhalte aus deren traditioneller Exegese neu inszenieren. Die Arbeit behandelt das Problem der Allegorie und die Erwartungen Dantes Publikums, analysiert Deutungsansätze der Danteforschung und untersucht den biblischen Subtext sowie den allegorischen Sinn am Beispiel von Paradiso 10/12. Zudem werden die bibelexegetischen Quellen identifiziert und Sonderprobleme der Zahlenallegorese thematisiert. Ein bibliographischer Anhang und Indizes ergänzen die Studie. Diese Arbeit spiegelt die besten Traditionen der germanischen Philologie wider und steht in einem regen Dialog mit der amerikanischen Dante-Forschung. Lieberknecht hat die mittelalterliche Kommentierungstradition zur Bibel tiefgehend erforscht und ein differenziertes analytisches Rüstzeug für entsprechende Interpretationen etabliert.
