Im Jahr 1920 erschien ein Liebesalmanach von Wilhelm Scharrelmann, der durch Aquarelle von Paul Hartmann ergänzt wurde. Als Rechtsinhaberin habe ich die Aquarelle minimiert und einige Erzählungen aus anderen Werken Scharrelmanns übernommen. Um junge Leser nicht abzuschrecken, wurden langatmige Formulierungen gekürzt. Unsere Sprache und das Liebesleben um 1900 unterscheiden sich stark von heute. Begriffe wie Scheidung oder Sex fehlen, während häufig Themen wie Krankheit, Verzicht, Tod und Einsamkeit vorkommen. Die zentrale Frage bleibt: Wo und wie finde ich den passenden Lebensgefährten? Mädchen wurden damals nicht über biologische Zusammenhänge aufgeklärt und erlitten oft gesellschaftliche Ausgrenzung bei ungewollten Schwangerschaften. Junge Männer entzogen sich manchmal der Verantwortung und wanderten aus. Liebe bedeutete damals die Gründung einer Familie und eine lebenslange Bindung in einer gesetzlichen Ehe unter dem Namen des Mannes. Töchter wurden oft im Alter von achtzehn Jahren über Verwandte an Partner vermittelt. Frauen wurden auf die Aufgaben im Haushalt vorbereitet, und finanzielle Mittel bestimmten oft den Bildungsweg. Heute stehen Frauen gleichberechtigt neben Männern im Beruf, während Väter bereit sind, ihre Kinder zu betreuen. Die Frage bleibt, wie sich „die Liebe“ in Zukunft darstellen wird. Ich hoffe, dass in der heutigen Medienwelt nicht nur Sexualität, sondern auch „Nächstenliebe“ im Vordergrund steht.
Anka Scharrelmann Hüchting Books
