Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Theaterwissenschaft, Tanz, Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutsch. Der Chor in der attischen Tragödie ist ein faszinierendes Thema, das heutzutage oft vernachlässigt wird. Während die Diskussionen häufig die Helden und Hauptpersonen fokussieren, bleibt die Rolle des Chors oft unbeachtet. Ist der Chor als dramatis persona von Bedeutung oder dienen die Chorlieder lediglich der besseren Verständlichkeit des Inhalts? Viele Forscher, darunter auch Herwig Brandt, argumentieren, dass der Chor bei Euripides im Vergleich zu Aischylos und Sophokles an Bedeutung verliert. Doch ist es wirklich möglich, die „Chor-Szenen“ aus seinen Tragödien zu entfernen, ohne wesentliche Veränderungen zu bewirken? Die zentrale Frage bleibt, welches Anliegen der Chor verfolgt und welche Position er einnimmt. Bei der Analyse des Chors in Euripides' Werken zeigt sich, dass er oft auf der Seite der weiblichen Hauptfiguren steht. Ob er ihnen tatsächlich Unterstützung bietet, ist sekundär. Es wird deutlich, dass Euripides seinen Chor häufig als Vertrauten der Frauen inszeniert, was durch die häufig weibliche Besetzung des Chors verstärkt wird. Dies deutet weniger auf einen Hass, sondern vielmehr auf eine Wertschätzung der Frauen hin.
Stefanie Tröstl Books
