Mit Christoph Martin Wieland beginnt die moderne deutsche Literatur. Er ist nicht nur der Schöpfer seiner eigenen Werke, sondern auch der «Erfinder» der Weimarer Klassik. Jan Philipp Reemtsma befreit Wieland in seiner ersten Biografie seit 70 Jahren aus dem Schatten von Goethe und Schiller. Diese aufregende und fulminante Darstellung gibt uns einen Klassiker zurück, der für das Verständnis der deutschen Literatur nach Weimar unerlässlich ist. Wieland war Innovator, Aufklärer, Schriftsteller, Journalist und Menschenkenner – eine zentrale Figur der deutschen Aufklärung. Er machte den Roman in Deutschland zu einer anerkannten Literaturgattung, schrieb die erste moderne deutsche Oper und brachte mit seinen erotischen Verserzählungen frischen Wind in die Poesie. Zudem gab er «Der Teutsche Merkur» heraus, eine der wichtigsten literarisch-politischen Zeitschriften Europas, und prägte das Genre des politischen Journalismus mit seinen Texten über die Französische Revolution und Napoleon, den er 1808 in Weimar persönlich traf. Reemtsmas grandiose Biografie, das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung, bietet die Gelegenheit, Wieland neu zu entdecken. Sie wurde für den Bayerischen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 nominiert und ist die erste Wieland-Biografie seit 70 Jahren.
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Lange Zeit stand der Täter im Mittelpunkt kriminalpolitischer und strafrechtlicher Bemühungen, während das Opfer argumentativ nicht berücksichtigt wurde. Die Beziehung zwischen Täter und Strafrecht dominierte, wobei der Täter oft als Opfer staatlicher Vergeltungsmaßnahmen angesehen wurde. Das Verbrechensopfer, dessen Anspruch auf Gerechtigkeit der Staat im Namen des Gewaltverbots in die eigene Hand nahm, geriet in den Hintergrund. Heute hat sich die Perspektive gewandelt: Sicherheit vor Kriminalität steht im Vordergrund, und ein opferorientiertes Strafrecht gewinnt an Bedeutung. Der Staat wird eher als Schutzmann denn als Kerkermeister wahrgenommen. Dieser Wandel wirft zahlreiche Probleme auf, die Winfried Hassemer und Jan Philipp Reemtsma in ihrem Werk untersuchen. Sie konzentrieren sich auf die zentrale Frage, ob die Täterorientierung des Strafrechts ein unverzichtbares Merkmal des Rechtsstaats und ein Gebot der Verfassung ist. In ihrer differenzierten Analyse, die juristische, rechtspraktische, moralphilosophische und kulturhistorische Aspekte einbezieht, skizzieren sie ein Programm, das den Ansprüchen von Verbrechensopfern auf stärkere Berücksichtigung in Strafrecht und Kriminalpolitik Rechnung trägt.
Einige Hunde
- 115 pages
- 5 hours of reading
Der Hund ist der Begleiter des Menschen seit Jahrtausenden. Jan Philipp Reemtsmas Exkursionen zum „Hund in der Malerei“ unterscheiden, gelehrt und unterhaltend die verschiedenen Funktionen, die sie in der Malerei innehaben. »Hunde als Accessoires, die einfach nur das Bild mit einer optischen oder genrespezifischen Auflockerung versehen – und Hunde, die seltsam prominent im Bild erscheinen, ohne daß man, auf den ersten Blick, zu sagen vermöchte, was sie da eigentlich zu suchen haben.« So spannt sich der Bogen von Rembrandt bis Max Liebermann, von Watteau bis Lucian Freud. Vierzig Farbabbildungen illustrieren die Ausführungen. Und der Leser des Buches wird beim nächsten Museumsbesuch nach Hunden Ausschau halten.
Vertrauen und Gewalt
- 576 pages
- 21 hours of reading
Die Probleme der Gewalt bleiben komplex, wie Hannah Arendt vor 40 Jahren feststellte. Dieses Buch untersucht, warum die Soziologie Schwierigkeiten hat, die Phänomene der Gewalt zu erfassen. Jan Philipp Reemtsma analysiert, was Vertrauen in der Moderne bedeutet und wie es an die Legitimationsanforderungen des Gewaltgebrauchs gebunden ist. Er hinterfragt, wie extreme Destruktivität trotz des modernen Programms zur Gewalteinschränkung bestehen kann und warum das Vertrauen in die Moderne trotz der Gewaltexzesse des 20. Jahrhunderts fortbesteht. Das Werk beleuchtet verschiedene Aspekte der Gewalt und deren Beziehung zur Macht, untersucht, warum bestimmte Gewaltformen in der Moderne tabuisiert sind, obwohl sie weiterhin existieren, und analysiert die Wahrnehmungs- und Analyseprobleme, die daraus resultieren. Reemtsmas Ansatz ergänzt bestehende Perspektiven und nutzt eine besondere Beschreibungstechnik. Historische, politische, literarische und philosophische Entwicklungen werden mit konkreten Ereignissen verknüpft. Soziologische Reflexionen und historische Beispiele werden durch philologische Analysen bereichert, etwa durch die Auseinandersetzung mit William Shakespeare als Theoretiker von Macht und Gewalt oder Friedrich Schillers Konzept des Desperado in 'Wilhelm Tell'. Reemtsma bietet eine Arbeit, die dazu anregt, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und das Verständnis der Beziehung zwischen Vertrauen, Gewalt und Macht zu verti
Die Gewalt spricht nicht
- 134 pages
- 5 hours of reading
Gewalt gibt es nur da, wo es eine schweigende Mehrheit gibt - Jan Philipp Reemtsmas Bändchen „Die Gewalt spricht nicht“ fasst drei Aufsätze über Nationalsozialismus, Gewalt und den Status der Opfer aus den Jahren 1996 bis 2000 zusammen (zwei davon werden hier erstmals einem größeren Publikum zugänglich gemacht). Drei herausragende Beiträge zur aktuellen Diskussion.
Krieg, Gewalt, Antisemitismus, Freiheit der Rede: Themen wie diese treiben uns in der Gegenwart um. Doch neu sind sie nicht. In drei bestechend klaren Reden analysiert Jan Philipp Reemtsma aktuelle Phänomene, indem er sie mit historischen Debatten und Ereignissen in Zusammenhang bringt. Es geht mit Christoph Martin Wieland um ein Verständnis von Aufklärung als einem andauernden Dialog, um die Einhegung kriegerischer Gewalt seit dem Dreißigjährigen Krieg und die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. »In der Regel sind Probleme, mit denen man in seiner Gegenwart konfrontiert ist, gar nicht so neu, wie man fürchtet, und oft fürchtet man sie nur, weil man sie für neu hält.«
„Er kam in Begleitung einer der aufregendsten Frauen, die je eine Bühne betreten haben, und sie machte auch entsprechend Furore. In Hamburg noch nicht so sehr, aber dann in Berlin und überall: Minna von Barnhelm. Als er abreiste, hatte er die Liebe seines Lebens kennengelernt. Dazwischen liegen drei Jahre, liegen Bekanntschaften, enttäuschte Hoffnungen am Theater, eine Pleite, unausgeführte Entwürfe für einige Theaterstücke, ein publizistischer Krieg, zwei Bücher, die wir nicht ungelesen lassen können, wenn wir die Frage beantworten wollen: Was ist Aufklärung?“ Jan Philipp Reemtsma, Literaturwissenschaftler und Hamburger, legt mit diesem Essay ein fulminantes Portrait der Hamburger Jahre von Gotthold Ephraim Lessing vor. Einer der größten Autoren nicht nur des 18. Jahrhunderts, sondern der deutschen Literatur überhaupt wird uns - ganz ohne Marmorsockel und Geniepathos - auf dem Höhepunkt seines Wirkens vorgestellt: als Dichter, Verleger, Theaterdirektor, Literaturtheoretiker und als Polemiker.
Über Arno Schmidt
Vermessungen eines poetischen Terrains
»Man kann Bücher leider nur einmal zum ersten Mal lesen. Die großen Autoren entschädigen für diese traurige Einmaligkeit dadurch, daß ihre Bücher bei der zweiten und dritten Lektüre sich erst wirklich entfalten.« In zwölf Annäherungen aus höchst unterschiedlichen Richtungen erkundet Jan Philipp Reemtsma das Schmidtsche poetische Terrain. Dabei wird deutlich: Arno Schmidts Bücher sind voll Witz und Komik. Reemtsmas Lektüreprotokolle bestätigen die These, wonach die Bedeutung eines Werkes daran gemessen werden kann, wie viele Verständnismöglichkeiten es eröffnet. Zugleich führen diese Essays vor: Diese Bedeutungsvielfalt, das Aufspüren überraschender Perspektiven und verborgener Zusammenhänge setzt einen Leser voraus, der sich genauestens an den Wortlaut der Texte hält und im selben Moment aufgrund seines Wissens eine Unzahl von Assoziationen freisetzt. Reemtsmas Freude während der Lektüre teilt sich in seinem Schreiben über Arno Schmidt mit: sie steckt zu eigenen Leseentdeckungen an. Politik, Sexualität, poetische Sendung – so vielfältig die Möglichkeiten sind, sich dem Werk Arno Schmidts zu nähern, so eindeutig ist die Einladung, diesen Ausnahme-Autor neu oder wieder zu lesen. »Was ist der Mensch? El hombre es un cigarro - am Ende bloß noch'n ausgeknatschter ekler Stumpm, und etwas Asche. – Was iss das Lebm? Die Auflehnung der Eiweiße gegen die Silikate.« Arno Schmidt
Mehr als ein Champion
- 180 pages
- 7 hours of reading
Dieses Buch erzählt vom Aufstieg, Ruhm und Niedergang des Muhammad Ali. Minutiös beschreibt der Autor die Choreographie der grossen Titelkämpfe. Und er porträtiert auch die Gegner Alis: Sonny Liston, George Foreman, Ken Norton und vor allem Joe Frazier, den stärksten der "big punchers"
Im Keller
- 221 pages
- 8 hours of reading
Am 25. März 1996 wurde Jan Philipp Reemtsma entführt. Erst nach Zahlung eines Lösegeldes von 30 Millionen Mark kam er frei. Dies ist sein aufregender Bericht über seine Gefangenschaft.
Wielandgut Oßmannstedt
- 133 pages
- 5 hours of reading
"Wu Hi?"
- 249 pages
- 9 hours of reading
Jan Philipp Reemtsma untersucht in seinen Essays das Unbehagen an einer Zivilisation, in der Gewalt als Lebensform betrachtet wird. Er analysiert historische, rechtliche und anthropologische Aspekte und befragt literarische Werke seit der »Ilias« auf ihre Gewaltkonstellationen. Seine Texte sind anregend und überraschend.
Weg ist das Ihmchen! Kurtpeter ist ganz verzweifelt. Im doofen gelben Haus ist das Ihmchen nicht, im komischen grünen Haus auch nicht. Zusammen mit Beinelars macht sich Kurtpeter auf die Suche nach seinem Ihmchen. Bei Inge Rölling finden sie statt des Ihmchens einen Matz mit Schnabel und Pfoten, der schlüpfrige Matrosenlieder singt, und die kleine Linse, die angeblich in Korea zur Welt gekommen ist, Altetruskisch lernt und überhaupt sehr schlau ist und sehr viel redet. Und noch jemand wohnt bei Frau Rölling im Haus, und zwar im Oberstübchen: Gott nämlich, aber mit dem ist nicht viel anzufangen, weil er immer am Schreibtisch hockt und neue Welten zeichnet. Aus dem Haus geht er nie. Woher soll der also wissen, wo das Ihmchen ist? Der weiß ja eigentlich gar nichts. Linse schließt sich den beiden Jungs an. Auf ihrem Weg begegnen die drei einer möhfenden Grätsche, einem knutschenden Liebespaar, dem Überdimensionalkrokodil und schließlich der Höllenköchin und ihrem Sohn, dem Schlimmen Urs, der Geburtstag hat und sich was richtiges Leckeres wünscht: Ihmchen in Stinkpampe nämlich. Ob das gut ausgeht?
"Wie hätte ich mich verhalten?" und andere nicht nur deutsche Fragen
- 217 pages
- 8 hours of reading
Die Frage „Wie hätte ich mich verhalten?“ ist der Auftakt zu einem historischen Gedankenexperiment, dessen Schwierigkeiten oft unterschätzt werden. Können sich beispielsweise die Nachgeborenen überhaupt in die realen Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur hineinversetzen? Dürfen wir ein moralisches Urteil über Menschen fällen, die sich in Konfliktsituationen bewähren mußten, denen wir selbst niemals ausgesetzt waren? Aber andererseits: Müssen wir nicht darauf bestehen, daß es Maßstäbe für moralisches Handeln gibt, die allgemeine Gültigkeit besitzen? Jan Philipp Reemtsma diskutiert in seinem neuen Buch, wie sich dieses „zivilisatorische Minimum“ der aufgeklärten Moderne begründen und beschreiben läßt. Ob es um Kants Idee des ewigen Friedens oder die Institutionalisierung der Menschenrechte geht, um die Friedenspreisrede von Martin Walser oder um die Kontroverse über die Wehrmachtsausstellung - in seinen glänzenden Analysen betrachtet Reemtsma das Verhältnis von Gewissen und Geschichte, Moral und Politik niemals nur als philosophische Denkübung. Er zeigt vielmehr eindrucksvoll, daß auch wir unserer individuellen Verantwortung in der Gesellschaft gerecht werden müssen, wenn wir auf die Frage „Wie hätte ich mich verhalten?“ eine befriedigende Antwort finden wollen.
Was heißt: einen literarischen Text interpretieren?
Voraussetzungen und Implikationen des Redens über Literatur
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Das Scheinproblem "Willensfreiheit"
- 28 pages
- 1 hour of reading
Aus dem Vortrag: «Diejenigen, die mit aus dem Zusammenhang der Neurobiologie gewonnenen Argumenten die Willensfreiheit bestreiten, tun dies nicht, sondern greifen – zu Recht übrigens – bestimmte verschrobene philosophische Konzepte an, von denen manche meinen, die Idee der Willensfreiheit sei in ihnen fundiert. Da sie aber nicht behaupten, bloß diese Konzepte zu bestreiten, sondern die Idee der Willensfreiheit selber, übernehmen sie zwangsläufig diese Konzepte, und so wird die ganze Angelegenheit eine Art Schattenboxen gegen einen nicht vorhandenen Gegner.» In seinem Vortrag stellt Jan Philipp Reemtsma neue Gedanken zu der seit der Antike immer wieder aufkehrenden Debatte um das Problem der sogenannten Willensfreiheit vor.
Das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit
- 170 pages
- 6 hours of reading
„Wenn eine Gesellschaft vor ihrer literarischen Kultur keine Achtung mehr hat, wenn die Achtung nicht so beschaffen ist, daß sie es als achtenswert empfindet, über diese Kultur einigermaßen Bescheid zu wissen, wenn sie also das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit - ihre Unbildung - nicht mehr als bedauerlichen Mangel empfindet, der nur durch die Bildung einer kulturellen Elite kompensiert werden kann, dann ist nichts mehr zu machen.“ Jan Philipp Reemtsma Sprachlich brillant, in der Zuspitzung der Argumente ebenso scharfsinnig wie un-bequem, präsentiert sich Reemtsma in diesen Aufsätzen nicht nur als leidenschaftlicher Anwalt des „exquisiten Vergnügens zu lesen, was zu lesen sich lohnt“, sondern auch als angriffslustiger Germanist, der all jenen Mut macht, die die Sache der Kultur noch nicht verloren geben wollen.
Der Liebe Maskentanz
- 333 pages
- 12 hours of reading
Der Vorgang des Ertaubens nach dem Urknall
- 269 pages
- 10 hours of reading
Neun Aufsätze über die Ähnlichkeit von Borcherts Beckmann mit John Rambo, Walter Benjamins Karl-Kraus-Lektüre, das Ende der westdeutschen Linken, die Art und Weise, wie das deutsche Feuilleton Robert Gernhardt liest, den Gebrauch des Wortes Ich bei Jean Améry sowie eine real existierende Rezension eines fiktiven Wenderomans.
Das Buch vom Ich
- 343 pages
- 13 hours of reading
Kein Geringerer als Goethe hielt die Gedenkrede auf Christoph Martin Wieland, der am 20. Januar 1813 starb. Doch mit der Zeit geriet das Werk des bedeutenden Dichters und Aufklärers in Vergessenheit. In seiner detaillierten Studie leistet Jan Philipp Reemtsma Aufklärungsarbeit über Wielands großen Altersroman vom Ideal des vernünftigen, glücklichen Menschen. Feinsinnig und klug zeigt Reemtsma die überraschende Modernität dieses wohl persönlichsten Werkes des Dichters und Weltbürgers. Das Lob Arno Schmidts für ›Aristipp‹ kann auch für Reemtsmas Buch gelten: »eine Bereicherung im wahrsten Sinne«.
Daodejing
Der Weg der Weisheit und der Tugend - Eine Übertragung von Jan Philipp Reemtsma
- 124 pages
- 5 hours of reading
Das „Daodejing“, entstanden zwischen dem 8. und 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, ist eines der ältesten Weisheitsbücher der Menschheit. Die chinesische Sammlung von Spruchkapiteln enthält Gedanken und Sentenzen zur Kosmologie, zur Lebenspraxis und zur Staatslehre, die auf den „alten Meister“ Laozi zurückgeführt werden, dessen Spuren sich im Dunkel der Geschichte verlieren. Der mystische, oft rätselhafte Text hat seine Anziehungskraft über die Jahrtausende hinweg bewahrt und Anlass zu zahlreichen Übersetzungen gegeben. Doch diese Übersetzungen weichen teilweise so stark voneinander ab, dass sie nur noch mit Mühe auf ein und denselben Ausgangstext zurückgeführt werden können. Jan Philipp Reemtsma, seit seinen Jugendjahren ein intensiver Leser des „Daodejing“, legt auf der Grundlage dieser Übersetzungen einen ganz eigenen Versuch vor, eine Art philologisch wohlerwogener Coverversion, die vor allem durch ihre Frische und sprachliche Sensibilität überzeugt.
Traumprotokolle
- 119 pages
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Anfang Januar 1956 notierte Adorno: »Unsere Träume sind nicht nur als ›unsere‹ untereinander verbunden, sondern bilden auch ein Kontinuum, gehören einer einheitlichen Welt an, so etwa, wie alle Erzählungen von Kafka in ›Demselben‹ spielen. Je enger aber Träume untereinander zusammenhängen oder sich wiederholen, um so größer die Gefahr, daß wir sie von der Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden können.« Die Bedeutung des motivischen Zusammenhangs seiner Träume legte ihm den Gedanken nahe, eine Reihe von ihnen auszuwählen und zu publizieren. Einer kleinen Sammlung solcher Traumprotokolle, die er für die Veröffentlichung vorgesehen hatte, stellte Adorno folgende Vorbemerkung voran: »Die Traumprotokolle, aus einem umfangreichen Bestand ausgewählt, sind authentisch. Ich habe sie jeweils gleich beim Erwachen niedergeschrieben und für die Publikation nur die empfindlichsten sprachlichen Mängel korrigiert.« Die erste Separatausgabe ergänzt die bereits publizierten Traumprotokolle um den größten Teil einer umfangreicheren Auswahl, die als Typoskript überliefert ist.
















