Figurationen des Bösen im barocken Trauerspiel
Eine Studie zu Andreas Gryphius und Daniel Casper von Lohenstein. Dissertationsschrift
- 358 pages
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Die Buchreihe Frühe Neuzeit, gegründet 1987 von Jörg Jochen Berns und anderen, widmet sich der Grundlagenforschung in Editionen, Monographien und Sammelbänden. Sie verfolgt nicht die großräumige Überschau oder vorschnelle Synthesen, sondern konzentriert sich auf Detailarbeit und die Erkundung verschütteter Traditionen. Die Studie analysiert die dramatische Dichtung von Andreas Gryphius und Daniel Casper von Lohenstein als Ausdruck einer Ästhetik des Bösen avant la lettre und eröffnet neue Perspektiven auf das barocke Trauerspiel. Dabei wird festgestellt, dass das schlesische Trauerspiel den Teufel von der Bühne verbannt und das Böse ins Innere seiner menschlichen Protagonisten verlagert. Anhand exemplarischer Lektüren wird untersucht, wie diese Verschiebung vom malus zum malum dargestellt wird. Die Studie zeigt, dass Gryphius und Lohenstein auf komplexe Weise aus den Möglichkeiten der Dichtung und Theatertraditionen schöpfen, wobei gelegentlich eine Lust am Bösen als literarischem und theatralem Thema erkennbar ist. Die Dramen reagieren auf eine anthropologische Verschiebung innerhalb der frühneuzeitlichen Wissensordnung und antizipieren eine Internalisierung und Psychologisierung des Bösen, die bislang dem 18. Jahrhundert zugeschrieben wurde.
