Alberta empfängt einen Liebhaber
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Birgit Vanderbeke focuses on exploring intergenerational trauma and societal taboos in Germany. Her style is characterized by precise language that uncovers hidden tensions and emotional complexities in her characters. Vanderbeke delves into the darker corners of the human psyche, examining how the past influences the present. Her works compel readers to confront uncomfortable truths about family relationships and collective memory.







Am Anfang steht ein Autounfall. Sie überlebt, aber die Schmerzen wollen einfach nicht vergehen. Bis ihr eine Freundin die Telefonnummer eines gewissen Pierre Mounier anvertraut. Der habe schon einer Menge Leute geholfen, lass dich von ihm anschauen, sagt die Freundin. Die Behandlung dauert keine Stunde, und Monsieur Mounier verabschiedet sich heiter, ein weiterer Termin sei nicht nötig. Auf unbestimmte Weise scheint er mit ihr verbunden, wie eine Gestalt aus ihrer Vergangenheit. Beim Hinausgehen wirft sie einen beiläufigen Blick auf das Schild neben seiner Eingangstür, auf dem sich Mounier als Therapeut für Mikrokinesie ausweist, und plötzlich erinnert sie sich an ein Detail aus ihrer Kindheit: eine kleine Figur, mit der vergessene Geschichten, die sie erlebt oder gelesen hat, schmerzvoll zu ihr zurückkehren. Birgit Vanderbekes Heldin sucht die Befreiung von ihrer Familie – und erkennt erst spät, dass Gewalt allgegenwärtig ist.
Geld oder Leben. Woran glauben Sie? Die Leute in diesem Buch glauben alle an etwas, wenngleich nicht gerade an den lieben Gott. Die Großmutter glaubt an Pfifferlinge, ein Kind glaubt an Schokoriegel, Mütter an die große Liebe und die heile Familie, Väter an die Freiheit, die Lehrerin glaubt an Gerechtigkeit, die Studenten zuerst an verschiedene Nein-Danke und später glauben alle an die große Geldvermehrung. Und solange man daran glaubt, scheint es zu funktionieren. Oder doch nicht? Was gibt es Sinnvolleres als Geld, sagt Matz, und kauft sich sechzig Mark auf Kredit denn wenn Geld nicht glücklich macht, was dann?
»Ich hätte niemals geglaub, dass ich ein Kind kriegen würde. Dass man das überhaupt kann. Dass man eine Biologie in sich hat. Also ich. Es war ein Skandal, das gesagt zu bekommen.« Sie verdient sich ihr Geld mit halbtags Tippen im Anwaltsbüro Hoffmann senior, der »Fräulein Ragotsky« zu ihr sagt und seine Zähne erst gegen elf einsetzt, wenn er fertig ist fürs Gericht. Sie kündigt, holt ihre alte Olympia vom Boden, »weil es immer Studenten gibt, die nicht tippen können«. Sie ist schwanger und findet es einen Skandal. Geradezu widernatürlich. Obwohl ihr nur handefeste Gründe gegen das Kinderkriegen einfallen, hat sie gedacht, »mal sehen, ob wir das schaffen«. A. C., der Vater des Kindes, schreibt Aufsätze über Kirchenmusik und verdient etwas Geld als Aushilfsorganist. Der Geburtsfall Ragotsky, Anatol Flo, wird amtlich in die Karteikarte eingetragen. Gut. Gut? Die 1970er Jahre sind vorbei. Die Welt tut, als wäre sie rund und bunt ein einziger Selbstbedienungsverein. »Bis jemand die unterste Flasche herauszieht. Das kann dann nämlich scheppern.« Vorerst geschieht »das Übliche«: Früherkennung, nahe Verwandte, mit dem Fisch stimmt was nicht, manchmal ist Weihnachten, und die Erzählerin kommt zu dem Schluss, dass »jeder, der einmal mit dem Denken anfängt, damit rechnen muss, dass er spinnt«.
Die ersten Ferientage verbringen Milan und Leo mit ihren Jobs im Netz. Doch nach einem heftigen Sommergewitter gibt es keins mehr: Der Strom ist weg, das Wasser ist weg, die Straßen sind überflutet. Ein Nachbar versorgt sie mit dem Nötigsten und schickt sie zu einem alten Ehepaar, das ein bisschen Landwirtschaft betreibt und Angorakaninchen züchtet. Ihre Wolle, davon versteht Leo was, ist fantastisch. Man kann nur hoffen, dass die beiden Alten nicht auch von den Wildschweinen heimgesucht werden, die in diesem Sommer die Gegend verwüsten. Scharenweise kommen sie aus den Cevennen bis hinunter in die Dörfer und Gärten. In den Bergen wird nach Schiefergas gebohrt. Und die Tiere sind die ersten, für die das Konsequenzen hat. – Milan und Leo wird klar, dass die Krise, die sie im idyllischen Languedoc hinter sich lassen wollten, noch lange nicht zu Ende ist. Und es stellt sich die Frage, ob sie je in ihr altes Leben zurückkehren werden.
Pola Nogueira ist 'Die Frau mit dem Hund' - und sie spielt die Hauptrolle in einem Roman, der in all seiner rebellischen Widerständigkeit nichts weniger ist als ein Hohelied auf die Liebe und das Leben. Ein großes kleines Buch von Birgit Vanderbeke. Eines Tages ist sie einfach da, Pola Nogueira. Sie bringt ihren Hund mit, und sie ist schwanger. Ihr Erscheinen verwirrt nicht nur Jule Tenbrock, die übereifrige Angestellte einer Wäscherei, die wie alle anderen im siebten Distrikt seit langem weder einen Hund noch ein Kind gesehen hat. Einzig Timon Abramowski zeigt sich neugierig und offen gegenüber Pola, die vom Land in die Stadt geflüchtet ist, um dort ihr Kind zu bekommen. Doch mit der unkontrollierbaren Sinnlichkeit und dem Leben, das sie mitbringt, wird es kein leichtes Spiel für sie werden. Und nicht zuletzt für Timon, dem sehr schnell klar ist, dass er sich mit Pola auf kein geringes Abenteuer einlässt. Wer von dem Charme des wunderbaren Romans 'Das lässt sich ändern' verzaubert war, wird die anarchische Kraft der Pola Nogueira lieben.
»Man kann einfach weggehen, dachte ich. Entweder man geht ein bisschen weg, oder man geht richtig weg, oder man bleibt.« Eine junge Frau denkt darüber nach wegzugehen. Mit ihrem Sohn, einem grünen Nilpferd und einem kleinen Hund verlässt sie Deutschland und fährt von Berlin nach Frankreich. Das Land, in das sie kommt, begrüßt sie mit torkeligen Sternen und silbrigen Baumreihen im Abendlicht. Vieles findet sie hier. Kleines und Großes. Birgit Vanderbeke erzählt von Abschied und Willkommen, von der Alltäglichkeit der Angst und einem neuen Leben ...
Mit feiner Ironie schreibt Birgit Vanderbeke über Südfrankreich, seit vielen Jahren ihre zweite Heimat: über das Leben in einem Natursteinhaus und über Trüffelmärkte, über ihre Nachbarn, ihren Eigensinn und ihre Fahrkünste. Sonnenblumenfelder und Olivenhaine; Pont du Gard und blühender Lavendel; mediterrane Luft, die nach Thymian und Rosmarin duftet, und das Klacken der Pétanquekugeln – das ist Südfrankreich. Und noch viel mehr. Denn wussten Sie, dass »Gekochtes Wasser« zu den Spezialitäten der provenzalischen Küche gehört? Wie man sich beim »Piquenique« verhält? Dass sich die Bewohner hier seit Jahrhunderten weigern, an die Zentrale in Paris Steuern zu entrichten? Und dass noch immer über den Erfinder des Cassoulet gestritten wird? Birgit Vanderbeke führt mit dieser charmanten Liebeserklärung mitten hinein in eine der vielfältigsten Regionen Frankreichs – und zu den Menschen mit ihrer »convivialité«, ihrer Kinderliebe und leidenschaftlichen Anarchie.
Abhauen, das haben alle aus der Familie gemacht. Die einen sind aus dem Osten, die anderen aus dem Westen Europas abgehauen. Getroffen haben sie sich zufällig irgendwo in Ostdeutschland, und zu guter Letzt sind sie auch von dort wieder geflohen. Nach diversen Flüchtlingslagern landen sie in einer Dreizimmerwohnung in Westdeutschland, im Land der Verheißung, von dem alle geträumt haben. Für das Kind ist es ein übler Ort, eine drastische, gewalttätige Gegenwart. Und weil es weder genützt hat, abzuhauen, noch, sich wie das siebte Geißlein im Uhrkasten zu verstecken, sucht die Fantasie der Tochter sich eine Verbündete: sich selbst als Erwachsene. Und plötzlich ist da eine Person, mit der sie über alles reden kann. - Kraftvoll, zornig erzählt Birgit Vanderbeke die Geschichte ihrer Familie und die Flucht eines Mädchens aus Ostdeutschland zu sich selbst.
Es herrscht Krieg in der kleinen Vorstadtwohnung im Deutschland der Sechziger. Die Mutter hat immer Angst und tyrannisiert die Familie. Wenn der Vater abends ausgeht, will sie sterben. Nur die Kinder bewahren einen kühlen Kopf und überlegen im Bett, wie sich das verhindern ließe. Das und der dritte Weltkrieg.
Natürlich war Adam Czupek nicht der Richtige für sie. Ein Mann, der mit den Händen arbeitete, einer, der Sprache für unwichtig hielt. Mit so einem Mann konnte man sich nicht sehen lassen, viel weniger noch sein Leben mit ihm verbringen. Dachten ihre Eltern. Aber was wussten sie, deren Ehe längst am Ende war, schon von der Liebe. Was wussten sie von Adam? Er baute Drachen für die Kinder, die sie bekamen, fand eine größere Wohnung. Das Leben wurde zum Abenteuer, als sie rauszogen aufs Land. Und als sie von Bauer Holzapfel die Streuobstwiese bekamen, hatte Adam schon längst einen Plan, wohin das alles führen sollte. Birgit Vanderbekes unkonventionelle Erzählerin lässt sich von Adam bezaubern und von seiner Art, das Leben anzugehen. »Das lässt sich ändern« ist ein klarer, leuchtender Roman über die Liebe, das Anderssein und über das Bekenntnis zu den einfachen Dingen.
Roman | Autobiografischer Familienroman von der Autorin von »Das Muschelessen«
Unsere Zukunft speist sich aus unserer Vergangenheit. Die Erzählerin dieses autobiografischen Romans, mittlerweile selbst Großmutter, spürt den Fäden und Verbindungen zwischen den Generationen nach: Was bewog die eigene Großmutter, Ostende zu verlassen und ihrem 14-jährigen Sohn Gaston, der sich der deutschen Wehrmacht angeschlossen hatte, nach Deutschland zu folgen? Wie hielt sie, die nie wieder nach Belgien zurückkehrte, das Leben in der Fremde aus? Und wie können diese Erinnerungen in Zeiten, die erneut von Flucht und Vertreibung geprägt sind, Trost und Hilfe sein? Im abschließenden Teil ihrer beeindruckenden Roman-Trilogie umkreist Birgit Vanderbeke Fragen, die weit zurückführen und doch aktueller nicht sein könnten.
Lila trägt schwarzes, welliges Haar und ist von Beruf Schauspielerin. Sie ist etwas chaotisch, geht gern allein spazieren und hat einen Hang zum Luxuriösen. Und sie liebt einen Mann, der - zumindest manchmal - blind ist. Beide leben sie ihre 'Liebeslügen', spielen mit Identitäten und täuschen sich bewusst. Und so bleibt alles Inszenierung und schöner Schein - ob Liebe, ob Eifersucht.
Plötzlich taucht Frau Choi aus Gwangju auf. Und in dem südfranzösischen Nest, wo man sich noch die Geschichten von Werwölfen und der Weißen Frau erzählt, gerät einiges in Bewegung: Seit Frau Chois Restaurant die Gourmet- und Architekten-Szene anlockt, macht das ganze Dorf gute Geschäfte. Koreanisches Know-how und südfranzösische Magie verbinden sich zu einem globalen Erfolgsmodell. Insbesondere Frau Chois Wissen um die Wirkung von Kräutern und Pilzen gibt sie gewinnbringend an die Frauen der Umgebung weiter. Dann stirbt plötzlich der unangenehme Bürgermeister. Ein wenig später der aufdringliche Marc. Und auch der ehrgeizige Ledru erliegt einer sonderbaren Krankheit.
Un uomo ritarda nel rientrare a casa. In sua attesa la moglie, la figlia e il figlio, seduti attorno alla tavola apparecchiata, su cui troneggia una montagna di cozze, non avendo altro da fare, pensano. Pensano il padre. E a poco a poco l'uomo di casa si trasforma in un uomo disprezzabile, non per aver compiuto delle orrende nefantezze nei loro confronti ma, più banalmente e per questo in modo molto più sconcertante, per il suo modo di essere.
Den Himmel kann man nicht abhängen - alles andere schon. Und oft tut man nur so, als ob das Leben normal wäre. Ein anonymer Anrufer bringt den Alltag einer Schriftstellerin aus dem Rhythmus. Er beschimpft sie mit einer eigentümlich warmen Stimme. Als ob nichts gewesen wäre, erledigt sie aber weiterhin ihre Post, geht mit Meyer-Bromberger, der sich um ihre Angelegenheiten kümmert, zum Sushi-Essen und überlegt, wie sie Simmy, ihrer sehr aufgeweckten Tochter, eine Tätowierung ausreden könnte. Auch wenn sich nichts wirklich verändert hat, ist doch alles anders geworden. Sie spürt die Angst im Rücken, fühlt sich beobachtet, und vielleicht gibt es ja auch jemanden, der sie ganz einfach abknallen will. Erst als sie sich eine Platte ihres Mannes Serge auflegt, eines Jazzmusikers, kann sie für kurze Zeit vergessen, dass nicht mehr alles in Ordnung ist. Beim Hören muss sie an Eddie denken, den genialen Geigenspieler, der gemeinsam mit Serge „Blue Heaven “komponierte. Eddie war ganz plötzlich tot und eine Legende -einer muss ihn, der mit seiner Geige ziemlich an den Himmel rankam, verraten haben. Er wurde einfach abgehängt. Aber das ist normal. Und als ob nichts gewesen wäre, klingelt wieder das Telefon.
Während ein Zug durch das von Unwetter überschwemmte Rhonetal saust, denkt sich eine reisende Schriftstellerin Geschichten über ihre Mitreisenden aus. Nur machen sich die ausgedachten Personen bald selbständig und gehen eigene Wege. Wechseln ins Leben und wieder zurück in ihre Geschichte. Ein vergnügtes literarisches Spiel, in dem Fiktion und Realität kräftig durcheinandergewirbelt werden. 'Die Verknüpfungen, der Wechsel der Erzählebenen, die Erfindungen von Geschichten und Figuren – das alles liest sich so locker, daß es zu einem reinen Vergnügen wird.' Berliner Illustrierte Zeitung
„Sechzehnjähriger verschwand am Geburtstag spurlos“, lautet die Schlagzeile. Erst ist es nur einer, dann sind es fünf, und es werden immer mehr. Gibt es einen Zusammenhang? Die Medien werden aufmerksam und versuchen, das Phänomen zu erklären. Doch auch sie stehen vor einem Rätsel. Keine Spuren, keine Bekennerschreiben, keine Lösegeldforderungen. Stattdessen tauchen hellblaue T-Shirts mit der Aufschrift „Free your mind“ auf, und man begreift: diese Jugendlichen sind nicht verschleppt worden. Sie hatten nur keine Lust mehr, sie machen nicht mehr mit, sie sind einfach weg. Wie einen Krimi erzählt Birgit Vanderbeke diese so skurrile wie phantastische Geschichte. Ihr Herz schlägt auf der Seite der Ausreißer, der Spott gilt Medien, Erziehungsberechtigten und der Enge des Gedankens. Dieses Buch ist ein Plädoyer für den Mut, sich seines Verstandes zu bedienen und den Kopf von Idyllen und Ideologien zu befreien; eine Liebeserklärung an die Jugend und an das, was man von ihr lernen kann; ein Aufruf zu Rebellion und eigenem Leben. „Sweet Sixteen“ ist eine Komödie, ein Pamphlet und ein Fest für den Leser.
Die aberwitzigsten stammen von Dostojewski, ein untertäniger von Schiller, die schönsten von Else Lasker-Schüler, grausige schrieb Joseph Roth, Heinrich Heine professionelle, tragikomische finden sich bei Liliencron, Kafka war in dieser Beziehung sehr diskret. Hölderlin voller Skrupel und Joyce natürlich ironisch: Wo die Freiheit der 'freien' Schriftsteller aufhört, fangen die 'Brandbriefe' an. Sie handeln von chronischer oder sporadischer Geldnot, von Publikationsverbot und Zensur, vom Exil und von klammen Fingern in ungeheizten Stuben und akuten Notrufen im Internet – und von den höchst individuellen, oft anarchischen Strategien der Autoren. Die Herausgeberin hat Briefe aus drei Jahrhunderten gesammelt und kommentiert und gibt auch einen kleinen Hinweis für die Lektüre: 'Wer etwa annähme, dass in jedem Falle die Tonlage eines Briefes die Notlage des Verfassers genauestens abbildete, der könnte sich – so oder so – geirrt haben.' Das Buch ist die erweiterte und überarbeitet Neuausgabe des Titels 'Fresse schon meine Fingerspitzen wie Spargelköpfe', erschienen im Luchterhand Literaturverlag.
Tex-mex, fingerfood , thai und cross-over, die ganze Welt brutzelt in einem Wok. Denkt man, denn am Ende läuft es meistens auf Pute hinaus, ist naturidentisch, kommt in die Mikrowelle und sehr oft aus der Tüte. Der Schinken ist praktisch quadratisch, das Fischstäbchen in kindgerechter Fischform zu haben, und aus der Wurst lacht es uns lustig an. Wagen Sie Küche! Kochen Sie mit Birgit Vanderbeke: In ihrem Buch erklärt sie, wie es geht, und erzählt von Genüssen, die ganz leicht auf den Teller zu zaubern sind, wenn man sich nur traut.