The 21
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Originally published under the title Die 21: eine Reise ins Land der Koptischen Martyrer. Copyright A 2018 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Germany--Copyright page.
Martin Mosebach is celebrated for his prolific contributions to literature, including novels, stories, and poetry collections, alongside his work in film, opera, and theatre. The German Academy for Language and Literature has lauded his unique ability to blend stylistic brilliance with an original, historically aware, and humorous narrative voice. His essays, such as those found in "The Heresy of Formlessness," offer a literary perspective on liturgical practices and their evolution. Through his diverse works, Mosebach consistently explores the fundamental human drive to find meaning in existence.







Originally published under the title Die 21: eine Reise ins Land der Koptischen Martyrer. Copyright A 2018 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Germany--Copyright page.
»Es gibt Schriftsteller, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen. Die auf ungeahnte Weise in einem ihnen fremden Umfeld hervortreten, ohne dass sie von etwas oder jemandem vorbereitet wurden. Sie sind exzentrisch, unbequem und ungewöhnlich, nicht einzuordnen und unverwechselbar. Gómez Dávila gehört durch die Art, wie er schreibt, und durch das, was er schreibt, zu ihnen. Sein Werk ist in der Literatur- und Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts ein einzigartiger Fall: Das in diesem Werk geschaffene Universum, worin Stil und Ideen zu einer festen Einheit verschmelzen, bietet sich als ein geschlossener Raum dar. Um ihn zu betreten, helfen kein rationales Herangehen und keine logische Folgerung. Das Verständnis ist in diesem Fall tatsächlich eine Frage der Empathie, dass man es vermag, in die Gedankenwelt des Autors einzudringen, indem man Intuitionen und Visionen, Sympathien und Idiosynkrasien, Vorlieben und Anathemata vereint. Glücklicherweise verfügen wir über ein hilfreiches hermeneutisches Instrument, das uns Gómez Dávila hinterlassen hat, ohne eine derartige Absicht damit zu verbinden: die Notas . Es erlaubt uns, seinen Geist zu verstehen, seine Genialität zu ahnen und den unverwechselbaren Stil zu genießen.« Franco Volpi
Martin Mosebach, einer der produktivsten deutschen Schriftsteller, ist ein anerkannter Meister aller literarischen Genres: Roman, Erzählung, Lyrik, Drehbuch, Theater, Hörspiel, Reportage und Opernlibretto. Mosebach wird besonders auch als Essayist geschätzt, der regelmäßig die wichtigsten deutschsprachigen Feuilletons bereichert. Der hochgebildete Autor, der seinen katholischen Glauben selbstbewusst vertritt, hat neben vielen Beiträgen zur Kunst und Literatur auch zahlreiche Texte etwa zum Pontifikat Papst Benedikts XVI., zum Gottesbezug in der EU-Verfassung oder zum Erbe der europäischen Aufklärung geschrieben, von denen einige noch unveröffentlichte in diesem vorliegenden Band zum ersten Mal erscheinen.
Wer eine Reise macht ... Soll man lieber verreisen oder lesen? Martin Mosebach versteht von beidem etwas, und so schaffen seine Erkundungen die überraschendsten Konstellationen. Die Beschäftigung mit Orient und Okzident führt ihn nach Kairo und in das Kloster Shio Mgvime, lässt ihn aber auch Heimito von Doderers Kunst des Bogenschießens bewundern. Die große Geschichte in den kleinen Geschichten entdeckt er beim Romanlesen ebenso wie auf der Reise nach Havanna, Korea oder Sarajevo.
German
Martin Mosebach ist Vertreter einer raren Gattung: Unter den zahllosen, über Kunst schreibenden Autoren gehört er zu den sehr wenigen, die ihrer eigenen Wahrnehmung trauen. Die theoriebeladenen Endlosschleifen selbstverliebter Kritiker sind ihm zuwider. Denn Kunst braucht weder Manifeste noch konzeptuelle Krücken, sie liegt auf der Oberfläche. Martin Mosebachs hier versammelten Erkundungen in die Bilderwelt sind getragen von hoher ästhetischer Sensibilität und stilistischer Brillanz, sowie von einer stupenden Kenntnis der europäischen Geistesgeschichte. Diese ebenso seltene wie glückliche Verbindung eröffnet dem Leser wahrhaft unerhörte, die Neugier stets aufs neue entfesselnde Einblicke: Ingres, José Maria Sert, Miró, Meredith Frampton, Hrdlicka, Fabius von Gugel, Schermuly, Marcel Broodthaers, selbst die Schöpfer des American Pin up – sie alle sind Protagonisten dieser außerordentlich unterhaltsamen, durch unerwartete Wendungen faszinierenden Reise ins Reich der Kunst.
Planvoll oder zufällig, hier kommen sie zusammen, Menschen von allen Ecken und Enden des Lebens: eine Malerin, die über den Aufbau eines Stilllebens (Kiesel und Koralle, Schmetterling, Perle und Taubenei) mit einer Freundin streitet; ein Junge auf einem Fahrrad, glücklich dahinrasend wie außerhalb der Zeit; eine Liebhaberin des Weins, die sich auf dem Sterbebett endlich die kostbare, seit Jahrzehnten aufgesparte Flasche bringen läßt; ein Mann vor einem Spalt im Vorhang einer Umkleidekabine, gebannt erlebend, wie sich der Spalt erst mit einem warmen Farbton füllt, dann mit gerundeten Formen, dann mit dunklen Linien - eines Beins?, eines Arms? -, die sich vor seinen Augen hin und her bewegen, „langsam und schwimmend wie ein Wels am Grund eines Flusses“. Die Miniaturen dieses Buchs erfassen die Welt in Augenblicken. Sie sind Erzählpracht auf engstem Raum, lassen im Handumdrehen Szenen und Figuren entstehen, und so kurz sie sind, so vielgestaltig sind sie in Darstellung und Ton - komisch oder ernst, romanhaft ausgreifend oder dramatisch oder satirisch, dann wieder gelöst, beruhigt. Nur in Sinnlichkeit und Intensität gleichen sich die winzigen Progressionen in der Zeit, die Martin Mosebach beschreibt; es sind die Augenblicke, die unser Leben vor allem ausmachen, die Augenblicke, in denen man, beglückt oder überrascht wie beim Lesen dieser Geschichten auch, etwas von seiner Kürze und Unwiederholbarkeit begreift.
Der Weg vom »alten« Frankfurter Literaturhaus im Westend hin zum »neuen« in der wiederaufgebauten Stadtbücherei am Main führt nicht nur durch die Stadt der Banken, sondern auch durch eine Stadt der Literatur. Kennen wir sie? Eine literarische Stadtführung mit Robert Gernhardt, Peter Kurzeck, Wilhelm Genazino, Martin Mosebach, Jamal Tuschick, Najwa Barakat und Renate Chotjewitz. Mit zahlreichen Fotografien, einem Register und einem herausklappbaren Stadtplan.
»Gedichte«, so der Dichter und Romancier Martin Mosebach, »sind das Unnötigste von der Welt. Sie gehören zu den Kunstwerken, die am allerweitesten von jeder profanen Brauchbarkeit entfernt sind.«Seine eigenen Gedichte, die hier erstmals im Taschenbuch in einer Sammlung vorgestellt werden, leben in Wörtern »bunt wie die Kieselsteine in einem Gebirgsbach, leuchtend, rund, hart und schwer«, sind geformt in Rhythmus und Reim.übermut bringt Anspielung und Parodie hervor. Martin Mosebachs Gedichte sind dem Nonsens nahe und dem Volkslied, dem Kinderlied und dem Zauberspruch.
Corsofolio sieht in die Geschichte und die Gegenwart der Stadt, in ihre Touristenströme hinein und darüber hinaus, in ihr ewig junges, uraltes schönes Gesicht voller Narben. Schriftsteller, Journalisten, Historiker, Fotografen, Taxifahrer, Zwölfjährige und Siebzigjährige schlängeln sich durch Roms Vielschichtigkeit. In ihren Bildern und Texten streiten und versöhnen sich Sehnsuchtsort, Klischee und Alltag; stets erneuert sich darin die Ewige Stadt und erinnert daran, »dass uns die Augen zum Sehen gegeben sind« (Ingeborg Bachmann)
»Sie hatte die Vertreibung aus Böhmen hinter sich, sie war die Mutter eines chaotischen Sohnes, und sie hatte dreißig Jahre lang den täglichen Drahtseilakt einer Ehe mit Heinrich und einer Liaison mit Albrecht bewältigt.« Nun wartet Antonia, die mit fünfzig noch immer attraktiv und schön ist, mit einer Handvoll Menschen auf das Ableben ihres todkranken Mannes. Die Monate vergehen, doch in der weißen Villa in Ruppertshain im Taunus herrscht eine merkwürdige Art von Stillstand. Um so mehr sind seine Bewohner erschüttert, als das erwartete Ereignis tatsächlich eintritt – und ihnen eröffnet wird, daß Haus und Park zutiefst verschuldet sind. Und schon werden aus alten Freunden Feinde, lauern die Finanzhaie darauf, den Besitz des ehemaligen Frankfurter Bankiers zu parzellieren und gewinnbringend zu vermarkten. Antonia aber weiß sich zu wehren.
Martin Mosebach ist seit langem einer der bedeutendsten Essayisten und Kritiker in der deutschsprachigen Literatur. Sprachlich virtuos und mit einer umfassenden, beeindruckenden Kennerschaft verfolgt er Literatur und Kunst, aber auch Politik und Religion - in Aufsätzen, die immer unzeitgemäß sind, überraschend und gegen den Strom. Eine große Verteidigung des Romans, der Kunst und des Denkens gegen alle Moden des Zeitgeistes.
Mitten in der Stadt, im Garten unter der blutroten Buche, organisiert ein windiger Geschäftemacher ein teures Fest. Das ist der Auslöser für erotische Verwicklungen, Liebe, Betrug und Eifersucht. Der Erzähler, ein verbummelter Kunsthistoriker, verliebt sich in die zerbrechliche Winnie. Marusha, eine schillernde Figur, dient gleich mehreren Herren als Geliebte. Hochstapler treffen auf Kreative und Verliebte auf Verlassene. Bei allen aber putzt Ivana aus Bosnien, die ihren Kundenstamm energisch zusammenhält und auch auf dem Fest für Ordnung sorgen soll. Doch während die Kunden feiern, beginnt auf dem Balkan der Krieg. Martin Mosebach überrascht mit einem neuartigen Ton, wechselnd zwischen Komik und Härte, Ironie und Trauer.
Italien: Land der Sehnsucht – und so viel mehr. Martin Mosebach hat sich auf die Suche nach der «italienischen Essenz» begeben. Und er hat sie gefunden: im Geruch des Meeres vor Venedig und im Klang Roms während der frühen Morgenstunden; im sinnlichen Zauber der Commedia dellʼarte und in Sprichwörtern; im Anblick des Maurers, der nach getaner Arbeit Muscheln von den Steinen nahe des Strandes klaubt – im Hier und Jetzt. Und wer weiß, wie man dort ankommt, der versteht zu leben.
Roman | „Ein unerhörtes Stück Literatur über Liebe, Kunst und Verrat samt glorioser Pointe.“ (Tobias Haberl, Süddeutsche Zeitung)
»Mosebachs Sprache ist ein farbiges Fest.« Michael Maar Sprachgewaltig, bildstark, stimmungsvoll: Martin Mosebach, Spiegelbestsellerautor und Büchner-Preisträger, erzählt in diesem Roman einer Ehe, der zugleich der Roman eines Gemäldes ist, von Schuld und Versöhnung, Liebe und Verlust. Wie jedes Jahr verbringt die Familie Dalandt den Sommer auf ihrem Landsitz in der Provence. Die Hitze macht träge, in der Zypresse zirpen Zikaden, und jeden Morgen läuft die Hausherrin im Nachthemd durch den Garten zum Pförtnerhaus, wo der Verwalter sie erwartet. Ihr Mann ist durch eine eigene verhängnisvolle Beziehung abgelenkt. Da entzündet sich ein Ehestreit an »Taube und Wildente«, einem Stillleben aus dem 19. Jahrhundert. Was hat es mit dem zinnoberroten Punkt in seinem Zentrum auf sich, macht der es nicht zu einem modernen Meisterwerk? Aber die Frau will es verkaufen, die Spannung zwischen beiden wächst. Martin Mosebach, der menschliche Schwächen schildert wie kein zweiter, malt mit Wörtern. Ein flammender Roman über Kunst, Liebe und Verrat. "Martin Mosebach ist ein spektakulär guter Erzähler.“ (Alexander Wasner, SWR 2 „Lesenswert“)
Ralph Krass ist ein großzügiger Geschäftsmann, der Menschen mit kannibalischem Appetit verbraucht. Ist er unendlich reich oder ein Hochstapler, kalt berechnend oder träumt er hemmungslos? Er möchte sich seine Gesellschaft kaufen und stets der Schenkende sein. Als Lidewine, eine junge Abenteurerin und Assistentin eines Zauberers, in seinen Kreis tritt, bietet er ihr einen ungewöhnlichen Pakt an. Sein Sekretär, Dr. Jüngel, beobachtet das Geschehen mit Neid und Eifersucht. Nach einem Eklat, der die Gesellschaft auseinanderbringt, gelingt es Dr. Jüngel, in seinem Zufluchtsort in der französischen Provinz die Mosaiksteine der Ereignisse zu ordnen. Menschen wie der stumme Kuhhirte Toussaint, der Schuster Desfosses und Madame Lemoine mit ihren Wellensittichen vermitteln ihm, wie alles rätselhaft zusammenhängt. Dieser atmosphärische Roman beleuchtet, was das Verstreichen von Zeit mit Menschen tut, und vereint Elemente eines Liebesromans mit einer Geschichte über Verlust und magisches Wiederfinden. Geprägt von leiserem Humor, ist er vor allem dunkel und ergreifend schön. Die Erzählung spannt einen Bogen von Neapel über Frankreich bis nach Kairo und zählt zu den fesselndsten und überraschendsten Werken des Autors.
Büchner-Preisträger Martin Mosebach auf der Reise in Indien: Das überraschende Porträt eines Landes und seiner Menschen, das zeigt, was die Erfahrung der Fremde für das eigene Leben bedeuten kann. Mosebach berichtet von seinen Eindrücken und Begegnungen aus einer Provinzhauptstadt im Bundesstaat Rajasthan: von dem Sandsturm in der Wüste und dem Rattentempel in Deshnok, vom Gott der wilden Hunde und dem Heiligen des Shivatempels, von den Kasten und der Konfrontation mit dem uralten Königtum, aber auch von der Einladung zum Essen bei einer indischen Familie, von den Frauen und Töchtern, die das Leben im Haus bestimmen. Nur wenige deutsche Schriftsteller der jüngsten Zeit haben sich so tief eingelassen auf die verstörende Erfahrung einer ganz und gar anderen Tradition.
Zwei Frauen, ein Maler und eine Warnung: »Werden Sie nicht sein Modell!« ›Die Richtige‹ ist etwas Besonderes im Werk von Martin Mosebach, steht für sich – als Spiegel, als Brennglas, als Kostbarkeit. Ein virtuos und mit großer Menschenkenntnis erzählter Roman über die Abgründe in menschlichen Beziehungen, über Kunst und Leben, Liebe und Macht. Ein verblühtes Azaleenbäumchen, fast schon im Müll, und dann, ganz unerwartet, eine rosa Wolke, neues Grün – »so müsste man arbeiten, wie diese Pflanze!« Sagt Louis Creutz, ein Maler, der über Grenzen hinweggeht, weil er keine sieht. Von den Menschen, die mit ihm in Berührung kommen, profitiert er, solange sie ihm nützlich sind, und dann lässt er sie fallen. Meist sind es Frauen, seine Modelle. Eine von ihnen ist inzwischen obdachlos, eine Streunerin mit goldgefärbten Locken, schwarzem Seidenumhang und einem unheimlichen Maskengesicht. Eine andere, noch junge, lebensfrohe, die barfuß in Sandalen der Kälte trotzt, schlägt jede Warnung in den Wind. Mit diesem Roman erklimmt Martin Mosebach neue Höhen – ein großes Buch, bildstark, voller Überraschungen und hinreißend erzählt.
Tage mit einem Maler
Martin Mosebach und der Maler Peter Schermuly (1927–2007) waren über 35 Jahre lang eng miteinander befreundet. In dieser Zeit hat Schermuly den Schriftsteller immer wieder gemalt. Der Büchner-Preisträger erzählt von diesen außergewöhnlichen Begegnungen, aus denen intensive Gespräche über Malerei, Wahrnehmung und künstlerische Praxis hervorgingen. Das Buch entführt den Leser in den Bilderkosmos Schermulys, entdeckt die Korrespondenzen im Schaffen der beiden Freunde und zeigt zugleich, wie aus dem einstigen Jurastudenten Mosebach der renommierte Schriftsteller wurde.
Das Zweite Vatikanische Konzil, das 1965 endete, hatte einen der revolutionären Kulturbrüche des 20. Jahrhunderts zur Folge. Papst Paul VI. ordnete das Ende der alten römischen Liturgie und die Schaffung einer neuen an. Doch der Optimismus, dass die Abschaffung des Lateinischen als Liturgiesprache der Kirche neue Kreise öffnen könne, ist längst vergangen. Martin Mosebachs provozierendes Buch stellt die Frage, ob die Kirche durch den Bruch mit ihrer großen Tradition sich nicht selbst ihrer Substanz beraubt hat, aber auch, ob über den alten Ritus bereits das letzte Wort gesprochen ist.
Die große Liebe, die das Leben verändert. Ein junger Mann aus Frankfurt läßt alles hinter sich, um seiner türkischen Geliebten in ihre Heimat zu folgen. Ein gleichermaßen zauberhafter wie ironischer Roman, von derselben farbenprächtigen Opulenz wie die Welt, in der er spielt.
Im Geist der großen europäischen Gesellschaftsromane ist in "Westend" - "einem der bedeutendsten Gesellschaftsromane der deutschen Literatur" (Die Zeit) – der eigentliche Gegenstand die Stadt Frankfurt mit ihren Bürgern aller Schichten. Eine ganze Epoche deutscher Nachkriegsgeschichte wird im Schicksal der Figuren lebendig: Spekulanten und Kunsthändler, Müllsammler, Hausmeister und Putzfrauen, die letzten Vertreter Altfrankfurter Bürgerlichkeit und ein jugendliches Liebespaar, das an den Sünden der Väter trägt und sie zu überwinden lernt. Ein fulminantes Epos über die Verwandlung einer städtischen Gesellschaft in den Aufbaujahren der Bundesrepublik – und ein Hauptwerk Martin Mosebachs, das jetzt als Neuausgabe wiederzuentdecken ist.
»Ein begnadeter Stilist.« Neue Zürcher Zeitung Der ahnungslose Held dieser Geschichte, ein gewisser Theodor Lerner, eigentlich Journalist, hätte wegen seiner Begegnung mit einer üppigen Hochstaplerin fast seine Stelle verloren. Stattdessen schickt sie ihn mit einem schrottreifen Dampfer in die Arktis, um im Namen des deutschen Kaisers eine herrenlose Insel zu annektieren. Das liest sich, als wäre dieser Lerner ein Vetter von Felix Krull. Gut erfunden, möchte man meinen. Aber mitnichten: Unter dem Stichwort »Bäreninsel« schrieb Meyers Konversationslexikon: »Im Auftrag eines Hamburger Syndikats nahm 1898 der Deutsche Theodor Lerner 85 qkm in deutschen Besitz.« Eine wahre Geschichte also, ein höchst unwahrscheinliches Capriccio der Kolonialgeschichte, und während Lerner auf seiner eisigen Insel herumstolpert, werden zwischen Petersburg und Berlin empörte Depeschen gewechselt.
Ein Liebesroman, ein Gesellschaftsroman, ein Sprachkunstwerk Es ist eine gefährliche Frage, die bereits den Keim einer Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Die beiden sind seit Kurzem ein Paar, und sie stellt ihm jene Frage. Seine Antwort wird zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem wahren Lügenpalast, errichtet aus soliden Bausteinen von Wirklichkeit. Auf der Bühne Frankfurts inszeniert Martin Mosebach meisterhaft ein böses Spiel von Liebe und Zufall. »Ein Meister auf der Höhe seines Könnens.« Hubert Spiegel in der ›FAZ‹
Im Oktober 2007 erhielt Martin Mosebach den Georg Büchner-Preis. Der Aufzug führt unmittelbar in den siebten Stock. Als sich seine Schiebetür sich öffnet, steht der Erzähler im gleißenden Licht einer modernen Architektenwohnung. Doch was ihm noch mehr Eindruck macht als der berühmte Mann, für den er arbeiten soll, ist dessen Tochter Manon. Er verliebt sich unsterblich, die Geliebte aber ist ihm nicht treu. So entschließt er sich zur Flucht und nimmt den Auftrag an, einen indischen Königspalast in ein modernes Hotel umzubauen. Manon aber folgt ihm ...
Ein Sprung aus dem Fenster führt für Patrick Elff, einen aufstrebenden Banker, in eine gefährliche Flucht. Nach einem Gespräch im Polizeipräsidium, bei dem seine betrügerischen Machenschaften drohen, aufgedeckt zu werden, sucht er Hilfe bei einem einflussreichen marokkanischen Finanzmann und flieht nach Mogador. Dort gestaltet sich das Untertauchen als schwierig. Um der Polizei zu entkommen, mietet er sich nicht in einem Hotel, sondern im Haus der Patronin Khadija, die eine geheimnisvolle Welt mit eigenen Gesetzen repräsentiert. Khadija ist nicht nur Hure und Kupplerin, sondern auch Geldverleiherin, Zauberin und Prophetin. Patrick, der sich als Opfer seiner Umstände sieht, begegnet einer Frau, die einen Kult um sich bildet und ihn in eine Welt jenseits der Realität zieht. Er überschreitet erneut Grenzen und wird mit überirdischen Schrecken konfrontiert. Mogador wird zu einer Mischung aus Kriminalfall und Seelenreise, in der die Charaktere – die unheimliche Khadija, der loyale Karim, der mächtige Monsieur Pereira und Patricks ironische Ehefrau Pilar – im Mittelpunkt stehen. Diese Reise wird für Patrick zu einem Traum, der ihn letztlich mit der Realität konfrontiert.
Ein Sommernachtstraum mitten in Frankfurt Hans und Ina sind ein strahlendes junges Paar. Hans hat zwar erfolgreich eine Bankkarriere begonnen, sich aber in der Wahl der neuen Wohnung vergriffen. Hinter dem Hauptbahnhof steht das Gründerzeithaus, dem man nicht ansieht, wie seltsam es in ihm zugeht. Denn dort findet sich allnächtlich im Hof jener fatale Kreis um den marokkanischen Hausmeister zusammen ... Ein federleicht erzählter Roman, ein ironisches Großstadtbild und eine doppelbödige Liebesgeschichte zugleich.
Die römische Liturgie und ihr Feind. Erweiterte Neuausgabe
Erweiterte Neuausgabe der berühmten Streitschrift Das Zweite Vatikanische Konzil war der revolutionäre Versuch, die katholische Kirche für die Gegenwart zu öffnen: 1965 schaffte Papst Paul VI. gegen den Rat vieler Bischöfe die alte römische Liturgie ab. Doch die Krise, der Konflikt zwischen Tradition und Moderne, wurde dadurch nicht behoben. Martin Mosebach beleuchtet das Ende dieser Tradition kritisch – und stellt die Frage, ob über den alten Ritus bereits das letzte Wort gesprochen ist.
Diese Geschichten stecken voller subtiler Überraschungen; ihr Motiv ist die Erinnerung. Ein Italien der Phantasie mischt sich mit Bildern jüngster deutscher Vergangenheit, beunruhigende, komische und tragische Gestalten reichen sich auf den Seiten dieses Bandes die Hände zu einer langen Kette. Martin Mosebach schreibt voller Liebe zum Detail, voller Sinnlichkeit, die jeden Schauplatz in seiner Eigenart und Farbe abbildet. Federleicht-virtuose Literatur voller Weisheit und Witz.
Erzählungen, Pasticci, Phantasien Pulcinellen sind in Italiens Süden spezielle Charaktermasken der Commedia dell'arte, unverschämt listige Diener, Säufer, Bettler, Krüppel. Wenn sie tot sind, endlich, kommt morgens die Stadtreinigung, »kehrt sie auf einen Haufen mit den zerquetschten Orangen und den nassen Zeitungen und kippt sie dann an einer stillen, hässlichen Stelle ins Meer«. Ob Mosebach vom Zustand der letzten Pulcinellenschar in Neapel, von der ungeklärten Beziehung dreier Schiffspassagiere oder von der Höllenwohnung Don Giovannis erzählt oder den Leser gar in den Zirkel der venezianischen Hofberichterstatter versetzt: mit seinen siebzehn poetischen Texten entführt er in ferne Länder und vergangene Zeiten und offeriert eine wunderbare Sammlung literarischer Spielereien, die den Leser mit geradezu perfidem Witz und einer Prise altehrwürdigem englischen Nonsens betören.
Mit dem Abitur, das früher auch Reifeprüfung genannt wurde, endet für mehr als 40 Prozent eines Geburtsjahrgangs die Schullaufbahn. Was erwartet die jungen Menschen? Seit 1999 bittet Ralph Schock, Literaturchef beim Saarländischen Rundfunk, mit Unterstützung des Senders, der Landesregierung und der Union Stiftung, namhafte Autorinnen und Autoren, darunter Herta Müller, Wilhelm Genazino, Juli Zeh oder Feridun Zaimoglu, Ausblicke zu geben. In diesem Jahr wird der Provokateur und Stilist Martin Mosebach dem Abiturjahrgang 2013 seine Vorstellungen mit auf den Weg geben.
Am 27. Oktober 2007 wurde Martin Mosebach in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis verliehen, „dem Erzähler von weltweitem Horizont, der die klassischen und die modernen Traditionen des Romans zu einer kraftvollen neuen Synthese geführt hat, und dem Essayisten von universaler Bildung“, befindet die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, und weiter: „Sie ehrt einen der humorvollsten und hintergründigsten Menschendarsteller unserer jüngeren Literatur und einen ihrer glanzvollsten Stilisten.“ In seiner bedeutenden Rede sprach Martin Mosebach über Büchner, Dantons Tod und die Revolution, über die Geschichte und die großen Ideen, die den Terror zu rechtfertigen glauben. Das Buch enthält Mosebachs Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises und die Laudatio von Navid Kermani.
Zu den "Commentarii" des Heimito von Doderer
Hans Magnus Enzensberger wurde am 11. November 1929 in Kaufbeuren im bayerischen Allgäu geboren und verbrachte seine Kindheit in Nürnberg. Von 1949 bis 1954 studierte er Literaturwissenschaft, Sprachen und Philosophie in Erlangen, Freiburg im Breisgau, Hamburg und Paris und wurde anschließend promoviert. Heute lebt Enzensberger in München. Martin Mosebach, geboren 1951 in Frankfurt am Main, war zunächst Jurist, dann wandte er sich dem Schreiben zu. Seit 1983 veröffentlicht er Romane, dazu Erzählungen, Gedichte, Libretti und Essays über Kunst und Literatur, über Reisen, über religiöse, historische und politische Themen. Dafür hat er zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, etwa den Heinrich-von-Kleist-Preis, den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, den Georg-Büchner-Preis und die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Er ist Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung, der Deutschen Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und lebt in Frankfurt am Main.
Franz Josef Czernin gilt über Deutschland hinaus als einer der ungewöhnlichsten Dichter unserer Zeit. Für „staub. gefässe“ hat er zum ersten Mal eine umfassende Auswahl zusammengestellt, die alle Facetten seiner Dichtung wiedergibt. Martin Mosebach führt mit einem kritischen Text scharfsinnig in Czernins Schaffen ein. Ein umfangreiches und weitverzweigtes poetisches Werk wird so endlich in seiner ganzen Spannweite sichtbar gemacht.
Feuer ist Leben, Feuer ist Sein. Es ist älter als der Mensch und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Es beherrscht den Alltag und die Wissenschaft, die Literatur und die Mythologie. Dieser Band nähert sich naturwissenschaftlich, poetisch und lyrisch diesem Element. Im Zusammenspiel mit eindrucksvollen Bildern wird die Allgegenwart des Feuers bewusst.
Roman
»Funkelnd, meisterhaft, unterhaltsam!« Pia Reinacher, Die Weltwoche In einem intimen Moment stellt eine junge Frau ihrem Liebhaber jene Frage, die unschuldig klingt und doch den Keim der Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten? Seine Antwort gerät zu einem Gespinst aus Wahrheit und Dichtung, einem Lügenpalast. Frankfurt ist dabei die phantastische Bühne für ein schwebendes Gesellschaftstheater: Muss eine Familie, müssen zwei Ehen zerfallen, damit ein Paar sich findet?
Tridentský koncil ve svém učení o posvátných ritech liturgie prohlásil, že tyto rity „neobsahují nic neužitečného nebo zbytečného“. Tato věta, je-li správně pochopena, znovu vyzývá k tomu, abychom liturgii považovali za umělecké dílo. Pod dojmem neustálých nešvarů a úpadku jsme si znovu silněji navykli posuzovat liturgii či to, co na tom kterém místě právě konkrétně nacházíme, z hlediska „platnosti“. To je styl římského práva, který má svou tradici a své oprávnění, který ale pro posuzování liturgických úkonů nemůže v zásadě nic přinést. Mše není notářským aktem, který se při splnění minimálních formálních požadavků stane „platným“. Představme si církevního právníka, který zmatenému a bezradnému návštěvníkovi moderního nedělního setkání vysvětluje, že v tom, co se tam odehrálo, bylo naplněno zaprvé, zadruhé a zatřetí, jednalo se tedy o „platnou“ mši svatou – na potvrzení by mu pak mohl také ještě dát s sebou domů razítko za vyřízení nedělní povinnosti. V mistrovském díle mohou existovat trhliny, může obsahovat slabší partie, opakování, nesrozumitelnosti, nedůslednosti – avšak nikdy ne věci zbytečné a neužitečné. (…). Velká díla mají duši, která zůstává znatelná, projevuje se a vyzařuje i tam, kde je jejich tělo možná poškozeno.
V dnešní době chceme za každým konfliktem mezi náboženstvími vidět především politické a ekonomické motivy, poněvadž považujeme za vyloučené, že by se víra pro člověka mohla doopravdy stát tou nejzazší a nejvyšší skutečností v životě. U jedenadvaceti koptských malorolníků a gastarbeiterů tomu tak ale bylo. Žili ve světě, v němž zůstat křesťanem nebylo dlouhá staletí samozřejmostí. Pro dlouhou řadu jejich předků šla příslušnost ke křesťanství vždy ruku v ruce s připraveností vydat o své víře svědectví. Velmi dobře znali nevýhody toho, co v Egyptě znamená být křesťanem. Avšak tito na pohled slabí lidé se svou bídnou existencí byli ochotni tyto nevýhody přijmout. A nemuseli se dlouho rozhodovat, vždyť to, co ve víře měli, bylo pro ně nekonečně cennější než to, co by mít mohli, kdyby se jí vzdali. Holý život by byl bezcenný bez víry, bylo by to jen živoření, ještě nižší než u zvířat, neboť zvířata jsou sama o sobě dokonalá, kdežto nedokonalí lidé ke své úplnosti potřebují božské doplnění.