Hotel und Gast
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Es waren kaum 100 Soldaten, die sich über den Vernichtungskrieg und sein Mordprogramm hörbar empörten, die ihre Kooperation verweigerten, sich demonstrativ nicht an Exekutionen beteiligten oder gar zu Rettern von Juden und anderen politisch und rassisch Verfolgten wurden. Sie zählen zu den wenigen innerhalb der Wehrmacht, die sich ihre humane Orientierung bewahrt haben - und ihre Namen sind z. B.: Anton Schmid (nach ihm wurde im Mai 2000 die Kaserne der Bundeswehr in Rendsburg benannt), Reinholf Lofy, Karl von Bothmer, Wilm Hosenfeld, Erich Heym, Karl Laabs, Heinz Drossel und Max Liedtke. Wie die Angehörigen des Widerstandes und die Deserteure der Wehrmacht stehen die „Retter in Uniform“ dafür, dass es neben dem militärischen Gehorsam auch Möglichkeiten individuell verantworteter Humanität im totalitären Staat gegeben hat - Handlungsspielräume, um „aktiven Anstand“ zu praktizieren. Diese Wenigen halten Millionen von gehorsamen Befehlsempfängern den Spiegel vor.
Katalog zur Sonderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Zusammenarbeit mit der Neuen Richtervereinigung
Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Fahnenflucht im Zweiten Weltkrieg
Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus erinnert dieses Buch daran, daß es nicht nur im Exil und im politischen Widerstand, sondern auch in der deutschen Wehrmacht Menschen gab, die sich dem Unrechtsregime verweigerten oder sogar entgegenstellten. Die Autoren vermessen das 'vermeinte Gelände' von Dissens und Verweigerung in der deutschen Wehrmacht und stellen dabei auch dar, wie Kriegsgerichte und andere Einrichtungen die Wehrdienstverweigerer, 'Wehrkraftzersetzer' und Zwangsrekrutierten mit allen Mitteln drangsalierten und verfolgten. Sie erinnern auch an jene Soldaten, die zum Gegner überliefen, um fortan an der Seite der Alliierten und der Partisanen für die Befreiung Europas zu kämpfen. Die bis heute kontrovers geführte Debatte über Rolle und Bewertung von Fahnenflucht - z. B. anläßlich der Errichtung eines Denkmals für die deutschen Deserteure in Bonn - zeigt, wie aktuell das Thema dieses Buches ist.
Wehrmachtstrafsystem, NKWD-Speziallager, DDR-Strafvollzug