Der vorliegende Beitrag vergleicht die Verhältnisse, unter denen jüdische Wissenschaftler in Deutschland arbeiten mussten, mit jenen im Russischen Reich und entwickelt ein kontrastives Modell von der Gleichberechtigung als Staatsbürger ohne volle akademische Gleichstellung in Deutschland beziehungsweise weitgehender sozialer Anerkennung in der Intelligencija ohne rechtliche Gleichheit im Russischen Reich. Weiters wird hier erörtert, wie diese Unterschiede durch das Universitäts- und Gesellschaftssystem des jeweiligen Landes bedingt waren und Fragestellungen zur Verfeinerung dieses Interpretationsmodells werden aufgezeigt.
Höhere Frauenstudien vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert
288 pages
11 hours of reading
Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wird der lange Weg der Frauen an die Universität nachgezeichnet. Die Geschichte des Frauenstudiums stellt herkömmliche Vorstellungen von verschiedenen Epochen und Ländern infrage und erfordert eine Neubewertung der Einordnung als „rückständig“ oder „fortschrittlich“. In Deutschland gab es zwar in allen Epochen gelehrte Frauen, darunter auch einige Doktorinnen im 18. Jahrhundert, doch der Zugang zu Universitäten blieb lange Zeit verwehrt. Um Widerstände gegen die Zulassung von Frauen zu überwinden, verwiesen Befürworter am Ende des 19. Jahrhunderts auf internationale Beispiele, darunter England, die USA und Russland, wo Frauen bereits seit Jahrzehnten studieren konnten. Die Beiträge beleuchten den Weg zu Colleges, Hochschulen und Universitäten im internationalen Vergleich und analysieren die Argumente von Befürwortern und Gegnern des Frauenstudiums. Dabei wird auch die Rolle der Lehrenden und der Studentinnen selbst betrachtet. Die Vorgeschichte des deutschen Frauenstudiums wird somit in einen breiteren internationalen Kontext eingeordnet. Themen umfassen weibliche Gelehrsamkeit im Mittelalter, das paternalistische Experiment Dorothea Schlözers, englische Frauencolleges, Frauenstudium im Russischen Reich, Polinnen an europäischen Hochschulen sowie den Übergang von der Höheren Töchterschule zum Gymnasium.