Historische Studien zur literarischen Kultur der Frühen Neuzeit
Die Texte in diesem Band bieten eine umfassende Sammlung von Vorträgen und Aufsätzen des Verfassers, die über vier Jahrzehnte entstanden sind. Der Fokus liegt auf der Rekonstruktion der Gelehrtenkultur in der Frühen Neuzeit, insbesondere zwischen dem Spätmittelalter und der Französischen Revolution. Die Beiträge beleuchten die Wechselwirkungen zwischen Gelehrten- und literarischer Kultur, ohne sich auf traditionelle Literaturgeschichten zu beschränken. Ein herausragender Text skizziert die zentralen Forschungsinteressen des Verfassers und definiert die Epoche der Frühen Neuzeit präzise.
In den Romanen von Jo Kyung Ran ist der Abbruch von menschlichen Beziehungen ein Schlüsselthema für ihre literarische Welt. Die Entfremdung innerhalb der Familie ist in ihrem ersten Roman „Zeit zum Toastbacken“ sehr intensiv dargestellt: Anstelle von Liebe bindet ein schwer durchschaubares Systen die unversöhnlichen Familienmitglieder aneinander. Während Yochin, die Tochter (und Ich-Erzählerin), danach strebt, ihre Backkunst zu vervollkommnen, entwickeln sich parallel dazu die Geschichten um die weniger vollkommenen Menschen in ihrem Umfeld. Dabei spielen vordergründig Körperlichkeiten eine zentrale Rolle; dahinter steht jedoch stets die Frage nach Identität. Und viele der so sicher scheinenden Ansichten, aus denen Yochin ihr Weltbild zusammensetzt, entpuppen sich überraschend als Trugbilder und Fehlannahmen. Seinen besonderen Charme erhält der Roman dadurch, dass die Ich-Erzählerin ihre Betrachtungen zeitweilig aus dem Blickwinkel der Bäckerin anstellt, was den Leser immer wieder zum Schmunzeln veranlasst: „Wenn man sie sah, dachte man unwillkürlich an einen prächtig geratenen Napfkuchen, so warm und weich sah sie aus.“
Louis-Sébastien Mercier (1740-1814) gilt als einer der vielseitigsten Schriftsteller des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Er begann als Schüler der Enzyklopädisten und erlebte seine Blütezeit als Theaterschriftsteller, Kritiker, Journalist und Romanautor in den siebziger und achtziger Jahren, einer Zeit, in der Paris vor der Revolution sowohl Licht- als auch Schattenseiten erlebte. Sein Werk "Tableau de Paris" erschien 1781 und wuchs bis 1788 auf acht Bände an. "Das Jahr 2440" zählt zu den bemerkenswertesten politischen Romanen im vorrevolutionären Westeuropa. Die erste deutsche Übersetzung wurde 1772 von Christian Felix Weiße angefertigt und bildet die Grundlage für diesen Neudruck. Der utopische Roman fand in Deutschland großen Anklang und der Titel wurde ähnlich populär wie Orwells "1984". Die Erzählung beginnt mit einem Traum, in dem der Protagonist im Paris des Jahres 2440 erwacht und die Stadt erkundet. In dieser Zukunft leben die Menschen vernünftig, fleißig und friedlich, während Armeen und Prostitution abgeschafft sind. Universelle Gastfreundschaft ersetzt Restaurants, und das Theater dient ausschließlich moralischen Zwecken. Merciers Zukunftsvision spiegelt den Traum von verwirklichter Aufklärung wider, verstanden als sozialpolitisches und ethisches Reformprogramm. Der Herausgeber, Dr. Herbert Jaumann, ist Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld.