Wie erinnert man sich an eine Familie, deren Wege sich über Jahrhunderte und Länder hinweg verloren haben? Dieses Buch erzählt die Geschichte der Familie Dreiseitel, die um 1800 aus Mähren nach Ostgalizien (heutige Ukraine) kam, dort eine Brauerei gründete und Teil der deutschen Minderheit war – bis zur Umsiedlung und Vertreibung 1939. Auf der Grundlage von Zeitzeugeninterviews, Dokumenten und Archivfunden rekonstruiert die Autorin das Leben mehrerer Generationen – von den Anfängen in Galizien über die Flucht und Neuansiedlung in der DDR bis hin zu den Nachwirkungen in der zweiten und dritten Generation. Dabei entsteht ein beeindruckendes Panorama europäischer Geschichte im 20. Jahrhundert geprägt von Migration, Verlust, Neuanfang und dem Fortwirken transgenerationaler Traumata. Zugleich ist es die persönliche Erzählung einer Spurensuche – einer Annäherung an das eigene Erbe, an das Schweigen und die Brüche in einer Familie, deren Geschichte exemplarisch für viele steht. Ein bewegendes Buch über Erinnerung, Identität und die langen Schatten der Geschichte – für alle, die sich für Osteuropa, Flucht und Vertreibung, Familienforschung und Oral History interessieren.
Christina Schmidt Book order (chronological)



Die Niederlage des tragischen Sprechens ist vor allem ein räumliches Problem. Anhand Einar Schleefs Beschäftigung mit der antiken Tragödie und deren Transformationen in der Moderne analysiert Christina Schmidt die Figur des Chors und seine konflikthafte »Rückkehr« in das Theater. Sie zeigt, dass sich Schleef mit dem Theater der Tragödie weniger philologisch als vielmehr topografisch auseinandersetzt, indem er die Orte der Figuren, der verhandelten Konflikte, der theatralen Verlautbarungen und deren damit zusammenhängende Macht-Konstellationen untersucht. Schmidt geht dieser politisch-topologischen Auffassung des Bühnenraums nach und rückt somit die Thematik der »Tragödie als Bühnenform« ins Zentrum.