Für die Vernunft
Wider Moralisierung und Emotionalisierung in Politik und Kirche
Die Sprache der Moral und die Emotionen, die sie weckt, sind seit jeher Mittel der Politik. Der gegenwärtige Trend zur Moralisierung und Emotionalisierung in Politik und Gesellschaft, auch in den Kirchen, gefährdet die Demokratie. Die Ethik warnt vor übermäßiger Moral, während die Theologie die Unterscheidung zwischen Religion und Moral betont – in der reformatorischen Tradition als Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium. Diese Unterscheidung ist zentral für die theologische Vernunft und fördert die politische Vernunft. Nur durch ein konstruktives Verhältnis zwischen beiden kann der Tyrannei des moralischen Imperativs in Politik und Kirche entgegengewirkt werden. Der moralische Imperativ ist derzeit omnipräsent und ruft zu Empörung und Entrüstung auf, was ein gutes Gefühl vermittelt und die Botschaft transportiert: Wir sind die Guten! Max Weber plädierte jedoch für die Unterscheidung, nicht Trennung, von Politik und Moral und betrachtete Politik als nüchternes Handwerk. In der gegenwärtigen, moralisch aufgeladenen Stimmung hat diese Sichtweise es schwer. Ulrich H. J. Körtner fordert eindringlich, die theologischen und politischen Vernunft wieder konstruktiv miteinander zu verbinden.








