Der Ursprung des Bildakts bindet die in den letzten drei Jahrzehnten erzielten Forschungsergebnisse der Vor- und Frühgeschichte kunsthistorisch ein und ist als anthropologische Grundlegung einer Wirkmacht der Form konzipiert. Fossilien-Inklusionen in Faustkeilen erlauben eine materiale und philosophische Bestimmung der «ikonischen Differenz» (Boehm), die für das Verständnis des Bildakts fundamental ist.
To a greater extent than still widely assumed, the German scholar Aby Warburg drew, throughout his life, on the lessons of two of its early episodes: his travels of 1895-96 among Pueblo Indian communities in the North American Southwest, and his residence of 1896-97 in Berlin, which he prized as a center for the study of ethnography, ethnology, and anthropology. Over the next three decades, this pioneering thinker was able to affect a fruitful amalgamation of those disciplines with that of art history (in which he had himself been trained): the origin of a form of cultural studies that continues to exert an extraordinary intellectual allure. Quoting from Warburg's diaries, notebooks, and correspondence, this newly translated study throws fresh light on a most eventful journey through the realm of ideas.
Der Moses Michelangelos und die Sammlung von Idolen
160 pages
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Sigmund Freuds Untersuchung des Moses von Michelangelo sowie seine Sammlung antiker Kleinskulpturen bieten, gemeinsam betrachtet, Elemente einer visuellen Psychoanalyse, die dem ikonoklastischen Grundzug dieser Wissenschaft widerspricht. Freud bezog seine Statuetten in die Behandlungspraxis ein und ließ sich auch selbst von ihnen inspirieren. Seine Sammlung, das zeigt dieser Band, ist ein Schlüssel für seine Wissenschaft des Unbewussten. Um ihre Wirkung zu nutzen, musste Freud diese Form der Behandlungspraxis verbergen, sie «verhüllen». Wenn man diese Motive berücksichtigt, ist zu erschließen, wie stark die Psychoanalyse als ein Ort der Befreiung von kulturellen Zwängen gedeutet werden kann: Freuds Beschäftigung mit dem Moses und seine Sammlung waren die Antipoden zum mosaischen Bilderverbot. Auf diese Weise konnte er den unterkundigen Bildern der Traumata einen Freiheitsraum vermitteln, in dem sich diese bewältigen ließen.
Kleine Architekturgeschichte der Sehnsucht nach dem Süden - Erweiterte Ausgabe!
192 pages
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Berlin gilt als eine Stadt, die sich quasi aus dem Nichts immer wieder neu erfunden hat – nach dem Aufstieg zur preußischen Königsresidenz, der Reichseinheit, dem Ende des Kaiserreichs, den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs und nach dem Fall der Mauer. Dabei gibt es eine starke Traditionslinie, die jede Epoche der Architekturgeschichte sichtbar prägte: die Orientierung an der Kunst der Mittelmeerländer, die der Stadt schon früh einen südlichen Charakter verlieh. Ein Spaziergang offenbart jede Menge überraschender Parallelen – von Schlüters barockem Schloss (Antike! Rom!) über das Forum Fridericianum und das Tieranatomische Theater (Palladio! Vicenza!), das Brandenburger Tor (Athen! Akropolis!), den Reichstag, den Dom und das Bodemuseum bis hin zum Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nach 1945, zu Franco Stellas Flügel des neuerrichteten Berliner Schlosses oder der James-Simon-Galerie.
Focusing on the concept of "embodiment," this work explores the limitations of the pragmatic turn in contemporary philosophy, which often interprets the world as a projection of the knowing self. It critiques the prevailing notions and delves into the implications of this perspective, suggesting that while promising, it does not fully capture the complexities of human experience and existence. The author invites readers to reconsider the relationship between perception and reality within philosophical discourse.
Was ist uns während der Covid-19 Pandemie verloren gegangen? Über das, was sie in dieser Zeit am meisten vermisst haben, sprechen der Kunsthistoriker Horst Bredekamp und der Philosoph Gunter Gebauer: Keine Begegnung mit den Originalen der Kunstwerke, kein Museumsbesuch, keine neuen Ausstellungen, und das Verschwinden aller sportlichen Wettkämpfe aus der Öffentlichkeit, mit Ausnahme der "Geisterspiele".0Welche Bedeutung der körperlichen Präsenz in der Begegnung mit Kunstwerken zukommt und wie ein empathisches Publikum auf herausragende sportliche Leistungen leibhaftig reagiert, wird an eindrucksvollen Beispielen diskutiert.0Was wird nach dem Ende der Pandemie geschehen ? wird die Erfahrung der Präsenz mit einem Schlag zurück gewonnen oder werden die im Inneren angelegten Hemmungen mit vorsichtigen Schritten allmählich überwunden?
Das Urbild des modernen Staates und seine Gegenbilder. 1651-2001
203 pages
8 hours of reading
Horst Bredekamp erschliesst mit Abraham Bosse den Kunstler des Frontispizes, stellt samtliche Varianten dieses Urbildes des modernen Staates zusammen und versucht, die Vorgeschichte seiner politischen Ikonographie zu klaren. Im Zentrum stehen die koniglichen Kunstleiber von Westminster Abbey sowie optische Gerate, mit deren Hilfe Hobbes neben dem Korper und dem Raum auch eine kunstliche Zeit als Wirkmittel des Leviathan zu etablieren suchte. Gegen Ende seiner pragnanten Analyse erortert der Autor die Wiederkehr der Hobbeschen Staatsikone im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert sowie die Zukunft des Staates als Bild
Body politic as visual strategy in the work of Thomas Hobbes
293 pages
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Horst Bredekamp's subject is the surprising resonance of the image of the embodied state that dominates the frontispiece to Leviathan: the treatise on humanity in its "political" dimension published in 1651 by the English philosopher Thomas Hobbes. Opening with a succinct exposition of how intimately this image is related to some of the fundamental themes addressed by Hobbes, Bredekamp then rigorously pursues the art-historical question of the authorship of the title-page. In the central chapters, the frontispiece is assessed in relation both to venerable visual and intellectual traditions and to some of the scientific innovations of the mid-17th century. The conclusion is devoted to the importance of several of the most far-reaching preoccupations of Hobbes as a profound and original thinker.
Gottfried Wilhelm Leibniz' Theater der Natur und Kunst
280 pages
10 hours of reading
Das Buch untersucht die zentrale Rolle von Bildern in der Entwicklung der modernen Philosophie, insbesondere durch die Analyse bedeutender Denker des 17. Jahrhunderts. Der Ausgangspunkt ist die Staatstheorie in Thomas Hobbes' "Leviathan". Im Fokus steht nun Gottfried Wilhelm Leibniz' Konzept eines Theaters der Natur und Kunst sowie eines Atlas der Einbildungskraft, das für das Verständnis seiner Philosophie von großer Bedeutung sein könnte. Trotz Leibniz' hartnäckiger Verfolgung dieser Idee blieb sie in der Forschung weitgehend unbekannt, was auf die fragmentarische Überlieferung seiner Schriften und die Vorliebe der Philosophiegeschichte für transzendierte visuelle und haptische Welten zurückzuführen ist. Neueste Ausgaben seiner Werke ermöglichen es nun, Leibniz' Wertschätzung für die taktile und visuelle Wahrnehmung im Kontext zu betrachten. Das Projekt des Theaters der Natur und Kunst bietet nicht nur eine Ergänzung zu seinen vielfältigen Denkansätzen, sondern auch einen neuen Rahmen. Leibniz' Interesse am Theatrum Naturae et Artis könnte das Gesamtbild seiner Philosophie verändern, indem es die Kluft zwischen Kalkül und Anschauung sowie zwischen der "Fensterlosigkeit" der Monade und der körperlichen Form ihrer Wahrnehmung vertieft und überbrückt.
Die Reise des Kunsthistorikers Aby Warburg zu den Pueblo-Indianern von New Mexico und den Hopi in Arizona 1895/96 ist legendär. Ihr Ruhm beruht auf einem später »Schlangenritual« betitelten Vortrag Warburgs von 1923. Die Begegnung mit der Kultur der Indianer des südwestlichen Amerika bedeutete für Warburg, der sich zuvor mit der Florentiner Renaissance beschäftigt hatte, ein elementares Erlebnis, das seinen Begriff von Kultur entscheidend prägte und ihn schwanken ließ: Sollte er die Kunstgeschichte zugunsten der Ethnologie aufgeben? Nach der Rückkehr von seiner Amerika-Reise lebte Warburg 1896/97 in Berlin. Hier konnte er seine Beobachtungen im Museum für Völkerkunde vertiefen und in liberaler Atmosphäre mit modernen Ethnologen diskutieren. Mit Franz Boas, dem Begründer einer bis heute vorbildhaften, an die Brüder Humboldt anschließenden Anthropologie, stand Warburg von Berlin aus in engem Kontakt. Auch die letzten Hamburger Lebensjahre erscheinen hierdurch in völlig neuem Licht. Horst Bredekamp führt einen der entscheidenden Momente aus Warburgs Biographie und Forscherleben mit einer ebenso zentralen Etappe der Berliner Kultur- und Wissenschaftsgeschichte zusammen und veranschaulicht einen mehrfachen Brückenschlag zwischen den Epochen und Regionen.
Mannerism, Anti-Mannerism and the Virtue of Drawing in the Foundation of Early Modern Science
375 pages
14 hours of reading
Contemporary biographies of Galilei emphasize, in several places, that he was a masterful draughtsman. In fact, Galilei studied at the art academy, which is where his friendship with Ludovico Cigoli developed, who later became the official court artist. The book focuses on this formative effect – it tracks Galilei’s trust in the epistemological strength of drawings. It also looks at Galilei’s activities in the world of art and his reflections on art theory, ending with an appreciation of his fame; after all, he was revered as a rebirth of Michelangelo. For the first time, this publication collects all aspects of the appreciation of Galilei as an artist, contemplating his art not only as another facet of his activities, but as an essential element of his research.
Der Name der Brüder Humboldt steht für eine Sammlungs- und Begegnungsgeschichte, die keinesfalls vom kolonialen Gedanken des Ausbeutens und Besitzens geprägt war, sondern von dem Wunsch, zu reisen und zu entdecken, zu sammeln und zu erforschen und nicht zuletzt zu zeigen. Im Zentrum Berlins bietet der ehemals leere Schlossplatz die ungeheure Chance, diese Tradition sichtbar zu machen und eine neue »Freistätte« der Künste und des Wissens zu schaffen. Die drei Partner, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren großartigen Sammlungen afrikanischer, asiatischer, ozeanischer und altamerikanischer Kunst, die Humboldt-Universität mit ihren Schätzen wissenschaftlicher Sammlungen und Berlin mit seinem stets lebendig gehaltenen Erbe als Stadt des Freigeistes sollen zusammenspielen, um diesen Sammlungen einen angemessenen Ort zu geben und grundlegende Fragen unserer Zeit zu erörtern. Die Idee, beinahe zu Tode diskutiert und aus Kostengründen ausgeblendet, soll in diesem Buch anhand von Dokumenten, Reden und Ausblicken wiedergewonnen werden. Mit Texten von: Horst Bredekamp, Friedrich Dieckmann, Klaus-Dieter Lehmann, Peter-Klaus Schuster u. a.
Die Dauerausstellung im Literaturmusuem der Moderne
429 pages
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Vorwort von Heike Gfrereis und Ulrich Raulff Eine Marbacher Marginalie von Hans Magnus Enzensberger ZEITLICHKEIT Karl Heinz Bohrer Die Zeitlichkeit der modernen Literatur Ulrike Draesner Das Zeit-Erzählen BILDLICHKEIT Horst Bredekamp Die Bruderschaft von Schrift und Bild ÖRTLICHKEIT Wilhelm Genazino Exklusive Trivialität. Benn, Horváth und Weiss in ihren Sehnsuchtsräumen SE(E)LIGKEIT Hans Ulrich Gumbrecht Vom beseelenden Hauch der Literatur Heike Gfrereis Die Ausstellung Das virtuelle Literaturmuseum des 21. Jahrhnderts
Seit dem byzantinischen Bilderstreit und dem Bildersturm der Reformation ist nicht mehr in solcher Intensität über Bilder nachgedacht worden wie in den letzten Jahrzehnten. Neben der Archäologie und der Kunstgeschichte haben sich zahlreiche weitere Fächer an Fragestellungen rund um das Bild geradezu festgebissen. Angesichts dessen geht einer der bedeutendsten Kunsthistoriker der Gegenwart der Frage nach, warum Begriff und Geltung sowie Macht und Ohnmacht von Bildern zu so hartnäckig verfolgten Themen unserer Tage geworden sind. Bilder besitzen zwar als vom Menschen geschaffene Artefakte kein autonomes Leben, entwickeln aber immer wieder eine Präsenz, die sie mehr sein lässt als nur toter Stoff. Mit Blick darauf entwirft Bredekamp als Gegenstück zur Lehre vom Sprechakt eine Theorie des Bildakts.
Kreuzlingen am Schweizer Ufer des Bodensees und Scharbeutz an der Ostsee geben diesem Buch nicht nur einen geographischen, sondern auch einen kulturgeschichtlichen Ort. Der Kunst- und Kulturhistoriker Aby Warburg, Begründer einer bildwissenschaftlichen Ikonologie, führte dort wegweisende Gespräche mit zwei herausragenden Zeitgenossen: in Kreuzlingen im Jahr 1924 mit dem Philosophen Ernst Cassirer und gut vier Jahre später in Scharbeutz mit dem Physiker Albert Einstein. Warburg, soeben von langwieriger Krankheit genesen, suchte den Austausch mit Gleichgesinnten, nachdem er zurückgezogen im Sanatorium über verschiedene kulturgeschichtliche Themen nachgedacht hatte. Ihn beschäftigten vor allem der Astronom Johannes Kepler und die Frage nach dem Aufbau des Kosmos. Wie entstand das moderne Weltbild? In den Begegnungen Warburgs mit Cassirer und Einstein kommen Kunstgeschichte, Philosophie und Naturwissenschaften zusammen und erhellen sich wechselseitig, mit großem Gewinn für den Leser. Ein besonders sprechendes Zeugnis des Treffens in Scharbeutz ist eine soeben gefundene Skizze Einsteins, mit deren Hilfe er Keplers Berechnungen für Warburg erläuterte.
Galileo’s O, Volume III, is perhaps without peer in the history of the book. In this work, historians in various fields revise the results they presented in the first two volumes, which focused on the New York copy of Sidereus Nuncius, written in 1610. The analysis of this book was conceived as a uniquely multidisciplinary and cooperative undertaking, and many of its findings remain valid. Yet the subject of analysis proved to be the work of an international group of forgers. Volume III describes the chronology and methods by which the discovery of forgery was made – a veritable watershed moment in the continuing struggle between the ever-more refined methods of forgers and new methods used to apprehend them. Ultimately, the work also provides insight into the psychology of specialists who “research themselves” in order to prevent similar errors in the future.
Die Kathedrale von Reims ist nicht nur Krönungskirche und Höhepunkt gotischer Baukunst, sondern auch ein besonderer Ort deutsch-französischer Freundschaft. Für dieses sakrale Herzstück Frankreichs hat der deutsche Künstler Imi Knoebel (geb. 1940) sechs Kirchenfenster gestaltet. Seine mystisch illuminierten Chorkapellen rahmen nun zu beiden Seiten die eher düsteren Fenster Marc Chagalls von 1972 ein. Dieser vehemente Kontrast verhilft den abstrakten Formen von Knoebels Fenstern zu enormer Ausdrucksstärke. Der zweisprachige Katalog dokumentiert das Entstehen der Glaskunstwerke von den ersten Vorstudien und Messerschnitten aus den 1970er-Jahren über die konkreten Entwürfe bis hin zu den realisierten Fenstern. Mit diesem Werk reiht sich Imi Knoebel auf hervorragende Weise in den elitären Kreis moderner Sakralkünstler ein.
This volume comprises four papers by logician and philosopher Dagfinn Føllesdal, the art historian Horst Bredekamp, and the jurist Udo Di Fabio, introduced by the philosopher Wolfram Hogrebe. Føllesdal shows analogies in Gödel’s and Husserl’s views on mathematical Platonism. Both, he argues, converge in a Platonism open to revision. Futhermore Føllesdal examines W. V. O. Quine’s concept of behaviorism. He shows that Quine already developed behavioristic ideas before coming to know Skinner. And he rejects the commonmisapprehension that Quine equated stimuli with objects, revealing results that converge with thoughts of Edmund Husserl. As a jurist and philosopher, Di Fabio hasa deep acquaintance with European legal relationships and social crises. He points tothe threateningcollapse of states in a situation wherenoone is able to readtheir global and polycentric structures. Horst Bredekamp deals with the earliest artefacts of human. Likeninghis investigations to those of Darwinhe shows that there was an additional factor in their production from early on: the pursuit of beauty.
Wer weiß schon, dass der große Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz wesentliche Anregungen zur Anlage eines Gartens gab? In Hannover, im berühmten Barockgarten von Herrenhausen, zog er seine Vorstellungen von Natur und Kunst aus der Gartengestaltung. Da kein Blatt dem anderen gleicht, erkannte er in der scheinbar unendlichen Formenvielfalt des barocken Gartens die zutiefst individuelle Gestalt der Natur und die Freiheit des Individuellen schlechthin. So wird der Garten zum Laboratorium des Erkenntnisgewinns, und der Mensch, der sich darin bewegt, erfährt über die sinnliche Wahrnehmung – man denke an die Muschelformen in Pflanzen, Bauplastik und Wasserspielen – immer neue Denkanstöße. Horst Bredekamp wagt nicht weniger, als die Geschichte der Gartenkunst vom Kopf auf die Füße zu stellen. Er sieht den Gedanken der Freiheit nicht wie üblich in den sanft geschwungenen Wegen des Landschaftsgartens verwirklicht, sondern in den komplexen Geometrien des Barockgartens: Hier findet sich die eigentliche Revolution!
Seit dem byzantinischen Bilderstreit und dem Bildersturm der Reformation ist das Nachdenken über Bilder in den letzten Jahrzehnten intensiver geworden. Neben Archäologie und Kunstgeschichte haben viele weitere Disziplinen Fragen rund um das Bild aufgegriffen. Ein bedeutender Kunsthistoriker untersucht, warum die Begriffe, Geltung sowie Macht und Ohnmacht von Bildern so zentrale Themen unserer Zeit sind. Dieser Boom ist vor allem auf die Dominanz des Visuellen in nahezu allen Lebensbereichen zurückzuführen. Doch dahinter verbirgt sich ein Paradoxon: Bilder, als menschengemachte Artefakte, haben kein autonomes Leben, entwickeln jedoch eine Präsenz, die sie über bloße materielle Objekte hinaushebt. Daraus ergibt sich die Erwartung, dass das Nachdenken über Bilder mehr zu bieten hat als nur den visuellen Eindruck. Die Kraft von Bildern liegt im Spannungsfeld zwischen lebloser Starre und Lebendigkeit. In diesem Kontext entwickelt der Autor eine Theorie des Bildakts als Gegenstück zur Sprechakttheorie und untersucht das Phänomen wirkkräftiger Bilder in drei Bereichen: künstliche Lebendigkeit, Austausch von Bild und Körper sowie die Eigentätigkeit der Form. Diese Arbeit ist die erweiterte Fassung seiner 2007 gehaltenen Frankfurter Adorno-Vorlesungen und das Ergebnis jahrzehntelanger Forschungen zur bildaktiven Phänomenologie.
Michelangelo als Vertragsbrecher, als Scheiternder, als souveräner Künstler, den Mächtigen ebenbürtig, portraitiert von Horst Bredekamp, einem der profiliertesten Kunsthistoriker unserer Zeit. Horst Bredekamps unkonventioneller Blick heftet sich nicht nur auf die Skulpturen, Gemälde und Bauwerke Michelangelos, sondern auch auf die Wendungen im Leben des Meisters, der mehrmals auf der Flucht vor seinen mächtigen Auftraggebern war. In seinem Text über das »Juliusgrab« zeigt Bredekamp, wie Michelangelo ein vermeintlich katastrophales Scheitern in einen Triumph verwandelt. »Im Zustand der Belagerung« ist Michelangelo zwischen seinen Auftraggebern, den aus Florenz vertriebenen Medici, die zugleich den Papst in Rom stellen, und der Florentiner Republik. »Michelangelos Verträge« portraitiert einen hoffnungslos überlasteten Vertragsschwindler, der jeden Auftrag annimmt, nur die Hälfte vollendet und daraus eine künstlerische Tugend zu machen versucht. In »St. Peter« zeigt Bredekamp den grandiosen Architekten Michelangelo, der dort eine durchaus absolutistische Machtfülle beansprucht.
In seiner einflussreichen Schrift „Galileo as a Critic of the Arts“ von 1954 verband Erwin Panofsky Galileis künstlerische Vorlieben mit dessen Vorstellungen von Raum, Licht und Kosmos. Horst Bredekamp, Kunsthistoriker der Humboldt-Universität, erweitert diese Perspektive und rekonstruiert Galilei als ausgebildeten Künstler, der das Zeichnen als Forschungsinstrument nutzte. Gelegenheitszeichnungen und insbesondere Galileis durch das Teleskop gewonnenen Mond- und Sonnenzeichnungen zeigen, dass der Stil der Darstellungen entscheidend für den Sinn des Dargestellten war. Erstmals werden Galileis direkt überlieferte oder indirekt gesicherte Mondzeichnungen gesammelt und in eine neu rekonstruierte Abfolge gebracht. Ein bemerkenswerter Aspekt ist die Veröffentlichung neu entdeckter Vorzeichnungen für die Monde des „Sidereus Nuncius“ von 1610. Zudem wird die Auseinandersetzung um das Verständnis der Sonnenflecken von 1611 bis 1613 dokumentiert, die über zweihundert Zeichnungen und Stiche umfasst und den transalpinen Wettstreit zwischen Christoph Scheiner und Galilei, unterstützt von Lodovico Cigoli, anschaulich macht. Mit diesem Werk schließt Bredekamp seine Trias zum Bildverständnis der frühen Neuzeit ab, die bereits seine Studien zu Hobbes und Leibniz umfasste. Ein materialreiches und theoretisch geschärftes Werk zur Kunst-, Wissenschafts- und Philosophiegeschichte wird damit vollendet.
Zahllose Formen und Objekte sind dem menschlichen Auge entzogen, weil sie im Verborgenen lagern und zerstört oder zensiert werden. Der Verkehrswert von Kunstwerken schwankt, Bildprodukte der Werbung und der Massenmedien geraten in Vergessenheit, wissenschaftliche Aufzeichnungen gehen im Auswahlprozess verloren oder werden nach Gebrauch abgestoßen. Unterdessen füllen sich die Archive und Netze weiter mit privaten wie politischen Bildbotschaften aller Art, deren Betrachtung ungewiss bleibt. Was zum Bild wird und als solches wahrgenommen wird, hängt von formalen Erwartungen, historisch geprägten Aufmerksamkeiten sowie räumlichen und zeitlichen Bedingungen ab, die über den Wert eines Motives, Blickwinkels oder Ausschnittes entscheiden. Während ganze Bildwelten verschwinden, wird der Glaube an die Aussagekraft und Verfügbarkeit von Bildern aber immer weiter befördert. Der vorliegende Band untersucht daher, in welch unterschiedlichen Zuständen jene Formen bestehen können, die für kurze Zeit oder dauerhaft ohne Betrachter sind und die dennoch als „Bilder“ angesprochen werden.
Die Mysterien der Repräsentation und die Berechenbarkeit der Welt
Im Jahr 1610 äußerte der englische König Jakob I. seine Besorgnis darüber, dass nichts mehr unerforscht sei, weder die höchsten Mysterien der Gottheit noch die tiefsten Geheimnisse der Herrschaft von Königen und Prinzen. Diese Bemerkung reflektiert die grundlegenden Veränderungen in der Herrschaftsvermittlung der damaligen Zeit. Die politischen Systeme basierten auf Staatstheorien, die durch visuelle Repräsentation etabliert wurden. Die ikonische Qualität des Bildes war entscheidend für die Repräsentationssysteme der Frühen Neuzeit, da nur sie die Mysterien der Herrschaft adäquat darstellen konnten. Der Band untersucht, inwieweit die sich professionalisierenden Künste und Wissenschaften dieser Epoche der Legitimation der Herrschaft entgegenwirkten und welche Gegenstrategien entwickelt wurden. Die Beiträge stammen aus Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Germanistik und thematisieren die Diskrepanz zwischen den Mysterien der Herrschaft und der Berechenbarkeit der Welt. Das Bild spielt hierbei eine zentrale Rolle, sowohl als Ort des Konflikts als auch als Raum für Harmonisierungsversuche. Horst Bredekamp, Kunsthistoriker und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, fokussiert sich auf Themen wie Bildersturm, Skulptur der Romanik, Kunst der Renaissance und des Manierismus sowie politische Ikonographie.
Frühe Evolutionsmodelle und die Tradition der Naturgeschichte
111 pages
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Lebensbaum mit dem Menschen als Krone oder Entwicklung der Arten nach allen Seiten? Bredekamp befragt Darwins Evolutionstheorie und ihre Bilder. Der Name Charles Darwin ist im öffentlichen Bewusstsein untrennbar mit der Theorie vom Überlebenskampf der Arten verbunden. Wenig bekannt ist, von welchen Skrupeln die Ausbildung dieses Prinzips begleitet war. Dies gilt auch für das Baummodell der Evolution, das die Vorstellungen von der Entwicklung der Arten beherrscht und allzugut in sozialdarwinistische Vorstellungen des 19. Jahrhunderts passt. Für Darwin war dieses Baummodell jedoch nur eine Möglichkeit, den Evolutionsprozeß bildlich darzustellen. Zu seinen Alternativen gehörte die Koralle als Symbol der gesamten Naturentwicklung. Bredekamp rekonstruiert die Bedeutungsgeschichte der Koralle, und zeigt, wie Darwin dieses traditionelle Symbol in seine Überlegungen eingeflochten hat: als Modell einer Evolution, die anarchisch in alle Richtungen wächst und nicht – wie beim Baummodell – den Menschen als Krönung der Entwicklung sieht.
Dieser Band widmet sich Bildformen, deren Strukturen durch textile Ordnungen wie Weben, Kneten, Flechten, Wirken oder Filzen geprägt sind und die sich auf diese Weise als operationale Flächengebilde beschreiben lassen. Aus dem Inhalt: Birgit Schneider: Diagramm und bildtextile Ordnung Sybilla Nikolow: Kurven, Diagramme, Zahlen- und Mengenbilder. Die Wiener Methode der Bildstatistik als statistische Bildform Barbara Segelken: Staatsordnung im Bild der Tabelle am Beispiel von Friedrich Anton von Heinitz (1785/86). Claus-Peter Haase: Erziehung des Auges. Die Umdeutung von Ornamentsystemen bei anatolischen Teppichen. Steffen Bogen: Verbundene Materie, geordnete Bilder. Reflexion diagrammatischen Schauens in den Fenstern von Chartres. Kathrin Müller: Formen des Anfangs. Sphärendiagramme aus dem 13. Jahrhundert Eva Cancik-Kirschbaum / Bernd Mahr: Anordnung und ästhetisches Profil. Die Herausbildung einer universellen Kulturtechnik in der Frühgeschichte der Schrift. Interview: Ornament, Diagramm, Computerbild. Phänomene des Übergangs. Ein Gespräch mit Lambert Wiesing
Mit dem Thema „Instrumente des Sehens“ wird die Frage gestellt, inwieweit Wahrnehmung zugleich auch Bearbeitung ermöglicht und Wahrnehmungstheorien demzufolge auch Handlungsregeln implizieren. Bilder als Element einer Technik zu begreifen, bedeutet also nicht, sie auf den bloßen Effekt einer spezifischen Technik zu reduzieren. Als Part von Maschinen, Apparaturen oder Instrumenten können sie gemäß der zweiten Wortbedeutung von 'Technik' als Felder von Handlungen und Fertigkeiten angesehen werden, als Felder, in denen die visuelle Beschreibung zugleich einen Bearbeitungs- und Spielraum eröffnet. Anhand Vermeers Arbeit mit der camera obscura, der Bilder der camera lucida, Diderots Wahrnehmungstheorie, Freuds Mikroskopie, der Bildrealitäten der Nanotechnologie wie der Neurowissenschaften entwerfen die Autoren kritische Perspektiven auf technische Bilder jeseints der evolutionären Logik eines Technikdeterminismus.
Der erste Band des Kunsthistorischen Jahrbuches „Bildwelten des Wissens“ gilt jenen Bildern, die in Prozessen ihre Gültigkeit haben. Gemeint sind sowohl Erkenntnis- als auch Arbeitsprozesse und Laborpraktiken, aber auch prozessuale Entwicklungen von Bildgegenständen. Mit dieser Zuspitzung soll die im Jahrbuch zu führende Debatte um Bilder als Wissensobjekte, die sich nicht allein im Illustrativen erschöpfen, eröffnet werden. Bei der Vorstellung, dass Bilder den Gegenstand, und nicht zunächst sich selbst abbilden, wird leicht übersehen, dass Darstellungen eben nicht nur vorgängig Gedachtes bloß wiedergeben, sondern mit ihren eigenen Mitteln Wissen zugleich auch herstellen.
Horst Bredekamp erschließt mit Abraham Bosse den Künstler des Frontispizes, stellt sämtliche Varianten dieses Urbildes des modernen Staates zusammen und versucht, die Vorgeschichte seiner politischen Ikonographie zu klären. Im Zentrum stehen die königlichen Kunstleiber von Westminster Abbey sowie optische Geräte, mit deren Hilfe Hobbes neben dem Körper und dem Raum auch eine künstliche Zeit als Wirkmittel des Leviathan zu etablieren suchte. Gegen Ende seiner prägnanten Analyse erörtert der Autor die Wiederkehr der Hobbeschen Staatsikone im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert sowie die Zukunft des Staates als Bild.
Die Publikation stellt eine Auswahl der großformatigen Gemälde und zahlreichen Arbeiten auf Papier Tom Drake Bennetts vor, die 2002/03 entstanden sind. Der 1952 in England geborene Maler irischer Abstammung, der heute in Berlin und Irland lebt, verfolgt in seinen aktuellen Arbeiten gestalterische Ideen, die sich zuerst bei einem Aufenthalt als Artist in residence im irischen Cork im Winter 2000/01 entwickelten und in der Folge eine neue Werkgruppe entstehen ließen. Im Zentrum des Buches stehen zwei Annäherungen an seine Arbeit und Person: Die Kunstkritikerin und Kunsthistorikerin Doris von Drathen widmet sich unter dem Titel 'Im Exil der Sprache' den Leinwandarbeiten in Öl und Acryl. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp nähert sich dem aktuellen Schaffen des Künstlers über minutiöse Spurensuche vor allem in den vielschichtigen Gouachen/Collagen und hat dabei 'Vexierspiele im Naturraum des Zufalls' entdeckt.
Horst Bredekamp erschliesst mit Abraham Bosse den Kunstler des Frontispizes, stellt samtliche Varianten dieses Urbildes des modernen Staates zusammen und versucht, die Vorgeschichte seiner politischen Ikonographie zu klaren. Im Zentrum stehen die koniglichen Kunstleiber von Westminster Abbey sowie optische Gerate, mit deren Hilfe Hobbes neben dem Korper und dem Raum auch eine kunstliche Zeit als Wirkmittel des Leviathan zu etablieren suchte. Gegen Ende seiner pragnanten Analyse erortert der Autor die Wiederkehr der Hobbeschen Staatsikone im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert sowie die Zukunft des Staates als Bild
Ein überaus originelles Buch zur Kultur der Renaissance und zur Wiege des Fußballs in seinem heimlichen Mutterland Italien. Das Buch für den historisch interessierten Fußballfreund. Horst Bredekamp zeigt, wie ausgerechnet der Fußball (calcio) im Florenz der Medici zu weit mehr diente als nur der Zerstreuung des Fürsten und der Ablenkung des Volkes. Gespielt von der Machtelite des Staates zur Karnevalszeit, war er ein Mittel zu ihrer Selbstdarstellung wie zur Festigung staatsbürgerlicher Tugenden. Schon damals aber diente er auch als Ventil für die frenetischen Massen, die mit bis zu 40 000 Schaulustigen an den calcio-Festen teilnahmen. Anhand von zeitgenössischen Darstellungen und Berichten erklärt der Kunsthistoriker und Fußballspieler Bredekamp Ablauf, Strategie und Ordnung des Florentiner calcioin seinen symbolischen und praktischen Bedeutungen für das Herrschaftsgefüge der Medici