Irrblöcke, oder Findlinge, sind Gesteinsbrocken, die während der Eiszeit von Gletschern transportiert wurden und in neuen Landschaften als Fremdkörper verblieben. Diese Brocken tragen Spuren verschiedener Räume und Zeiten, die sich überlagern und ablesbar sind, was als Gestaltungsprinzip des Romans dient. Im Zentrum des Geschehens steht ein kopfähnlicher, von Flechten überwachsener Findling auf dem Gelände eines Museums für Kopfkulte, das im ehemaligen Ostberliner Frauengefängnis untergebracht ist. Ein Hilfsgärtner bearbeitet diesen Findling, an dem sich historische und fiktive Schichten überblenden – von der deutschen Kolonialgeschichte über die Auswirkungen des Dritten Reiches bis hin zu Kafkas Jäger Gracchus. Die Protagonisten, die biographisch und topographisch verbunden sind, bringen diese Schichten in Bewegung, sodass befremdliches Vergangenes und Untotes verwandelt wiederkehrt. Im Mittelpunkt steht eine Gedenkbüste von Rosa Luxemburg, die als verschwunden galt. Der Roman ist beeindruckend, da Axel Ruoff in einer elementaren Sprache ein literarisches Zeugnis ablegt, das den Eigensinn und Befreiungswillen in der Auseinandersetzung mit der Geschichte thematisiert. Der Irrblock verändert ständig seine Form und wird mal als blutiges Götzenbild, mal als Revolutionsdenkmal wahrgenommen. Ruoff verknüpft die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts mit der Realität der Literatur und bietet einen originellen Prosatext, der in dies
Axel Ruoff Book order (chronological)


Schlangen schauen
Anthologie des Arabesken
Schlangen Schauen ist eine Irrfahrt durch die Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit der Sprache, durch die Höhen und Abgründe der menschlichen Existenz. Die ungewöhnliche Anthologie ist eine gewaltige Collage unterschiedlichster Texte, die in den letzten dreißig Jahren im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen sind. Anstatt von vorne nach hinten kann sie auch kreuz und quer gelesen werden, ein Dschungel von Geschichten und Gedanken, durch den ein arabeskes Geflecht von 78 Leselinien führt, die der Wandlung verschiedener Wörter (von Ameise bis Zeit) auf der Spur sind. Schlangen Schauen ist dreifach arabesk: in den über die Seiten hinwegspringenden Leselinien, als Textcollage sowie durch die einzelnen ausgewählten Texte, die in ihrer Darstellungsweise und Komposition arabesk sind. Schlangen Schauen ist eine Sammlung von Bruchstücken einer Poetik des Arabesken.