Ein Sommer in der Prophetenstraße
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'Ein Sommer in der Prophetenstraße' ist das erste Tor zu 'Der Tempel der zerbrochenen Werkzeuge', einer Sammlung von Romanen, die das Hauptwerk von David Shahar (1926-1997) darstellt und vielleicht eines der großen und einzigartigen erzählerischen Werke der israelischen Literatur ist. Shahar ist vor allem ein Schriftsteller, der es versteht, die Herzen seiner Leser in eine reiche und beeindruckende subjektive Welt zu ziehen, durch außergewöhnliches Erzähltalent und eine elegante, tief verwurzelte Sprache. Besonders charakteristisch ist der enorme Konflikt zwischen persönlichen Begierden und intensiven spirituellen Sehnsüchten auf der einen Seite und einer grenzenlosen Verpflichtung zur Welt der Realität und der Sinne hier und jetzt auf der anderen Seite. Sein Ausgangspunkt ist der Aufstand gegen die verzehrende Kraft der Zeit. Mehr als dass der Erzähler des Romans Kindheitserinnerungen hat, erschafft er eine verlorene Vergangenheit, das Jerusalem der Prophetenstraße und seiner Umgebung vor den Ereignissen von 1936. Dieses Jerusalem wird als heterogener Ort voller unterschiedlicher und seltsamer Begierden und Träume, von Masken und fließenden Identitäten dargestellt, die trotz aller Widersprüche und Gegensätze irgendwie nebeneinander bestehen, bis die Gewalt ausbricht und ein Rückzug zu starren kollektiven und nationalen Definitionen erfolgt.

