Mit den zentralen Fragen Europas beschäftigte sich Hermann Lübbe vor 25 Jahren. Er nannte seinen Essay "Abschied vom Superstaat - Vereinigte Staaten von Europa wird es nicht geben". Ergänzt um ein aktuelles Vorwort kann der Text wieder vorgelegt werden: Fragen und Herausforderungen, denen sich Europa stellen muss, sind geblieben. Sie wurden in überraschend vorausschauender Weise behandelt: Die Furcht vor und die Sehnsucht nach dem Superstaat, die Sonderstellung Großbritanniens, Osteuropa, die Währungsfrage, die nationalen Orientierungen, die Forderungen der Minderheiten, Föderalismus und Regionalismus. Die Migrationsfrage war damals kein Problem. Ihr stellt sich der Autor heute in seinem Vorwort. Seine Meinung: "So wenig Einheit wie nötig, so viel Selbständigkeit auch kleiner Einheiten wie möglich."
Hermann Lübbe Book order (chronological)






Die Zivilisationsökumene
Globalisierung kulturell, technisch und politisch
- 206 pages
- 8 hours of reading
Der Ausbreitungserfolg wissenschaftlichen Wissens beruht nicht auf der Tätigkeit von Propheten und Missionaren. Die Wissenschaft kennt keine heiligen Bücher. Sie verlangt von uns Neugier statt Bekehrung und sie empfiehlt sich überdies durch die Lebens-vorzüge ihrer technischen, organisatorischen und kulturellen Nutzung. Zur Attraktivität dieser Lebensvorzüge gehört, dass sie die Werte unserer kulturellen Herkunftswelten gar nicht in Frage stellen. Modernisierungsschübe begünstigen sogar Renaissancen kulturell massgebender Traditionen. Auch für die Religionen gilt das – im Orient wie im Westen, in den USA zum Beispiel. Die ökumenisch, nämlich global gewordene moderne Zivilisation bleibt somit eine Zivilisation der Vielfalt – regional und national, nach Staaten und Religionsgemeinschaften. Nicht immer handelt es sich dabei um eine friedliche Welt, wie uns aggressive Fundamentalismen lehren. Aber die Zwänge der Kooperation, ohne die die Lebensvorzüge der modernen Zivilisation nicht zu haben wären, wachsen. Sogar Demokratisierungszwänge sind wirksam – nicht wegen der unwiderstehlichen Zugkraft westlicher politischer Ideale, vielmehr wegen der Abhängigkeit moderner Wohlfahrt von expandierenden Freiräumen individueller und kollektiver Selbstbestimmung.
Ich entschuldige mich
- 144 pages
- 6 hours of reading
Willy Brandts Kniefall 1970 vor dem Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos bleibt unvergessen und markiert den Beginn einer Tradition öffentlicher Entschuldigungen. Bill Clinton gesteht vor der Community of Kisowera School ein, dass Amerika unrechtmäßig vom Sklavenhandel profitierte. Johannes Rau bittet vor der Knesset in Jerusalem um Verzeihung für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Papst nutzt das Heilige Jahr, um für die Sünden der Kirche während der Kreuzzüge und der Inquisition um Vergebung zu bitten. Hermann Lübbe beschreibt die Praxis führender Politiker, die Untaten ihrer Nation öffentlich zu bekennen, die weltweit an Bedeutung gewinnt. Dieser neue Ritus fördert eine „Geschichtsmoral“, die eine umfassende Anerkennung der Vergangenheit verlangt, was zur Zeit des Kalten Krieges unvorstellbar war. Jedes Bekenntnis zur Täterschaft kann für eine Gemeinschaft ebenso prägend sein wie die Erinnerung an die Leiden der Opfer. Die Worte öffentlicher Bitten um Vergebung sind stark vom religiösen Bereich geprägt, was eine Analyse der Sprache notwendig macht. Lübbe untersucht dieses gesellschaftspolitische Phänomen mit scharfer Zunge und Verstand, als Grenzgänger zwischen den Disziplinen.
Zwischen Herkunft und Zukunft
- 59 pages
- 3 hours of reading
Hintergrundphilosophie : über deutsche Denk- und Merkwürdigkeiten
- 169 pages
- 6 hours of reading
Abschied vom Superstaat
- 152 pages
- 6 hours of reading
Freiheit statt Emanzipationszwang
- 134 pages
- 5 hours of reading
Der Lebenssinn der Industriegesellschaft
- 224 pages
- 8 hours of reading
Die Zukunft der modernen Industriegesellschaft hängt letztlich nicht von ökonomischen, vielmehr von kulturellen und politischen Faktoren ab. Das erfahren heute alle, die in Wirtschaft und Verwaltung, in Politik und Wissenschaft für diese Zukunft einstehen. Im vorliegenden Buch wird zunächst die gewandelte Einstellung in der Bevölkerung zu ihren industriegesellschaftlichen Lebensgrundlagen untersucht; die Ursachen reichen weit über die uns bedrängenden ökologischen Probleme hinaus. Dennoch bringen sich Wohlfahrt und Freiheit unverändert als Lebensvorzüge der modernen Industriegesellschaft zur Geltung. Der Aufbruch im Bereich des ehemaligen Sozialismus demonstriert das eindrucksvoll. Als orientierungspraktisch-kulturelle Konsequenz ergibt sich: Verlangt ist nicht die Suche nach großen alternativen Gesellschaftsentwürfen, vielmehr politische, ökonomische und wissenschaftlich-technische Steuerungskunst unter den moralischen und kulturellen Zielvorgaben des Gemeinsinns.
Die Aufdringlichkeit der Geschichte
- 360 pages
- 13 hours of reading
Anlässlich der 600-Jahrfeier der Ruperto-Carola-Universität Heidelberg entschied der Gemeinderat der Stadt, sich mit der "Stadt-Heidelberg-Stiftung" und einer Vortragsreihe am Jubiläum zu beteiligen. Die Stadt, die seit sechs Jahrhunderten mit der Universität verbunden ist, wollte über ihre traditionsreichste Einrichtung nachdenken. Die Vortragsreihe trug den Titel, den Karl Jaspers 1946 seiner Schrift über die Heidelberger Universität gegeben hatte: Die Idee der Universität. Im Wintersemester 1985/86 und Sommersemester 1986 hielten sechs herausragende Vertreter interdisziplinärer Forschung und Lehre Vorträge, die in diesem Band zusammengefasst sind. Im Wintersemester beschäftigten sich der Heidelberger Philosoph Prof. Gadamer, der Hamburger Wissenschaftssenator Prof. Meyer-Abich und der Vizepräsident des Wissenschaftskollegs, Prof. Lepenies, mit der historischen und politischen Position der Universität in Deutschland und im internationalen Vergleich. Im Sommersemester konzentrierten sich die Beiträge des Nobelpreisträgers Prof. Eigen, Prof. Lubbe und Prof. Habermas auf die innere Entwicklung der Universität und die Reformbestrebungen der letzten Jahrzehnte. Jaspers beschreibt in seiner Schrift, dass die Aufgabe der Universität die Wissenschaft ist, wobei Forschung und Lehre der Bildung geistigen Lebens als Offenbarwerden der Wahrheit dienen.






