"Andalusische Irrtümer" ist, ein wenig plakativ ausgedrückt, ein Corona-Antidot und beinhaltet eine kleine "Reisewarnung" gleich mit, eine, die freilich nicht von der Bundesregierung kommt, sondern rein hypothetisch ist und dazu angetan sein könnte, ein wenig den Blick zu schärfen. Dass ein Urlaub nicht per se gelingen oder schön werden muss, nur weil man sich so intensiv darauf gefreut hat, ist in seiner semantischen Reichweite trivial. Jeder weiß, dass die gesteckte Erwartung mit den Realitäten "vor Ort" sehr banal kollidieren kann. Im vorliegenden Fall ist es nicht anders: Sieht man von individuellen Empfindlichkeiten ab, so fällt auf, dass dem Erzähler das Pech förmlich an den Schuhen zu kleben scheint und dass er die ihm widerfahrenden Unpässlichkeiten ganz persönlich nimmt. Sein Ingrimm sucht sich ein Ventil, und jede Gelegenheit ist ihm Anlass, Dampf abzulassen. Sieben Tage Andalusien und eine Anhäufung negativer Erfahrungen in dieser Zeit reichen aus, an Belastungsgrenzen zu gehen. In der Fremde stößt der Mann auf Abgründe, die vor allem in ihm selbst ruhten, Abgründe, von denen er bis zu seiner Reise keine Ahnung zu haben schien.
Thomas Laux Books



Unter Pseudonym schrieb Emmanuel Bove in den 1920er Jahren eine Reihe von Liebesromanen, die ihm bescheidene Einkünfte bescherten. Drei dieser Romane liegen mit dieser Ausgabe nun auf Deutsch vor. Wenn sie auch an die Qualität seiner großen Werke wie etwa „Mes amis“ (Meine Freunde) oder „La Coalition“ (Die Verbündeten) nicht heranreichen, so lassen sie phasenweise sein Talent und vor allem seinen Humor erkennen – Bove machte sich beim Verfassen dieser Trivialromane sichtlich über das ganze Genre lustig. In Ansätzen werden freilich auch Themen erkennbar (etwa die notorisch prekäre Lage einer Hauptfigur), die er in seinen seriösen Romanen bis ins Detail weiterführte. Das hier Vorliegende ist zunächst einmal herzergreifender Kitsch für die deutschsprachige Bove–Gemeinde. Schmunzeln garantiert.
Urban Studies: Kulturhauptstadt Chemnitz 2025
Sozialräumliche Erkundungen