Der Wiener Kongress 1814/15: Napoleon war besiegt, seine Hinterlassenschaft konnte verteilt werden. Kaiser und Könige, Fürsten und Diplomaten aus ganz Europa kamen – mit Gattinnen, Schwestern, Geliebten und Dienerinnen – nach Wien. Und es wurde keineswegs nur getanzt. Den Damen der Wiener Hocharistokratie und der „Zweiten Gesellschaft“ fiel eine wichtige Aufgabe zu: In ihren Salons oder auch Boudoirs wurden Kontakte geknüpft und Formulierungen erprobt, Intrigen gesponnen und Geheimnisse verbreitet. Die Soiréen, Bälle und Empfänge fungierten als Vorzimmer der Verhandlungsräume, der Spaziergang auf dem Glacis oder der Besuch in einem Theater wurde für diplomatische Erkundungen genutzt. Hazel Rosenstrauch beleuchtet Schauplätze des Wiener Kongresses, stellt Nebenfiguren in den Vordergrund und erkundet, wie – bei allen Bemühungen um die Restauration des alten Regimes – Neues entsteht: in der Politik, in den Vorstellungen von Ordnung und Freiheit und im Umgang mit der Komplexität und den Unsicherheiten der Moderne.
Hazel Rosenstrauch Book order (chronological)





Hazel Rosenstrauch bezeichnet sich als unjüdische Jüdin und nennt ihre Texte „Deutsche Studien“. Als Nachkömmin von Verfolgten beobachtet sie – skeptisch, heiter und auch böse – die Erinnerungskultur in Deutschland, Österreich und ein bisschen auch in Europa. Die Geschichten sind aus dem Leben gegriffen – in Berlin, in Wien oder auch in der Bischofsstadt Rottenburg. Denkmale, Stolpersteine und Orte der Erinnerung sollen mahnen. Wie aber wirken sie auf jemanden, der ständig an die Ausgrenzung seiner Vorfahren erinnert wird? Die Autorin wehrt sich gegen Zuschreibungen und möchte die verharschte Sprache aufbrechen.
Wahlverwandt und ebenbürtig
- 333 pages
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Das Ideal einer humanistischen Erziehung wird durch die außergewöhnliche Beziehung von Wilhelm von Humboldt und seiner Frau Caroline von Dacheröden beleuchtet. Wilhelm, ein bedeutender Reformer des Bildungswesens, Diplomat und Sprach-Philosoph, war seiner Zeit weit voraus. Caroline, Mutter von fünf Kindern und in den Hauptstädten Europas zu Hause, war ihm in Bildung, Kunstsinn und Humanität ebenbürtig. Ihre Beziehung war nicht von leidenschaftlicher Natur, sondern basierte auf einer Liebe "auf gleicher Höhe". Caroline suchte in ihrem Partner die Respektierung der Individualitäten beider Charaktere, was ihrem Wunsch entsprach, in einer engen Beziehung höchste Freiheit zu bewahren. Hazel Rosenstrauch nutzt unzählige Briefe, die das Paar über Jahrzehnte austauschte, um das Bild einer selbstbewussten Frau zu zeichnen, deren Verständnis von Liebe und Partnerschaft weit in die Moderne vorauswies. Gleichzeitig wird Wilhelm als ein liberaler Geist dargestellt, der an Carolines freiem Wesen gewachsen ist. Rosenstrauchs kritische und wissensreiche Annäherung an dieses Ehepaar bietet einen tiefen Einblick in deren außergewöhnliche Verbindung und die Ideale, die sie verkörperten.
Karl August Varnhagen ist meist nur noch bekannt als Mann seiner berühmten Frau, als "Wittwe" und Nachlaßpfleger der Rahel und ihres legendären "jüdischen Salons". Zu unrecht: er war ein liberaler, kosmopolitischer "homme de lettres", Feuilletonist, Kritiker, Sammler, Briefschreiber, Erfinder der biographischen Geschichtsschreibung; ein Meister der "geselligen Lebens-verhältnisse"; der unbequeme Chronist einer romantischen Generation, die um 1800 in Berlin und anderswo in die europäische Moderne aufbrach und meist im nationalen Biedermeier, in der Resignation oder im Exil endete.
Aus Nachbarn wurden Juden
- 166 pages
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