Ein hochpolitischer Roman über das bewegte Leben eines Kriegsverbrechers, über seine Untaten wie seine erfolgreichen Bemühungen, sich nach 1945 aus der Verantwortung zu stehlen. Bis zu seinem Tod Ende der fünfziger Jahre ist Bitter immer elegant davongekommen, nun wird ihm endlich im Erzählen der Prozess gemacht. Ludwig Laher zeichnet - minutiös recherchiert - in verschiedenen Tonlagen den bemerkenswerten beruflichen wie privaten Werdegang des Gestapo-Chefs von Wiener Neustadt und Massenmörders von Charkow nach (der in Wirklichkeit anders hieß). Manchmal ist der Erzähler distanziert wie ein Chronist, an anderer Stelle ganz nah am Geschehen, sodass er fast in den Kopf seines Helden steigt, dann wieder hält er diese Nähe nicht aus und verschafft sich in Ausbrüchen Luft. Wert legt Laher auf die kleinen, sonst oft übersehenen Details, etwa wenn er erzählt, wie Bitter nach dem Krieg ausgerechnet von einem prominenten jüdischen Anwalt verteidigt wird, dessen Eigentum er Jahre zuvor arisiert hatte, inklusive der großen Limousine, die er stolz durch Wiener Neustadt steuerte. Das moralische Urteil kann keinem Zweifel unterliegen, und doch gestattet Lahers erzählerischer Zugriff, dass man diesem Mann und den Verhältnissen, in denen er sein Unwesen trieb, ganz nahekommt.
Ludwig Laher Books






Wolfgang Amadeus junior: Mozart Sohn sein
- 175 pages
- 7 hours of reading
Ohne falsche Sentimentalität und hart an der Wirklichkeit erzählt Ludwig Laher von einer jungen Frau aus einer ostslowakischen Roma-Familie: Monika weiß von Kindheit an, dass sie völlig auf sich gestellt sein wird. Mit Selbstbestimmtheit hat dieser Lebensweg freilich nichts zu tun - ihrer an sich starken Persönlichkeit fehlen Bildung und der Rückhalt, sich in der Welt zurechtfinden zu können. Kampf, Flucht und Angst bestimmen ihre Entwicklung. Ausgenützt, hintergangen und gedemütigt scheint ihr Weg am Strich und in Clubs an der Grenze Tschechiens zu Deutschland und Österreich vorgezeichnet. Aus Zuneigung und der Herausforderung wegen bietet ein Kunde dieser kaputten, extrem misstrauischen Frau eine neue Perspektive. Dabei zeigt sich einerseits, welche Selbstdisziplin sie aufzubringen imstande ist, um diese Chance zu nutzen, andererseits aber auch, dass nichts wiedergutzumachen ist, wenn eine Kindheit und Jugend so verlaufen ist wie ihre. Ludwig Laher konzentriert sich in seinem Roman auf die Entwicklung dieser Frau, die er ebenso präzise wie beklemmend erzählt. Dennoch ist das Buch gleichzeitig ein messerscharfer Befund über gesellschaftliche Zustände mitten in Europa, jenseits moralisierender Anklage, aber auch jenseits der öden Beschwörungsformel, es gälte vor allem, die Eigenverantwortung des Individuums zu stärken, während gleichzeitig unter immer mehr Menschen der Boden wegbricht.
Herzfleischentartung
Roman
Wider besseres Wissen konstatiert ein Arzt im Innviertler NS-Lager Weyer lange Zeit harmlose Todesursachen - bis er Ende 1940 mitten im Dritten Reich die Staatsanwaltschaft einschaltet. Ludwig Lahers Roman ist ein beklemmendes Werk, das sich über weite Strecken der Sprache und Logik der Mörder bedient.
Jelena, eine Kosovo-Serbin, wird in ihrer Heimat wiederholt Opfer unvorstellbarer Gewalt. Die geht nicht vom Staat aus, sondern von enthemmten Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung. Schwer traumatisiert, hofft die junge Frau nach zwei Selbstmordversuchen auf einen Neuanfang in Österreich. Dort aber gerät sie in die Mühlen eines unmenschlichen Asylrechts, das seinem Namen nicht gerecht wird. Seit langem prägt das Thema Asyl die öffentlichen Debatten und sorgt nach jedem von den Medien aufgegriffenen Einzelfall für heftige Kontroversen. Ludwig Laher überträgt diese brandaktuelle Thematik auf eine literarische Ebene. Er erzählt die exakt recherchierte Geschichte Jelenas als roten Faden eines aufwühlenden Romans, in dessen Mittelpunkt das Justizwesen selbst steht, die Welt der Paragraphen und ihrer Anwendung, ein Spiegelbild unserer Verfassung im doppelten Wortsinn: vielschichtig, mitreißend diskret, erhellend und weit davon entfernt, komplexen Fragestellungen mit einfachen Antworten beikommen zu wollen.
Degeneración del corazón
- 190 pages
- 7 hours of reading
El campo de educación para el trabajo» de San Pantaleón, una pequeña localidad austríaca, abre sus puertas en 1940. Allí, cientos de personas detenidas sin motivo, serán torturadas y asesinadas a manos de las SA. Tras observar en repetidas ocasiones que, según el registro de defunciones, los fallecidos mueren a causa d
Selbstakt vor der Staffelei
- 112 pages
- 4 hours of reading
Eine sensible literarische Annäherung an eine fast vergessene Künstlerfigur der Romantik, den Hamburger Maler Viktor Emil Janssen, 1807-1845. "Ergreifend, still, fesselnd", urteilte Maxim Biller, nachdem Ludwig Laher 1993 eine Kurzfassung des Textes beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt gelesen hatte.
Die Geschichte beleuchtet das Leben von Steffi, einem Mädchen mit Down-Syndrom, und ihrer Mutter Johanna, die gegen gesellschaftliche Erwartungen ankämpfen. Anhand eindringlicher Momentaufnahmen und reflektierender Gedanken entfaltet Ludwig Laher die Herausforderungen und Freuden, die mit Steffis Andersartigkeit einhergehen. Der Roman verzichtet auf moralische Urteile und sentimentale Klischees, stattdessen lädt er die Leser ein, die komplexen Realitäten und überraschenden Wendungen im Alltag der beiden Protagonistinnen zu erkunden. Lahers einfühlsamer Stil schafft eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Themen Leben und Wissenschaft.
Zwölf Menschen sind durch ungeheuerliche Umstände und einen Schauplatz, den NS-Lagerkomplex St. Pantaleon-Weyer, unfreiwillig miteinander verbunden. Ludwig Lahers neue Prosa porträtiert Opfer, Täter und anderweitig von diesem Ort nachhaltig Berührte auf eindringliche Weise. Willkür, Ohnmacht und Terror im demokratiebefreiten im 21. Jahrhundert immer noch hochaktuell. Auf den ersten Blick scheint diese zwölf Lebensgeschichten kaum etwas zu verbinden. Vorgestellt werden etwa ein Jurist mit erstaunlicher Karriere, ein Säugling, der mit vier Wochen sterben muss, ein extrem gewalttätiger Fleischhauer und eine achtfache Mutter aus dem Schaustellergewerbe. Doch ihre Leben sind miteinander verknüpft, denn sie alle steuern von verschiedenen Seiten aus auf den NS-Lagerkomplex St. Pantaleon-Weyer zu, der zwischen 1940 und 1941 zuerst als Arbeitserziehungslager und später als Zigeuneranhaltelager geführt wurde. Ludwig Laher variiert gekonnt die Erzählperspektiven und demonstriert an einem einzigen Ort in der Provinz, wie eine zynische Gewaltherrschaft funktioniert, die verbrecherische Energie und rücksichtsloses politisches Kalkül vereint.
Heiter. Bedeckt Wahrnehmungen durch das Weitwinkelsubjektiv Wie es sich für die Gattung gehört, kennzeichnet Ludwig Lahers persönlicher Zugang die Inhalte seiner literarischen Essays. Er räumt sich als Per-son sogar ungewöhnlich viel Platz ein und fördert zu diesem Zweck immer wieder biographische Splitter zutage. Genau genommen sollte man von einer starken Wechselwirkung zwischen den Blitz-lichtern aus Lahers Leben und dem jeweils ver-handelten Gegenstand sprechen. Nichts aber liegt dem Autor ferner als Introspektion um der Intro-spektion willen, weswegen er seinem inneren Auge ganz automatisch ein Weitwinkelsubjektiv vorsetzt. Das kostet nicht viel, meint Laher, nur Wachheit und Erkenntnisinteresse, das den Teller-rand übersteigt. Ein einschneidender Kinobesuch in New Yorks Greenwich Village inklusive Begleitmusik, ein der Polizei zu verdankendes Begräbnisvergnügen im Westen Wiens, ein Kindersturz vom Pferd, Lahers durch ein defektes Auge seit Geburt eingeschränkter Gesichtskreis oder sein Ankauf eines Selbstporträts der von den Nazis ermordeten österreichischen Malerin Ella Iranyi sind nur einige der Ausgangspunkte für grundsätzliche Betrachtungen und mehr oder weniger auf der Hand liegende Verknüpfungen mit aktuellen gesellschaftlichen Themenstellungen. Von manch Gewohntem – Meinungen, Haltungen, Einordnungen von Gewesenem – heißt es danach für den Autor Abschied nehmen.
Lahers Held ist ein Tausendsassa: bayerischer Justizverwaltungsinspektor und begnadeter Erzähler mit schauspielerischer Begabung, unterwegs auf den Kleinkunstbühnen der Republik. Oskar Brunngraber ist bayerischer Justizverwaltungsinspektor, Herr über die Asservatenkammer. Dort und in seinem Büro lässt er die unzähligen Überführungsstücke lebendig werden, die er verwaltet. Er sprudelt fast über vor Assoziationen und Sprachlust, beschäftigt sich mit kleinsten Details und deutet ganz nebenbei die Welt. Abgründig ist sein Humor, zuweilen absurd und trotz allem ernsthaft. Es scheint, als wäre er geschaffen für seinen Beruf. Und doch ist er nur zufällig in ihn hineingerutscht. Aber da ist auch noch der künstlerisch begabte, kulturbegeisterte Privatmann Brunngraber, der wie ein Schwamm aufsaugt, was andere gedacht, geschrieben, gemalt, komponiert haben. Der zurückgezogen auf dem ausgebauten Dachboden Tausende Bilder malt, bunt, gestisch, mit großem Formgespür. Der als Kleinkünstler und Vollblut-Rampensau mitten unter die Leute geht, literarisch-kabarettistische Programme gestaltet, alte Schlager zum Besten gibt und jazzt. Ein richtiges »Mimikmonster«.
Linz
- 290 pages
- 11 hours of reading
Unterschiedlichste Annäherungen an Linz. Zweihundert Jahre liegen zwischen den ältesten und den jüngsten Texten. Mit Texten von Ilse Aichinger, Hermann Bahr, Thomas Bernhard, Alois Brandstetter, Arnolt Bronnen, Barbara Bronnen, Joseph von Eichendorff, Herbert Eisenreich, Josef Enengl, Hermann Friedl, Anselm Glück, Franz Gräffer, Franz Grillparzer, Brigitte Hamann, Otto Hamann, Marlen Haushofer, Karl Ignaz Hennetmair, Hermann Hesse, Christoph Janacs, Erich Hackl, Heimo Halbrainer (Mithg. Thomas Karny), Franz Josef Heinrich, Elfriede Jelinek, Franz Kabelka, Eugenie Kain, Franz Kain, Anna Maria Kaltenhauser, Johann Georg Kohl, Walter Kohl, Richard Kralik, Karl Kraus, Ludwig Laher, Rudolf Lasselsberger, Max Maetz (Karl Wiesinger), Gitta Martl, Anna Mitgutsch, Johanna Eleonore Petersen, Walter Pilar, Benedikt Pillwein, Bernadette Reisinger, Andreas Renoldner, Franz Rieger, Helmut Rizy, Hugo Scganovsky, Winfried Georg Sebald, Waltraud Seidlhofer, Margit Schreiner, Adalbert Stifter, Franz Tumler, Richard Wall, Susi Wallner, Hans Weigel, Karl Wiesinger, Friedrich Christian Zauner.
Oberösterreich
- 260 pages
- 10 hours of reading
Mit Beiträgen von: Friedrich Achleitner, Peter Altenberg, Heimrad Bäcker, Hermann Bahr, Richard Billinger, Gerald Bisinger, Alois Brandstetter, Ditha Brickwell, Barbara Bronnen, Elfriede Czurda, Adelheid Dahimène, Uwe Dick, Hans Eichhorn, Erwin Einzinger, Herbert Eisenreich, Josef Enengl, Franzobel, Hermann Friedl, Hermann v. Gilm, Rudolf Habringer, Erich Hackl, Christine Haidegger, Christoph Janacs, Nils Jensen, Eugenie Kain, Franz Kain, Walter Kappacher, Josef Kemptner, Walter Kohl, Theodor Kramer, Karl Kraus, Ludwig Laher, Nikolaus Lenau, Gregor M. Lepka, Fritz Lichtenauer, Christian Loidl, Rosa Martl, Anna Mitgutsch, Walter Pilar, Alfred Polgar, Fritz Popp, Elisabeth Reichart, Franz Rieger, Ferdinand Sauter, Margit Schreiner, Brigitte Schwaiger, Waltraud Seidlhofer, Hilde Spiel, Franz Stelzhamer, Brita Steinwendtner, Adalbert Stifter, Franz Tumler, Christoph Wagner, Karl Wiesinger, Peter Paul Wiplinger, Friedrich Ch. Zauner.
Folgen
Roman
Ludwig Lahers neuer Roman erzählt die Geschichte einer Kindheit aus ungewöhnlichen Perspektiven und beleuchtet die ersten fünfzehn Lebensjahre eines Ich-Erzählers. Mit knapp 48 Jahren, dem gleichen Alter wie sein verstorbener Vater, reflektiert der Erzähler über die Zeit, als sein Vater ihm seinen baldigen Tod ankündigte und ihn bat, Verantwortung für die Mutter und die kleine Schwester zu übernehmen. Unter dem Druck dieser Bürde wächst das Kind heran und folgt dem toten Vater in seinen umgearbeiteten Anzügen. Während die Mutter den Verstorbenen idealisiert, treten Risse im Heiligenschein zutage, die Widersprüche und Verschwiegenes offenbaren. Der Autor entwickelt ein vielschichtiges Familiendrama, das bewusst auf Spektakuläres verzichtet und stattdessen die zeitgeschichtlichen und psychologischen Hintergründe akribisch zeichnet. Die Erzählung ist auch eine detailreiche Beobachtung des Alltags in den fünfziger und sechziger Jahren. Laher spannt den Bogen bis zur Generation der Großeltern im Ersten Weltkrieg und bis ins Jahr 2004, wodurch alles miteinander verbunden ist. Der Roman ist kein Abrechnungsbuch mit der Elterngeneration, sondern ein Versuch, den schwierigen Einstieg ins Leben zu beleuchten und die Folgen traumatischer Familienereignisse zu analysieren, ohne vorschnell zu urteilen. Das Kind sieht sich früh mit den Ergebnissen dieser Ereignisse konfrontiert, deren Tragweite ihm nur teilweise bewusst ist.
Wo nur die Wiege stand
Über die Anziehungskraft früh verlassener Geburtsorte
- 104 pages
- 4 hours of reading
Kaum fünfzehn Kilometer liegen Braunau und Marktl voneinander entfernt. Gemeinsam ist beiden Orten am Inn, dass sie kurz Elternpaare mit Wickelkindern beherbergten, die Weltgeschichte machen sollten. Während Marktl versuchte, aus den ersten zwei Lebensjahren des deutschen Papstes möglichst viel Kapital zu schlagen, hadert Braunau mit seinem Schicksal, dauernd mit dem Winzling Adolf in Verbindung gebracht zu werden, der dort übers Windelfüllen doch nicht hinauskam. Ludwig Lahers geistreicher, ebenso kurzweiliger wie vielschichtiger literarischer Essay über früh verlassene Geburtshäuser Prominenter spürt unter anderem der Frage nach, was es mit der vielbeschworenen, kaum je aber nachvollziehbar begründeten Aura solcher Schauplätze auf sich hat. Wie gehen die Kommunen mit ihnen um, wie die Gedenkinstitutionen selbst? Welche Blüten treiben merkantile und/oder politische Erwägungen? Warum ziehen bloße Windelorte überhaupt Neugierige an? Wie äußern sich die ehemaligen Windelträger selbst dazu, wenn sie es denn tun? Von Hitler und Benedikt XVI. über Albert Einstein, Jean Paul, Robert Musil, Bert Brecht, Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Paul Celan, Engelbert Dollfuß, Rosa Luxemburg bis hin zu Paul Klee reicht der assoziative Bogen eines Streifzuges, der wahrscheinlich Kopfschütteln, Schmunzeln und ungläubiges Staunen hervorrufen wird, aber auch zum ernsthaften Nachdenken anregen will.
Ixbeliebige Wahr-Zeichen?
Über Schriftsteller-"Hausorthographien" und amtliche Regel-Werke
- 143 pages
- 6 hours of reading
Ist Sprache ein lebender Organismus oder tote Materie? Kann ihre schriftliche Wiedergabe neu geordnet werden? Diese Fragen beleuchtet Ludwig Laher in seiner essayistischen Annäherung an die persönlichen „Hausorthographien“ von Prosaschriftstellern, die Teil ihres ästhetischen Programms sind. Laher untersucht Autoren wie Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Raoul Schrott und Peter Waterhouse, mit denen er auch persönliche Gespräche geführt hat. Auch Größen wie Goethe, Stifter, Kafka und Uwe Johnson werden thematisiert. Ein zentrales Anliegen ist der Respekt vor der Integrität der Textgestalt, wobei Laher Beispiele von Eingriffen in literarische Werke anführt, die oft ohne Wissen der Autoren geschehen. Die Diskussion reicht von der Neuschwanstein-Goethe-Ausgabe bis zur problematischen Lesebuch-Verwurstung Jelineks, die das menschliche Leben aus dem Text verdrängt. Dieses unterhaltsame und gründlich recherchierte Werk bietet tiefgehende Einblicke in die ästhetischen und literatursoziologischen Implikationen sprachlicher Zeichen. Ludwig Laher, geboren 1955 in Linz, ist Anglist und Germanist und lebt als freier Schriftsteller in St. Pantaleon. Er ist Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung und hat mehrere Romane im Haymon Verlag veröffentlicht.
1804 wird im salzburgischen Werfen Ferdinand Sauter geboren, ein bemerkenswerter Dichter, der sich sträubt, Bücher zu veröffentlichen, ein merkwürdiger Mensch, der es sich und den anderen nicht leicht macht. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt er in einem Wien, wo Spitzelwesen, absolute Staatsmacht und soziale Probleme in krassem Widerspruch zur vielbesungenen Idylle des Biedermeier stehen. In über vierzig kurzen Kapiteln nimmt sich Ludwig Laher dieser schillernden Figur an, entlang ihrer ungewöhnlichen Lebenspraxis und außergewöhnlichen Literatur gewinnt Vernebeltes scharfe Konturen zurück, gestaunt darf werden, geschmunzelt, geschwelgt. Authentisch, poetisch, emotionell, v. a. immer unterhaltsam, erzählt Ludwig Laher die Geschichte eines Mannes, viel aber auch aus der Geschichte Österreichs um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Autor schlägt den Bogen zur Gegenwart, löst zeitliche Gebundenheit in nichts, macht begreifbar, wie Österreich werden mußte, was es ist. Ein engagierter Roman, der die Augen öffnet. Kurz vor seinem Tod verfaßt Ferdinand Sauter seine eigene Grabschrift. „Und der Mensch im Leichentuch / Bleibt ein zugeklapptes Buch“ heißt es da lapidar. Ludwig Lahers Annäherung beweist, daß das nicht so sein muß.










