Ulrike Draesner stands out as a prominent figure in contemporary German literature, celebrated for her exceptional poetry and innovative fiction. Her work is characterized by originality and boldness, showcasing her unique voice and perspective. As an influential author, Draesner's contributions to both poetry and prose highlight her significance in the literary landscape.
Wie könnte ein perfekter Tag in London aussehen? Beginnen Sie den Tag mit einem Morgenspaziergang an der Themse. Anschließend geht es in Soane’s Museum, wo Sir John, Architekt und Exzentriker, seine in aller Welt gesammelten Kunstschätze präsentiert. Von dort schlendert man durch das London der Juristen mit seinen Höfen und seiner Stille und taucht in Charles Dickens’ Wohnhaus in 48, Doughty Street in das viktorianische Leben ein. Von hier kann man ein typisches Londoner Village entdecken, East Bloomsbury. Der Hunger wird im Pub The Lamb gestillt, wo Ted Hughes und Sylvia Plath Stammgäste waren. »Treiben lassen«, flüstert die Stadt, in der National Portrait Gallery studiert man Gesichter und fährt in den obersten Stock, um in der Bar Londons Skyline auf sich wirken zu lassen. Wird es dunkel, springen zahllose Lichter an, Covent Garden, ein überbauter Markt mit Geschäften und Restaurants, spielt Oper mitten in der Stadt.
Wie kann man dem größten Mythos der abendländischen Kulturgeschichte angemessen begegnen? Indem man ihn in ein Gurkenglas packt, um ihn zu transportieren. So machen es Penelope und ihre Begleiterinnen, als sie von Ulrike Draesner aufs Meer geschickt werden, um eine alternative Erzählung zur patriarchalen Vorlage zu schaffen. Penelope, bisher das Symbol der treuen Gattin, wird neu betrachtet: Sie ist klug, leidenschaftlich und strebt nach Freiheit. Als der traumatisierte Kriegsheimkehrer Odysseus als Herrscher nicht mehr tragbar ist, sticht sie mit hundert Frauen in See. Auf ihrer abenteuerlichen Fahrt, die nicht nur geografisch ins Ungewisse führt, schmelzen die Unterschiede zwischen freien Helleninnen und ihren Sklavinnen dahin. Immer mehr Frauen erheben ihre Stimmen und fordern ihre Rechte. Am Ende landen sie in der Lagune, die wir heute Venedig nennen, und schaffen ein neues Zuhause für alle. Draesners Relektüre der Urerzählung berauscht durch Furchtlosigkeit, Erfindungsreichtum und poetischen Furor. In diesem Postepos bleibt alles in Bewegung: Sprachen, Räume, Zeiten, Bedeutung. Die Vielstimmigkeit, die bereits in Homers Hexametern angelegt ist, wird von Draesner kühn weitergedacht. So entsteht ein Text- und Klanggewebe, das den Mythos neu belebt. Draesners lyrische Sprache ist für das Hören gemacht und bietet ein sprachschöpferisches, intellektuelles Abenteuer.
Ron Winklers neues Buch präsentiert die junge deutschsprachige Lyrik von Lyrikerinnen und Lyrikern, die nach 1972 geboren sind. Es bietet einen unprogrammierten Einblick in die Vielfalt und Breite der aktuellen Generation und bewahrt das, was jetzt geschrieben wird.
Ulrike Draesners neuer Gedichtband erkundet das kostbare Gefühl der Liebe und dessen Schauplätze. Mit bildreicher Sprache und musikalischer Intensität erforscht sie die Möglichkeiten sinnlichen Sprechens in ihren neuen Gedichten.
In den Augen des elfjährigen Mädchens mit der dicken Brille haben die Dinge ein ganz eigenes Gesicht. Ein runder Teich ist eben nicht rund, und die runden Bäume auf Vaters Lichtpausen sind es schon gar nicht. Farben, Formen und Gerüche, die Bedeutung der Wörter, die Rätsel des Seins - alles empfindet die kleine Hilde ein wenig anders als die Erwachsenen. Sind es für die Mutter einfach nur die leeren Wände des neuen Hauses, dann ziehen für Hilde zuckelnde Züge zahmer, zänkisch zappelnder Zuckerzebras darauf vorbei, oder auf ihnen tummeln sich Einhörner und Zwerge, Ritter und edle Burgfräulein. Hilde, „verwunden und verdreht, wie sie ist“, kann sich wunderbar wundern. Sie „rutscht von Buch zu Buch“, macht sich Gedanken zu Gedanken, entdeckt den Betrug in den Begriffen, grübelt, was eine Pause ist: Die Zeit geht weiter und bleibt zugleich stehen. Oder will wissen, warum, wenn der Nabel ein Geburtszeichen ist, dann Adam und Eva, wie auf allen Bildern zu sehen, einen Nabel haben. Für ihre Eltern hat Hilde einen Namen erfunden: das Elt. Dem Elt kann sie sich nicht anvertrauen, „das Elt hört sowieso nicht“, und gegen die Macht, die ewige Allianz dieses Wesens mit zwei Köpfen und vier Beinen, ist jede Gegenwehr zwecklos.
Wenn Frauen nicht mehr 35, nicht mehr 45 und bald nicht mehr 55 sind... Frauen wollen immer 39 bleiben, sagte ihre Mutter und färbte sich die Haare bis weit über 80. Sie selbst hat inzwischen auf Partys manchmal den Eindruck wie ein sprechendes Möbelstück behandelt zu werden. Wie sehen sich Frauen eigentlich in der Mitte des Lebens? Mit oder ohne Mann, mit oder ohne Kind, jedenfalls mit sich veränderndem Körper, Denken, Fühlen. Ulrike Draesner hat einen glänzenden Text geschrieben, am eigenen Leben und dem anderer Frauen entlang erkundet sie die Vielschichtigkeit dieses Lebensabschnitts, in dem alles nebeneinander vorkommt: Sie weiß noch, wie sie als Mädchen unbedingt älter werden wollte. Und nun tun alle so, als gäbe es so etwas wie Wechseljahre gar nicht? Pointiert, scharfsinnig und heiter findet Draesner einen neuen Umgang mit dem Verstreichen der Jahre: Aufbruchsgeist, Feuer statt Herd. Zuhause in der eigenen Verwandlung.
So fing das Erzählen an: Ulrike Draesner macht die Steinzeit hörbar und zeigt, wie nahe sie uns ist Doggerland: ein Delta von der Größe Deutschlands, Herz Europas am Zusammenfluss von Themse und Rhein, Zentrum der steinzeitlichen Welt. Vor rund 8500 Jahren in einem Tsunami untergegangen, wird dieses Grenz- und Verbindungsland für Ulrike Draesner zum Ausgangspunkt wesentlicher Fragen des Menschseins: Wie bildete sich Gemeinschaft, wer hatte die Idee, Tiere zu zähmen, was machte man mit dem »fremden« Neandertaler? Auch Kunst, Liebe und Sprache mussten erfunden werden. Oszillierend zwischen Deutsch und Englisch, zwischen gebundener und freier Rede, wirft Draesners bereits vor der Veröffentlichung preisgekröntes Gedicht einen Blick zurück: vom immer wahrscheinlicheren Ende des Holozäns zu unseren Anfängen. Eine bewegende, von jahrhundertealten, meist männlichen Vorstellungen befreite lyrische Suche nach unseren Wurzeln.
»Diese Lyrik macht den Leser reich« – Gedichte aus 25 Jahren in einem Band. Zum 60. Geburtstag der Autorin. Ulrike Draesner hat ein helles Ohr für Zwischenräume und »subsongs«, die Lieder unter den Liedern – Stimmen, die man gemeinhin nicht hört. In »hell & hörig« zeigt sich das ganze Können der Dichterin: Gedichte aus 25 Jahren, sinnlich, gedankenreich und zugewandt, viele davon noch unveröffentlicht. Souverän werden traditionelle lyrische Formen aufgegriffen, naturwissenschaftliche Kenntnisse integriert. Polyglott, polyamorisch, zeitgenössisch ist Draesners Poesie, deren Originalität sich auch im Umgang mit fremden Sprachen beweist. Dem Wald und seinen Pflanzen gehört ein Kapitel, ein anderes Tieren, ein drittes den Fragen nach Heimat und Migration. Große Gesänge gliedern den Band: die Klage um ein fehlgeborenes Kind, die Auseinandersetzung mit einer sich entziehenden Mutter. In zwölf von Draesner gestalteten Zwischenrufen geht sie der Frage nach, wie durch Poesie Neues in die Welt kommt und Altes, Vergessenes sichtbar wird: glänzend in seinem eigenen Ton.
Ulrike Draesners Gedichte handeln vom Alltag, von Liebe und Natur, von der Stadt. Sie spielen mit Formen der Dichtungstradition. Das Staunen über die Vielfältigkeit dieser Welt und ihre Gesetze, über ihre Vergangenheit und die abenteuerliche Zukunft der »schweren Körper« in ihr, setzt sich um in eine aus Rhythmus und Wortklang kombinierte zweite Stimme der Gedichte – eine Art innere Musik.
»Wir hielten uns an den Händen, für die Kraft. Jede brauchte einen Menschen.« - Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse
Eine nationalsozialistische Vorzeigemutter, die anderen die Kindererziehung beibringt, spricht nie über das Wichtigste, was sie verloren hat. Eine Köchin, die Frauen liebt, durchquert das zerstörte Deutschland im Sommer 1945. Ein Mädchen in München Solln, geboren in einem Lebensbornheim der SS. Eine alleinerziehende Anwältin von heute erbt nach dem Tod ihrer Mutter überraschend eine Wohnung in Wrocław und entdeckt einen polnischen Zweig ihrer Familie. Diese Figuren sind durch ein Jahrhundert von Krieg, Nachkrieg, Flucht und Gewalt verbunden. Was bedeutet es, in einem Staat zu leben, der Menschenzucht betreibt? Wie kann man über das Unaussprechliche schreiben, über das, was den Frauen im Krieg widerfährt? Ulrike Draesner gibt den Verwandelten ihre Stimmen zurück. Sie erfinden sich neu, wechseln Sprache und Land, überraschen sich selbst mit ihrem Mut und ihrer Kraft. Die Bedeutung von Familie wandelt sich, Freiräume entstehen. Ein bewegender, aufwühlender und kluger Roman, der die Liebe zwischen Müttern und Töchtern thematisiert. Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2024: »Ulrike Draesners Werke halten literarische Signale politischer Vorgänge fest und bezeugen die verwandelnde Kraft der Literatur.« (aus der Begründung der Jury)
Die Sprache wörtlich nehmen heißt, sie beim Körper zu nehmen: 'die mich / zerfunkende sprache daß ich endlich / höre ich von fern den reinen klang worin / ich schwimme mein körperzelt sprachmaterial / fundus und findling ist.' Im Zerbrechen der Bedeutungen und starren Bezeichnungen werden die verborgenen Zeichen eines weiblichen Ich sinnlich zur Sprache gebracht. 'gedächtnisschleifen' erwachsen in einer das Fleisch und das Zeichen, Gegenwart und Vergangenheit, Phantasie und Erinnerung kreuzenden Bild- und Sprachbewegung. Für ihre Gedichte wurde Ulrike Draesner mit dem Leonce-und-Lena-Förderpreis 1995 ausgezeichnet.
Dass er »zu sicher gelebt hat«, begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau Maude ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen entgegen: einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Das Wasser – stark, anziehend, gefahrvoll – verändert Charles’ Sicht auf sein Leben: auf die drei Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien. Mit beeindruckender poetischer und psychologischer Intensität, sinnlich und humorvoll erzählt Ulrike Draesner die Geschichte einer Kanalüberquerung, die äußere wie innere Grenzen testet. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch – oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.
Die kraftvollen Jugendstil-Illustrationen des Wiener-Werkstätte-Künstlers Carl Otto Czeschka von 1908 sind legendär: Sie gelten als absolutes Spitzenwerk der Buchillustration, gehören zu den bekanntesten Jugendstilkunstwerken. Bei ihrer Erstausgabe waren diese einzigartigen Bilder mit einer eher unerheblichen Nacherzählung der Nibelungensage kombiniert. Für diese opulent ausgestattete Neuausgabe der Heldensage wurde die Dichterin (und promovierte Altgermanistin) Ulrike Draesner gebeten, ihre eigene, höchst persönliche Nibelungen-Version zu schreiben. Dabei ist ein Zyklus wuchtiger und beeindruckender moderner Lyrik um den Nibelungenschatz entstanden, in dem Ulrike Draesner das großartige und grausame Geschehen durch die Subjektivität der vier Protagonisten hindurch in Klang und Stimme bannt: es sprechen Kriemhild, Siegfried, Brunhilde und schließlich Hagen. Einen Epilog liefern Kriemhilds Söhne mit einem Nibelungen-Computerspiel, bevor sich die Stimme einer Erzählerin und Dichterin selbst zu Wort meldet: »Immer wieder vergesse ich...«, was alles im Nibelungenlied geschieht. »Das Lied erzählt mir: Es gibt Lebenslagen, da fährt, was du liebtest und verlorst und noch liebst, unverhofft, unerwartet, erschreckend und schön, durch die Luft auf dich zu. Das vergesse ich nicht.«
Ulrike Draesner liebt seit ihrer Kindheit das Meer, doch der Weg dorthin führt über die Alpen und verursacht stundenlange Reiseübelkeit. Der Umzug nach Berlin bringt die ersehnte Nähe zur Ostsee, und fast jeden Sommer zieht es sie auf die Insel Hiddensee, die charmante Schwester Rügens. Zusammen mit Kind und Hund erkundet sie die Insellandschaft, betrachtet Flora und Fauna sowie Licht, Wind und Wetter und erzählt von der Inselgeschichte: Seefahrer, Geister, die Kultstätte Swantiland, die ersten Mönche, Asta Nielsen, Joachim Ringelnatz, Thomas Mann und Albert Einstein, sowie den Jahren vor und nach dem Mauerfall. Auf Hiddensee begegnet die Schriftstellerin sich selbst und stellt viele Fragen: Wie beeinflusst dieser besondere Ort ihr Zeitempfinden, ihr Verhältnis zur Sprache, zur Natur und zu den Menschen in ihrem Leben? Was wurde aus ihrer langjährigen Liebesbeziehung, die mit Hiddensee verknüpft ist? Was bedeutet es, Mutter zu sein? Was ist Glück und lässt es sich auf der Insel finden? Mit nachdenklicher Scharfsicht, hintersinnigem Witz und einer Mischung aus Geist und Herz beschreibt Ulrike Draesner ihr ganz persönliches Hiddensee.
Unberechenbar war das Glück schon immer, heute sind es auch Arbeit und Erfolg. Emil sitzt in einem nie zu Ende gebauten Schloss in einer eisigen Höhle, zwei Kollegen haben die Tür verschlossen. Ob sie ihn je wieder herauslassen? Ob er selbst einen Weg findet? Pider hingegen steht fünf Meter vom Strand entfernt ganz freiwillig im Meer, obwohl er weiß, dass die Strömung hier tödlich ist. Ein kleiner Schritt entscheidet. Ulrike Draesner erzählt kunstvoll und leidenschaftlich von Pendelbeziehungen, Liebessehnsüchten, Esswahn und Geldlust, von Ganzkörpereinsätzen und Lebenslist. Es sind Geschichten über Paare und Paarwillige, Geschichten, die ihrerseits Paare bilden und zum selben Thema überraschend gegensätzliche Meinungen haben. Und sich garantiert nicht versöhnen
Die Geschichte thematisiert den Verlust der Heimat durch die Perspektive von Simone Grolmann, einer 52-jährigen Professorin für Verhaltensforschung. Trotz ihres Erfolgs und ihrer analytischen Natur wird sie von einer tiefen Angst vor Schnee geplagt, die ihre Wurzeln in der Fluchtgeschichte ihrer Familie hat. Diese Angst ist eng verbunden mit den Erinnerungen ihres Vaters Eustachius, der als Kind 1945 aus Schlesien floh. Er trägt die Last seiner Vergangenheit und die Erinnerung an den Tod seines behinderten Bruders Emil mit sich. Der Satz „Sei froh, dass du lebst“ wird für ihn zum Mantra, während er versucht, seine traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Die Autorin verwebt die Lebensgeschichten der Grolmanns mit der einer anderen Familie, die aus Ostpolen vertrieben wurde. In einem eindrucksvollen Kaleidoskop von Erinnerungen entfaltet sich, wie Flucht und Vertreibung Traumata hinterlassen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Erzählungen spiegeln die komplexen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern wider und thematisieren die Herausforderungen und Freuden, die mit Migration und dem Streben nach Identität verbunden sind.
Seit über dreißig Jahren lädt die „Lektüre zwischen den Jahren“ ihre Leser zum Innehalten und Nachdenken ein. Nun präsentiert sie sich in neuer Geschenkbuchausstattung. Der Band auf das Jahr 2011 ist der Liebe gewidmet und versammelt die schönsten Gedanken und Geschichten zu diesem unvergänglichen Thema. Isabel Allende, Rose Tremain, Louise Erdrich, Laura Esquivel u. v. a. erzählen von Schmetterlingen im Bauch, von Verführung, Gefühl und Leidenschaft.
Eine persönliche Literaturgeschichte von einer der interessantesten Schriftstellerinnen ihrer Generation
Wir glauben sie alle zu kennen: Droste-Hülshoff, Virginia Woolf oder Ingeborg Bachmann, denn sie sind Ikonen der Literatur. Aber kennen wir auch ihr Werk? Ulrike Draesner versammelt Autorinnen, die für sie als Leserin und Schreibende wichtig sind, bringt sie uns auf klarsichtige und intelligente Weise näher und untersucht, inwieweit deren Werke für ein heutiges Schreiben relevant sind. Und sie zeigt, wie sehr die „schreibende Frau“ auch immer ein Skandal war, schön und schräg, beängstigend und verwirrend zugleich.
Die literarische Variante von Spielbergs Film „Munich“ 1972 wurde mit der Geiselnahme der israelischen Sportler die demonstrative Weltoffenheit der olympischen Sommerspiele aufs Brutalste torpediert. 1972 war aber auch das Jahr, in dem Katja erwachsen wurde und ihre erste Liebe sie verriet und von ihr verraten wurde. 20 Jahre später beginnt für Katja eine immer dringlicher werdende Suche nach dem, was damals wirklich geschah. Und es zeigt sich, wie sehr die private Geschichte mit der großen, politischen zusammenhängt.
Bedingungslose Hingabe an ihren Freund ist Aloes Wunsch. Aber Lukas, Astronom von Beruf, denkt in intergalaktischen Entfernungen, weniger in alltäglicher Nähe. Und Aloe, so aufgeklärt sie ist, leidet unter den Heimlichkeiten ihrer Kindheit: Was verbirgt sich hinter der seltsamen Schönheit ihrer Schwester? Wenn sie mehr und mehr abnimmt, kann Aloe aussehen wie die Schwester, vielleicht kann Aloe dann auch fühlen wie sie.
In Ulrike Draesners Roman wird ein Liebesdrama mit Witz und Eleganz erzählt. Harriet, eine Astrophysikerin, kämpft mit ihren Gefühlen, als ihr Jugendliebe Peter wieder in ihr Leben tritt. Zwischen Sehnsucht, Heimlichkeiten und Eifersucht stellt sich die Frage: Was passiert, wenn man zwei Menschen gleichzeitig liebt?
Als die große dänische Dichterin Inger Christensen im Januar 2009 starb, hatte sie zwar den verdienten Nobelpreis nicht erhalten, doch ihr Ruhm in der literarischen Welt, zumal der deutschen, war beträchtlich. Er basiert vor allem auf ihren zyklisch angelegten Großgedichten "das" (1969), "alphabet" (1981) und dem Sonettenkranz "Das Schmetterlingstal" (1991).Mit dem Künstlerhaus Edenkoben war Inger Christensen seit 1988 verbunden. Damals trat sie im Rahmen eines dänisch-deutschen Lyrikertreffens zum ersten Mal auf. Ihr traumhaft singendes Sprechen bezauberte alle, die ihren "Schöpfungsgedichten" lauschten. Im selben Jahr erschien "alphabet" in der deutschen Übersetzung von Hanns Grössel, ein Werk, das den Umschlag von mathematischem Denken in Poesie und Gesang demonstriert. Über Edenkoben und das Paradies hat sich Inger Christensen in dem 1994 erschienenen Essay "Die ordnende Wirkung des Zufalls" Gedanken gemacht. Inger Christensen wurde 1935 in Vejle/Jütland geboren und starb 2009 in Kopenhagen. Sie wurde als Lehrerin ausgebildet. Neben Gedichten veröffentlichte sie Essays, Erzählungen, Romane und Hörspiele.
Ulrike Draesner wählt dreißig faszinierende Hebel-Geschichten aus und beantwortet sie mit eigenen poetischen Texten. Sie beleuchtet die Modernität und Komplexität des Erzählers, entdeckt hinter der Anständigkeit wildere Träume und versteht die Geschichten als Türen zu neuen Erzählungen und Wunschträumen.
Ulrike Draesners Buch erzählt von der Reise zur Mutterschaft und den Herausforderungen, die damit verbunden sind. Mit einem Flug nach Sri Lanka beginnt die Geschichte einer Familie, die sich in einer sich wandelnden Gesellschaft findet. Es geht um Ängste, Zärtlichkeit und die Liebe zwischen Mutter und Kind, voller Humor und Überraschungen.
Roman – Ausgezeichnet mit dem Preis der Literaturhäuser
384 pages
14 hours of reading
Draesners hellsichtiger Roman über das vergiftete Erbe der binären Ordnung und das Recht, Diversität zu leben – nun endlich wieder lieferbar Nicht einfach, eine Schwester zu sein, wenn die andere so schön ist, so leuchtend, so geheimnisvoll. Auf Anita und Aloe Böhm liegt ein Familiengeheimnis. Im Deutschland der 90er-Jahre weiß niemand damit umzugehen: Anita, die Jüngere, wurde als Intersex geboren. Mit Operationen und Hormonen versuchte man, ihre wahre Körpergeschichte zu tilgen und vor ihr und der Schwester zu verheimlichen. Erst als Studentin stellt Aloe sich den Fragen, die Anitas rigide Einpassung auch für sie, die »Normale« aufwerfen: Was bedeutet es, eine Frau zu sein? Biologisch? Und sozial? Sie beginnt, auf radikale Weise mit der Formbarkeit ihres eigenen Körpers zu experimentieren. Anita wiederum, verheiratet mit einem älteren Mann, versucht wieder zum Intersex zu werden. Endlich gelingt es den Schwestern, sich zu verbünden. Doch bei ihrem letzten Schritt unterschätzen sie die irrationalen Kräfte der Konvention. Ulrike Draesner brillanter Roman »Mitgift«, erstmals 2002 erschienen, erzählt vom vergifteten Erbe der binären Ordnung und dem Recht auf Diversität. Das Werk, bei seinem Erscheinen der gesellschaftlichen Entwicklung weit voraus, liegt nun in einer von der Autorin dem heutigen Sprachgebrauch angepassten Neuauflage vor.
Ginas Ruf ist bemerkenswert, denn sie sorgt dafür, dass am Morgen danach keine unangenehmen Überraschungen auftreten. Ihr neuester Eroberung, Gordian, ahnt nicht, dass hinter Ginas Lässigkeit ein profitables Geschäftsmodell steckt. Zack, der mit seiner geliebten Tequila viele kleine süße Pitbulls züchtet, erlebt ebenfalls einen Wendepunkt an einem verfluchten Samstag, an dem alles schiefgeht. Auch die Geschwister Fritzi und Franz, die zwar keine Zwillinge sind, aber auf verstörende Weise verbunden, spielen eine Rolle. In einer weiteren Geschichte nimmt die Ich-Erzählerin ihr Europa-Puzzle in den Sommerurlaub mit und erkennt, dass sich einige Teile im echten Leben einfach nicht fügen lassen. Ulrike Draesners Erzählungen lehren uns, dass Intelligenz weiblich ist und dass der eigene Stolz seinen Preis hat. Sie zeigen, dass die Hässlichkeit der Männer manchmal nützlich ist, während falsche Scham nie hilft. Mit einer fesselnden Mischung aus Coolness, Überdruck und Eleganz präsentiert Draesner Schnappschüsse aus unserem Leben: aufgeregt und eindringlich, stets voller Sympathie für die Laster und Gelüste, die uns überfallen können. Ihre zwölf Erzählungen treffen mitten ins Herz und den Verstand unserer übermütigen und oft verzweifelten Gegenwart.
Ausgezeichnet mit dem Bayerischen Buchpreis, dieser tiefgründige und humorvolle Roman beleuchtet die Kraft der Kunst in dunklen Zeiten. Kurt Schwitters, 49 Jahre alt, wird von den Nationalsozialisten zur Flucht aus Hannover gezwungen, wobei er Erfolg, Werk, Besitz und seine Familie zurücklässt. In Norwegen, London und schließlich im Lake District beginnt er ein neues Leben in einer fremden Sprache. Wantee, seine neue Partnerin, unterstützt ihn, selbst als der Wortkünstler verstummt. Im Merzbau findet Schwitters einen neuen Weg, um die Schönheit der Welt einzufangen, mit unermüdlicher Disziplin bis zur Erschöpfung. Die Beobachter erkennen, dass Kunst die Welt nicht einfach abbildet, sondern sie in berührende Formen übersetzt. Ulrike Draesner folgt Schwitters ins Exil, wobei Kurt, seine Frau, sein Sohn und seine Geliebte zu Wort kommen. In einer virtuosen Mischung aus Fakten und Fiktion entsteht ein Panorama einer Zeit, in der Freiheit und Kultur neu erkämpft werden müssen. Der Roman thematisiert die Entstehung und die Wirkung von Kunst und bietet eine tiefgründige, humorvolle Reflexion über ihre Bedeutung. Ausstattung: Mit farbigem Poster im Umschlag.
Die Dauerausstellung im Literaturmusuem der Moderne
429 pages
16 hours of reading
Vorwort von Heike Gfrereis und Ulrich Raulff Eine Marbacher Marginalie von Hans Magnus Enzensberger ZEITLICHKEIT Karl Heinz Bohrer Die Zeitlichkeit der modernen Literatur Ulrike Draesner Das Zeit-Erzählen BILDLICHKEIT Horst Bredekamp Die Bruderschaft von Schrift und Bild ÖRTLICHKEIT Wilhelm Genazino Exklusive Trivialität. Benn, Horváth und Weiss in ihren Sehnsuchtsräumen SE(E)LIGKEIT Hans Ulrich Gumbrecht Vom beseelenden Hauch der Literatur Heike Gfrereis Die Ausstellung Das virtuelle Literaturmuseum des 21. Jahrhnderts
Die jährlich erscheinende Anthologie setzt in konzentrierter Form das Programm der Zeitschrift >neue deutsche literatur fort und veröffentlicht bisher ungedruckte Texte bekannter und neuer Autorinnen und Autoren: Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichte, Essays und Aufsätze, Gespräche, Porträts, Polemiken und Aphorismen. Vornehmlich widmet sich die Anthologie den heutigen Realien des Lebens und der Gesellschaft, ohne zu vergessen, dass Literatur als Sprachkunst mehr ist als die Fortschreibung von Gesellschaftskunde mit anderen Mitteln. Sie favorisiert deshalb Texte, deren Autoren gestalterische Risiken eingehen. So ist sie nicht minder ein Verbalienbuch
Gedichte und Interpretationen Begründet von Marcel Reich-Ranicki
336 pages
12 hours of reading
Ein Klassiker: Gedichte und ihre Interpretation. Begründet von Marcel Reich-Ranicki »Erschließen, um zu bewahren: Das geheime Motto des Herausgebers hat ein Werk entstehen lassen, das nichts weniger ist als eine Einweihung in die Welt der Poesie.« (Siegfried Lenz) 1974 startete Marcel Reich-Ranicki ein in der Literaturgeschichte einmaliges Unternehmen: Unter dem Motto »Der Dichtung eine Gasse« werden seitdem in jeder Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Gedichte aus allen Epochen deutscher Lyrik vor, jedes erläutert von einem namhaften Interpreten. Die Bände der Frankfurter Anthologie fassen die Gedichte und Interpretationen eines Jahrgangs zusammen. Inzwischen liegen über 2050 Gedichte vor.