Günther Anders gehört zu den bedeutendsten Philosophen und Gesellschaftstheoretikern des 20. Jahrhunderts. Sein Leben war von den beiden Weltkriegen und dem Holocaust geprägt. In ihm spiegelt sich die ganze Dramatik des Zeitalters der Extreme. Mit Hannah Arendt verband ihn eine achtjährige Ehe und Denkgemeinschaft. Dieses UTB-Profil stellt Leben und Werk des politisch höchst engagierten kritischen Denkers vor.
Der Günther Anders-Preis für kritisches Denken würdigt Autoren, die sich mit den kulturellen und ökonomischen Umwälzungen unserer Zeit auseinandersetzen. Der Preisträger 2022, Joseph Vogl, entwickelt eine kritische Analyse der Finanzmacht und verknüpft verschiedene Disziplinen, um den finanzmarktgetriebenen Kapitalismus neu zu verstehen.
Anders’ essayistisch-unsystematisch anmutendes Denken ist erstaunlich kohärent, philosophisch tiefgründig und radikal, dabei von bestechender Aktualität. Lange galt er als akademischer Außenseiter und engagierter Philosoph, der gegen die drohende atomare und ökologische Selbstvernichtung der Menschheit schrieb. Angesichts umfangreicher Nachlasseditionen, wachsendem wissenschaftlichem Interesse und neuer Menschheitsbedrohungen ist nun die Zeit für eine Neubewertung gekommen. Die Auseinandersetzung mit Anders’ vielgestaltigem Werk erfolgt auf unterschiedlichen Lektürewegen: durch innovative Methoden, die der Literatur und Avantgarde-Kunst der 20er Jahre entlehnt sind, sowie durch seine Überlegungen zur Sprachkritik und sein wegweisendes Verständnis des gegenwärtigen „Weltzustands Technik“. Zudem wird die atomare Drohung und unsere Unfähigkeit zur Angst thematisiert, ebenso wie die Rolle des kritischen Intellektuellen in der Gesellschaft. Auch seine frühen anthropologischen Schriften, die für das Verständnis seines Hauptwerks unerlässlich sind, werden betrachtet. Günther Anders (1902–1992) zählt zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts und wurde in den 50er Jahren als „wahrscheinlich schärfster und luzidester Kritiker der technischen Welt“ (Jean Améry) anerkannt. Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Die Antiquiertheit des Menschen“ und „Die atomare Drohung“.
Dialoge mit Hannah Arendt und ein akademisches Nachwort
141 pages
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Die legendären "Hannah- Dialoge" von Günther Anders erstmals veröffentlicht: Nach dem Tod seiner ersten, schon 1937 von ihm geschiedenen Ehefrau Hannah Arendt im Dezember 1975 begann Günther Anders in Erinnerung an jene glückliche erste Zeit des Zusammenlebens, seine Notizen aus den Berliner Ehejahren ab 1929 durchzusehen und im Gedenken an Hannah, die er zur ersten und einzigen Liebe seines Lebens verklärte, die philosophischen Gespräche zu rekonstruieren, die sie damals miteinander geführt hatten. Diese "Hannah-Dialoge", die bislang nur in der Handschrift vorlagen, werden hier erstmals von Gerhard Oberschlick ediert. Ein ausführlicher Essay von Christian Dries beleuchtet die Lebens- und Denkwege von Hannah Arendt und Günther Anders und hilft, die Dialoge in das Lebenswerk der beiden Protagonisten einzuordnen.