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Im Moralapostolat

Die Geburt der westlichen Moral aus dem Geist der Reformation

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Nach dem Ende der Lutherdekade wird die Theologie des Reformators bewusst umgangen, da sie als vermintes Gelände gilt. Die selbsternannte Kirche der Freiheit schützt Errungenschaften wie Mündigkeit und Pluralität, während sie die dogmatischen Grundlagen des Augustinermönchs nur ungern thematisiert. Horst G. Herrmann analysiert eine entscheidende mentale und dogmatische Verschiebung: Ein schmerzinduzierendes Christentum, das die objektive Verfehlung der Nachfolge Christi thematisiert, wird in ein angstverbreitendes, egozentriertes reformatorisches Christentum transformiert. Luthers Betonung von Sünde und Angst bringt drängende Fragen nach Einschluss oder Ausschluss sowie Himmel oder Hölle mit sich, während die imitatio Christi der Hermeneutik des Verdachts ausgesetzt wird. Die Reformation kennzeichnet einen moralischen Wandel im Westen, der eine Tugendethik durch unausgesprochene Moralistik ersetzt. Aus einem Sollen wird ein Müssen – ein Glaubens-, Lese- und Begnadetseinmüssen. Der (Pilger-) Weg, der Halt gibt, wird zum angstvollen Blick auf ein unerreichbares Ziel. Die Überbetonung von Erbsünden und der Drang nach säkularisierter Heilsgewißheit sind zur pathogenen Matrix des Westens geworden. Wir alle, gläubig oder ungläubig, tragen die Last der postreformatorischen Belastungsstörung.

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Im Moralapostolat, Horst G. Herrmann

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2017
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(Paperback)
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