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Die reiche Rezeptionsgeschichte von Prousts Erinnerungsroman ist geprägt von einer Vielzahl faszinierender Perspektiven. Eine bisher unerforschte Dimension ist die durchgängige Kraft der Reflexion, die nicht nur Erinnerungen rekonstruiert, sondern auch einen Denkweg eröffnet. Auf diesem Weg entsteht aus den kontingenten Ereignissen eines Lebens ein allgemeingültiges Fazit. Das Ich des Romans führt einen intensiven Dialog mit den Rezipienten, dessen Ziel eine verbindende Wertigkeit des Erkennens ist. Diese Reflexion ermöglicht es, aus individuellen Erfahrungen generelle Schlüsse zu ziehen. In den reflektierenden Passagen verwandelt sich das Ich in "man" oder "wir" und schafft so eine permanente Verbindung zu den Lesenden. Das Ergebnis ist nicht nur ein poetisches Selbstbewusstsein des Werkes, sondern auch eine universelle Valenz des Erkennens. Diese Erkenntnisse führen in der letzten, spektakulären Wendung des Textes zum Schreibakt eines Werkes, das sowohl ein "édifice immense du souvenir" als auch ein kleines Gebäude aus Gedanken errichtet. Der 150. Geburtstag des Verfassers verdeutlicht die anhaltende Frische des Romans und die Begeisterung seiner Leser, die durch die Vielfalt der Perspektiven und die tiefgründige Reflexion genährt wird. Die Publikation zielt darauf ab, ein neues, bisher unbekanntes Vergnügen des Lesens zu zeigen.
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Ein Gebäude aus Gedanken: Prozesse und Texturen der Reflexion in Marcel Prousts "À la recherche du temps perdu", Angelika Corbineau-Hoffmann
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- 2022
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- (Paperback)
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